4. Sonntag der Osterzeit 2026
4. Sonntag der Osterzeit 2026 (Joh 10,10) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Die meisten Katholiken wünschen sich ihre Kirche so ähnlich wie einen Gesangsverein. Oder Trachtenverein. Vereine sind keine Frage auf Leben und Tod. Sie sind nützlich, sie bringen die Leute zusammen; das ist schon viel. Aber geht es darum im Leben? – Ich kann die Kirche so nicht sehen. Nicht wie einen Verein. Weil ich das Evangelium höre. Da geht es um Leben und Tod, da geht es um alles, um das, was am Ende zählt. In der zweiten Lesung und im Evangelium gibt es Stellen, die Ihnen helfen, den Glauben der Christen besser zu verstehen. Im Ersten Petrusbrief heißt es: „damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit“. Leben und Tod also. – Im Evangelium dann: „Ich“ – Jesus – „bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Leben also. Darum geht es im Christentum. Gar nicht zuerst um das richtige Leben oder das gute Leben oder das schwere oder das verpfuschte. Einfach um das Leben. Christus und Leben, das müssen Sie zusammenbringen. Ist aber nicht leicht. Weil es nicht auf Anhieb einleuchtet; weil Sie nicht gewohnt sind, so zu denken. Und weil Sie nicht gerne leben. Das Leben lockt Sie nicht wirklich, das „ewige Leben“ schon gar nicht. Kinder leben gerne. Dass sie manchmal traurig sind oder Angst haben, nimmt ihnen nicht die Lebensfreude. Kinder können vor lauter Freude am Leben zwanzigmal laut schreiend um den Kaffeetisch rennen. Wir Erwachsene tun das nicht, wir haben noch nicht mal Lust, das zu tun. Wenn Erwachsene wieder anfangen zu rennen, wird gleich ein Sport daraus mit Equipment, wenn sie mal wieder tanzen gehen, sieht es doof aus. Vielleicht weil wir längst gecheckt haben, dass das Leben richtig schwer sein kann und dass es zu Ende geht. Also misstrauen wir der Lebensfreude; also zucken wir bei der Osterbotschaft die Achseln. „Ja, schön wär’s…“ Aber mehr ist da nicht. Wir empfangen in der Kommunion, so sagt es die Liturgie, das „Brot des Lebens“. – „Der Leib Christi!“, sagt der Priester und zeigt Ihnen die Hostie. Sie antworten „Amen“, übersetzt: „So ist es!“ Sie empfangen den Leib Christi. Überlegen Sie: Wozu sollten Sie den toten Leib Christi empfangen? Das Ganze macht doch nur Sinn, wenn dieser Leib lebt und wenn es ein geistiger Leib ist, der Leib des Auferstandenen. Der Auferstandene selbst. Es geht doch bei der Kommunion nicht um eine Brotzeit. – Wir aber hören „das Brot des Lebens“ (Schwerpunkt nicht auf Brot, sondern auf Leben) und denken: „Och nö, Danke“. So gehen wir zur hl. Kommunion. So wollen wir unsere Kommunionkinder. Welche Eltern wünschen sich ein Kommunionkind, das glüht vor Glauben, Frömmigkeit und Liebe zu Christus? Alle Väter wünschen sich einen begeisterten Fußballer zum Sohn. Aber einen begeisterten Christen? Stimmt, das alles leuchtet nicht auf Anhieb ein. Ich versuche, eine Entwicklung in Ihnen anzustoßen. Die Evangelien erzählen immer wieder von Männern und Frauen, die nicht gleich verstehen, wovon Jesus spricht. Aber wie diese Menschen damals können auch wir heute verstehen, dass Jesus oft in Gleichnissen spricht, in Bildern. Die, die „draußen“ sind, die sich nicht auf Jesus einlassen, verstricken sich immer tiefer in den Irrtum[1]. Die anderen verstehen, die Jüngerinnen und Jünger. Denen geht auch auf, dass selbst ein Jünger Jesu sich vom Leben Christi wie es wirklich ist, keine Vorstellung machen kann. – Wie sollen wir Menschen hier auch wissen, was das Leben des