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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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19. Sonntag im Jahreskreis (C), 6./7. August2016

23/09/2016 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Die Welt wäre besser ohne Religion. Ohne so genannte „Gläubige“ wäre diese Welt friedlicher. Wenn im Namen Gottes getötet wird, wird es Zeit, der Religion den Rücken zu kehren: Immer mehr Menschen denken so. Der Glaube und die Gläubigen haben derzeit kein gutes Image.

Deswegen müssen wir hier uns klar werden über die richtige Art zu glauben. Denn es gibt eine falsche Art zu glauben und eine richtige. Wobei richtig und falsch hier nichts zu tun hat mit Jesus oder Mohammed. Der Islam ist falsch, und das Christentum richtig: So einfach geht es nicht (ich kann mich übrigens gut erinnern an die Zeit vor wenigen Jahren, als uns viele von denen, die heute die muslimischen Ausländer am liebsten internieren würden, die Mohammedaner als Muster von Glaubenstreue und Bekennermut hinstellten).

Bei uns in Österreich kommt der Glaube aus der Geschichte. Aus der Tradition. M. a. W. aus der Gewohnheit. Und der Glaube ist gebunden an eine Gemeinschaft: Ich bin Christ, weil ich glaube, was die anderen Christen glauben. Geschichte, Gewohnheit und Gemeinschaft sind also das Erste. Erst dann kommt, hoffentlich, der Moment, wo der Glaube persönlich wird. Bei vielen kommt er nie. Viele sagen, sie seien Christen, aber sie haben sich nie bewusst, ganz persönlich für Christus entschieden. Nie gesagt: „Herr, ich liebe dich!“ Nie gefragt: „Was willst du?“ Sie haben nie einen Moment erlebt, wo sie Gottes Stimme in ihrem Inneren vernehmen. Viele haben Gott nie gefragt: Was soll ich tun? Soll ich heute in die Kirche gehen? Soll ich meinem Mann verzeihen? Soll ich wirklich aus der Kirche austreten? Und sie haben nie gehört, dass Gott ihnen sagt: Brich auf! Hab Vertrauen! Glaube!

In der Lesung aus dem Hebräerbrief treffen wir heute auf Frauen und Männer, deren Glaubensweg genau andersherum geht: Er beginnt in dem Moment, wo sie spüren: Da ist Gott; Gott will etwas von mir. Echter Glaube ist, wenn Gott und Mensch aufeinander treffen (und genau das spreche ich den Attentätern ab. Sie treffen auf ihre Idee von Gott, aber nicht auf Gott selbst; sie führen ein Selbstgespräch, aber keinen Dialog).

 

„Im Glauben gehorchte Abraham und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.“ Und „im Glauben empfing Sara Kraft, Mutter zu werden.“ Beim Glauben Saras und Abrahams, beim Glauben der Israeliten, die ausziehen aus Ägypten, beim Glauben des Jüngers, der auf die Rückkehr des Herrn wartet wie im Evangelium geht es nicht um Glaubensbekenntnisse, nicht um Gewohnheiten und Traditionen; da geht es um ganz persönliche Momente. Um Hoffen, Festigkeit, Vertrauen.

Vertrauen braucht es vor allem. „Im Glauben gehorchte Abraham und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen würde.“ Abraham vertraut Gott. Sara ist eine Frau, die sich an den Gedanken gewöhnt hat, im Alter allein zu bleiben. Da trifft sie auf Gott. Jetzt muss sie vertrauen, dass es weitergeht mit ihr; dass sie doch noch ein Kind bekommt, obwohl sie eigentlich zu alt dafür ist.

Diese Gläubigen haben nicht viel in der Hand. Sie haben nur das Wort Gottes. Ein Wort, das nur sie hören. Die anderen, die drumherum stehen um diese Leben, werden bloß den Kopf schütteln. „Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft. Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“, heißt es in der Lesung.

Solcher Glaubensweg ist schwieriger als der, der nur auf den Gleisen der Gewohnheit fährt. Aber es ist der richtige Weg. Er führt zu etwas Gutem, zu einer Veränderung. Abraham und Sara gewinnen Zukunft: Sie bekommen ein Kind. Sie bauen eine Familie auf, aus der einmal der Erlöser der Welt kommen wird.

Die Attentäter zerstören Familien und bauen an einer bitteren Zukunft. Sie machen sich den Glauben leicht. Sie treffen irgendeinen Typen, der ihnen irgendwas sagt. Sie denken nicht über sich nach und nicht über den, der sie auffordert zu töten. Sie zweifeln nicht, sie fragen nicht, sie fallen auf den Groll in ihrem Bauch herein. Und handeln. Das ist die Hauptsache. Nicht leben, nicht denken, nicht lieben, nicht glauben, nur: handeln. Ballern.

 

Die wahren Gläubigen hören nicht auf irgendeinen, der irgendetwas behauptet. Eines Tages hören sie Gott – und können es nicht glauben, weil Gott so überraschend ist. Dann hören sie ihn wieder und fangen langsam an zu zweifeln: am Alten, Gewohnten. Und fangen langsam an zu glauben: an das Neue.

Gott verlangt nichts Böses, nichts Zweifelhaftes, nichts, was andere trifft oder anderen schadet. Gott verlangt nur Vertrauen. Einen Schritt. Durchhalten – und nicht sofort eine Lösung wollen, nicht gleich das Resultat sehen wollen. Abraham muss warten; er lebt jahrelang „im verheißenen Land wie in einem fremden Land“. Das ist etwas anderes als die Teilnahme an einem Mörder-Lehrgang.

Der Glaube Abrahams erlaubt ihm nicht, sich in dieser Welt, in dieser Gegenwart festzusetzen („sie hielten ihr Leben nicht fest“, Offb 12,11). Das ist ein Glaube, der sich in die Zukunft richtet, nicht in die Vergangenheit. Der nicht von einer Gruppe diktiert wird, sondern zuerst aus der Begegnung kommt: Gott und Mensch begegnen sich. Und ein Mensch beginnt zu glauben.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben.  Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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