Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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7. Sonntag im Jahreskreis (A), 23. Februar 2020

23/02/2020 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Eine mächtige Frau macht ihren Weg, ein mächtiger Mann muss sich nicht kümmern. Solche Menschen werden aufgehalten nur durch Alter, Krankheit und Tod. Aber die anderen? Schwache Frauen ohne Rechte? Arme Leute? Kinder? Die, die vertrieben wurden? Die schauen, dass sie irgendwie durchkommen. Die meisten scheitern. Diese Menschen sind einfach zu müde, um aufrecht zu gehen. Vier Jobs gleichzeitig, alle unsicher, für noch weniger als den Mindestlohn, am Abend fertig, keine Kraft, noch nachzudenken. Die hören gerade noch das Signal der Mikrowelle und das Geschwätz im Fernsehen.

Eines Tages aber, da kam einer, setzte sich zu solchen Menschen, ganz still, blieb bei ihnen… und nach einer Zeit sprach er: „Wisst ihr, dass ihr Gottes Tempel seid? Dass der Geist Gottes in euch wohnt?“ Die Frauen ohne Rechte, die Armen, die Kinder, die Flüchtlinge dachten sich: „Du gschwollener Depp!“ Der Mann blieb bei ihnen. Und dann sahen sie die ersten Christen. Die Traurigen, die Armen, die Kinder, die hoffnungslosen Fälle, die Loser, die Sklaven sahen, dass die Christen sie ganz anders anblickten, ganz anders behandelten als die mächtigen Männer und die mächtigen Frauen. Und jetzt erinnerten sich an die Worte, die Paulus ihnen gesagt hatte: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid?“ Und sie wurden wach. Sie gingen aufrecht, sie wurden stark in ihrem Innern und in ihrem Herzen, sie wurden mutig – und veränderten die Welt. Denn jeder von ihnen wusste: In mir wohnt der Geist Gottes.

Die Kirche hat das Leben der Frauen verändert. Sie hat ja nicht nur den Männern gesagt: Ihr seid Gottes Tempel, sondern allen. Männern und Frauen, Freien und Sklaven. Und den Kindern. Sie hat den Frauen Maria Magdalena gezeigt, die erste, die ruft: „Er ist auferstanden!“ Sie hat den Frauen Maria gezeigt, die Königin mit dem Kind, Jahrhundert um Jahrhundert. Glauben Sie nicht, dass die Frauen verstanden haben, nach und nach? Die Kirche hat mehr getan für die Würde des Menschen als alle Polit-Revolutionäre zusammen. Wie? Einfach, indem sie Tag für Tag, Jahr für Jahr, Jahrhundert um Jahrhundert den Menschen gepredigt hat: „Ihr seid der Tempel Gottes, und in euch wohnt der Heilige Geist.“ Und: „Selig, die arm sind vor Gott. Selig, die Frieden stiften. Selig, die für die Gerechtigkeit leiden.“ Und: „Bei euch soll es nicht so sein: Seid anders als die Heiden und die Zöllner.“ Und die Menschen fingen an, anders zu sein. Neu.

Es gibt immer wieder Männer und Frauen, die das aufhalten wollten, in der Kirche und noch mehr außerhalb. Jetzt greifen sie wieder zu Waffen und gehen in die Bethäuser und in die Kaffeehäuser der jungen Leute und sie predigen auch, aber ganz anders… Sie predigen Hass, sie verachten die Frauen.  – Doch die Kirche steht weiter. Hören Sie, was die Kirche Ihnen sagt!

Wirklich hören kann das nur jeder für sich. Im Weingarten draußen vielleicht oder am Abend, wenn Sie den Fernseher abdrehen und es still wird. Sie wissen, der Tag ist bestanden und die Zeit vergeht; Sie denken daran, wer Sie früher waren, wer Sie geworden sind… Dann, in solchen Momenten hören Sie gut. „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“

In Euch? Wo? Nicht im Verstand, nicht in den Gefühlen, nicht in den Erinnerungen, nicht in den Genen, Blutbahnen, Zellen. Noch viel tiefer, ganz tief in Ihrem Innern, da wo nichts anderes mehr hinkommt und nichts anderes mehr ist, da ist entweder: öde Leere, nichts. Oder aber: der Funke! Licht. Nicht selbst gemacht, nicht ausgedacht. Sondern geschenkt.

Das, nicht Liebe, nicht Handeln, ist die allererste Botschaft der Kirche: Du bist! Und in dir geschieht! In dir, du getaufte Frau, ist der Heilige Geist. In dir, du getaufter Mann, ist Feuer. In euch ist Licht. Rat. Stärke. Weisheit. Liebe. Und das alles zusammen bedeutet: Würde. Das ist die ewige Predigt, immer und immer wieder, für jeden neuen Getauften von vorn: Glaubt an eure Würde!

So viele moderne Menschen haben gelernt, auf sich zu schauen; auf ihre Gefühle zu achten, auf ihre Energien, auf ihre Familiengeschichte. Auf ihre Rechte sowieso. Nur dieser eine Gedanke: Ich bin ein Tempel des Heiligen Geistes, und mein Kind ist es und mein Mann, nur das scheint allen absurd. Und so bleibt dieser Gedanke folgenlos. Er sei abgehoben, heißt es dann. „Das taugt doch nicht für das normale Leben der Leute. Das ist nicht alltagstauglich.“ – Glauben Sie ernstlich, Paulus hätte keinen Alltag gehabt? Glauben Sie wirklich, die ersten Christen hätten nichts von der Welt und vom Leben der Leute verstanden? Glauben Sie, erst Luther, die Französische Revolution und die Kommunisten hätten den Menschen befreit und die Frauen emanzipiert? Dann glauben Sie auch, dass Nationalisten, Faschisten, Fundamentalisten, Evangelikale die Welt retten werden. Oder das Kapital. Lachhaft.

Nicht einmal die klugen Leute werden die Welt retten. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, steht heute im Evangelium. Jesus zitiert das Alte Testament. „Auge um Auge“, das war ziemlich klug. Da ging es nämlich nicht um Rache, wie alle behaupten, sondern um einen angemessenen (finanziellen) Schadenersatz. „Auge um Auge“, das bedeutete: Es wird nicht zu einer Eskalation der Gewalt kommen; es bleibt in einem Maß, und die Mächtigen können sich von der Wiedergutmachung nicht drücken. Alles ziemlich vernünftig. So kann man die Welt ordnen. Ein bisschen.

Aber dann kommt Jesus und sagt: „Mehr! Geht weiter! Seid mehr als nur klug. Geht bis an die Grenzen, immer wieder. Ich schenke euch“, sagt Jesus, „die Taufe und die Eucharistie. Damit der Geist Gottes in euch wohnt. Kraft. Die Kraft, mit dem Hass dieser Welt fertig zu werden.“

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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