Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Montag der 6. Woche im Jahreskreis

17/02/2020 


Leiden

(Jak 1,1-11)

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

„Seid voll Freude, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet.“ Also: Freut euch, wenn ihr versucht werdet. Das muss schiefgehen. Der folgende Satz macht es nicht besser: „Ihr wisst, dass Prüfung Ausdauer bewirkt.“ Die Kombination von Versuchung und Prüfung mit Freude spült den Wirrwarr in den Köpfen nach oben. Wir hier suchen aber Klarheit und Ruhe. Die Leute suchen Aufregungen.

Prüfungen – also Leiden – mit Freude zu verbinden, fällt heute keinem ein. Und Versuchungen? Damit verbindet der Stammtisch Schlüpfriges. Oder Albernes. Da werden ein Glaserl Schnaps oder ein Praliné zur Versuchung. – Dass Jesus in dem einzigen Gebet, das er der Welt hinterlassen hat, dem Vaterunser, auch von Versuchungen spricht, sollte uns hellhörig machen. So harmlos, wie die Leute sich das denken, ist es offenbar nicht. Schlüpfriges, Albernes … glauben Sie nicht, dass die ersten Christen ganz andere Sorgen hatten? Die Frauen und Männer, an die der Jakobusbrief gerichtet ist, wurden blutig verfolgt; sie lebten zerstreut, ohne Rückhalt in der Gesellschaft; ein Zusammenhalt war noch nicht organisiert. Der Glaube warf schwierige Fragen auf; das große Nachdenken setzte gerade erst ein. Diese Frauen und Männer erlebten echte Prüfungen.

Was sind Prüfungen? Prüfungen sind Herausforderungen. Noch klarer: Prüfungen sind Leiden. Allerdings Leiden, deren Sinn man erkennt, im Unterschied zum Leid, das einem völlig absurd erscheint.

Die Leiden einer Diät oder eines Trainings gelten im Allgemeinen als sinnvoll, als Herausforderung, die Leiden des Verlassenwerdens oder der schweren Krankheit als völlig sinnlos. Da wird die Frage in den Raum gestellt: Warum ich? Was habe ich getan, dass ich so leiden muss?

Sie haben es verdient. Das ist eine mögliche Antwort. Ich habe es verdient, dass ich leiden muss: Das sollte man mindestens ins Auge fassen. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Gott ist Richter, nicht ich.

Wenn ich auf mein Leben schaue, auf das, was mir gegeben wurde, was mir aufgetragen wurde, auf das, was ich nicht getan habe, was ich verdorben habe, dann weiß ich: Es gibt in dieser Welt kein Leiden, dass ich nicht längst verdient hätte. Ich bin nicht gut im Leiden, ich bin zimperlich, ich habe Angst, aber ich kann mir nicht vorstellen, irgendwann zu rufen: „Was habe ich getan, dass ich so leiden muss?“ Ich wüsste. Und muss weiterleben. Das bedeutet, den Versuchungen, Prüfungen, Leiden einen Platz geben. Christen, Menschen also, die sich auf Jesus Christus berufen, müssten doch zumindest ahnen, dass das Leiden nicht nur sinnlos sein kann. Eine Welt wurde durch Leiden erlöst! – Niemals werden wir, in diesem Leben, verstehen, warum das so ist. Aber wir sehen klar, dass es so ist. Und uns geht eine Lösung zumindest auf: Wer leidet, ergänzt, was am Leiden Christi fehlt: Klare Lehre der Heiligen Schrift.

Leiden ist also nicht steril, nicht sinnlos, sondern eine Aufgabe. Mitwirken mit Christus. Es gibt ein Leiden, das mit persönlicher Sünde nichts zu tun hat; nicht jedes Leiden ist eine Strafe. Deswegen ist die Frage „warum ich?“ falsch. Hiob leidet nicht, weil er böse war. Jesus selbst, der heiligste der Heiligen, der ganz und gar Reine, wird eines Tages sagen: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod.“ Dass ein Mensch leidet, sagt nichts über seine persönliche Schuld.

Leiden kann schon einfach aus unseren physischen, moralischen und geistigen Schwächen kommen. Unser Fehler (die etwas anderes sind als unsere Sünden!) können zu einem Gewinn werden, wenn wir demütig alles von Gott annehmen. Da liebt einer Behaglichkeit und Wohlbefinden. Das ist eine gewisse Schwäche. Wenn er sich aber einfach und demütig begnügt mit dem, was ihm geboten wird, wird seine Schwäche ein Segen. Das innere Leiden, das sich ergibt aus Schwäche, Annahme und Verzicht, reinigt die Seele.

Es gibt Leiden, das uns läutern soll. Da fällt zum Beispiel das Beten schwer, die Pflichten des Alltags werden zu einer Mühsal, die Seele empfindet keine Befriedigung mehr. Wenn sie sich durch diese Prüfung von den Dingen löst und einen Schritt auf Gott zu macht, ist das Leiden ein Segen. Wenn der Mensch in einer solchen Lage sich aber mit äußeren Zerstreuungen ablenkt, dann ist die Chance verpasst. Es kann in Ihren Leiden auch um Läuterung und Umgestaltung gehen. Bedenken Sie auch dies.

„Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Ausdauer bewirkt. Die Ausdauer aber soll zu einem vollendeten Werk führen.“ – Was ist das vollendete Werk? Der durch und durch gute Mensch. „Denn so werdet ihr vollendet und untadelig sein, es wird euch nichts mehr fehlen.“ Das ist dann der Fall, wenn Gott einen Menschen gestaltet hat. Vielleicht auch durch Leiden.

Und da alle Menschen so werden sollen, dass ihnen in den Augen Gottes nichts mehr fehlt, wird auch der nächste Sinn des Leidens klar: Ich kann leiden für andere. Stellvertretend. Ich kann meine Schmerzen für andere tragen, damit diese gerettet werden. Man kann das Sühne nennen. Man kann aber auch einfach sagen: Ein Leiden, das ich nicht durch meine Schuld verdient habe zu ertragen, annehmen für meine Freunde, für meine Kinder, für ganz Fremde: Das ist Liebe.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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