Auferstandenen ist? Es ist so neu! So anders! Wie sollten wir Menschen wissen, was das Leben Gottes ist? Aber nähern können wir uns. Wir haben die vier Evangelien, wir können uns dem Jesus, von dem sie berichten, nähern. Dann müsste uns doch mindestens dies aufgehen: Dieser Mann ist wirklich lebendig. Nicht Ballermann-lebendig, sondern ein Mensch, dessen Seele und Geist ganz lebendig sind; also einfach, nicht kompliziert, / himmlisch statt niedrig, / entschlossen-gut statt halbherzig böse, / voll ruhiger Kraft statt lahm. In den Gesten Jesu, in seinen Worten, den Heilungen, den Wundern, in seiner Verklärung wird ein wenig (!!) deutlich, was dieses Leben ist. Für den Rest ist Ihr Glaube gefordert. Sind Sie bereit, Ihren Glauben zu geben? Nur dann werden Sie nach und nach verstehen lernen, dass der Weg zum Leben darin besteht, Jesus zu empfangen. Jesus, nicht ein weißes Plätzchen. Dazu ist die Kommunion da. Jesus ist ihr verborgen – natürlich nicht als durchblutetes, bratbares Fleisch, sondern auf geistige Weise. Sie sind doch auch geistige Wesen. Wer glaubt, nimmt Jesus selbst in sich auf. Jesus ist nicht das moralische Vorbild, er ist nicht bloß der Vermittler des Lebens. Er ist selbst das göttliche Leben. – „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“ Wenn es absolut darauf ankommt, an diesem göttlichen Leben teilzuhaben, dann genügt es nicht, Jesu Worte zu hören, dann muss man ihn selbst in sich aufnehmen. Dafür ist das Essen einfach das beste Bild. Deswegen wählt es Jesus beim Letzten Abendmahl. „Nehmt und esst, das ist mein Leib … für das Leben der Welt“ (Joh 6,51). Kommunion bedeutet: Jesus, die Gabe Gottes, Gott von Gott, wird uns radikal und leiblich in den Mund gelegt. Ohne Ihren Glauben geschieht: nichts, rein gar nichts. Mit Ihrem Glauben können Sie entdecken, dass es eine Verbindung gibt zwischen Christus – der Kommunion – dem Leben – und Ihnen. Das müssen Sie lernen: Ihre Kommunion mit dem Leben zu verbinden. Dann empfangen Sie und die Kommunionkinder nicht eine Hostie, sondern das Leben des Auferstandenen. Das würde die Welt merken. [1] „Das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit, uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft. Halleluja“ (1 Kor 1,18). Fürbitten Wir beten …um Sehnsucht nach dem Leben Weltweit lassen sich viele junge Leute taufen. An Ostern 2026 allein in Frankreich mehr als 21.000 Erwachsene! Wir beten für die neuen Christen. Petrus schreibt: „Wenn ihr recht handelt und trotzdem leiden müsst und standhaft bleibt, dann ist das eine Gnade“ (1 Petr 2). Jesus ist der Gute Hirt. Wir beten um gute Hirten und Hirtinnen in den Familien. Am 16. April sagte der Papst in Kamerun diese erstaunlichen Worte: „Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören, dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen… Sie tun so, als sähen sie nicht, dass Milliarden von Dollars verbraucht werden, um zu töten und zu verwüsten, dass man jedoch nicht die Mittel findet, um zu heilen, zu erziehen und wiederaufzurichten…“ – „Eine Spirale der Destabilisierung und endlosen Sterbens“. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Windheim am 26. April 2026
… um Lebensfreude
… um Dankbarkeit für das Leben, trotz allem
… um die Begabung, andere lebendiger zu machen.
Wir beten für die Eltern unserer Kommunionkinder. Und für ihre Großeltern.
Heiliger Geist, lass uns den Sinn des Leidens verstehen und Christus nahe sein im Leiden.
Wir beten alle zusammen einen Moment lang fest um den Frieden.
