Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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13. Sonntag im Jahreskreis 2026

28/06/2026 


Die Predigt zum Anhören

13. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A: Mt 10 und Röm 6)
Predigt in Oberndorf am 28. Juni 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Was die Priester (die von heute) Ihnen erzählen, ist nie beunruhigend, nie verstörend, nie skandalös. Nie reden sie, wie Jesus geredet hat. Vielleicht muss das so sein, vielleicht soll ein Dorfpfarrer gar nicht reden wie Jesus. Vielleicht darf nur Jesus reden wie Jesus. Wieder einmal bin ich nicht sicher, was das Richtige ist. Die anderen sind sich immer so sicher! Der Pfarrer z. B., der über Jahre hin seinen Leuten jeden Sonntag sagt: „Gott liebt euch.“ Da kann eine Predigt natürlich erfreulich kurz bleiben; da braucht sie auch nicht viel Vorbereitung, scheint mir. Was macht der Priester mit der gesparten Zeit? Betet er? Wollen die Leute unbedingt, dass ihr Priester betet?

„Gott liebt euch“, sagt der Pfarrer. Jeden Sonntag. Eine Mutter längst erwachsener Kinder sagt: „Das hat sie alle geprägt. Deswegen – weil sie in diesen Predigten gelernt haben: Gott liebt euch –, deswegen haben sie ein Grundvertrauen zum Leben.“ Das rührt mich, das beschämt mich. Und ich frage mich: Gott liebt dich, ist das die Botschaft Jesu? Passt das zum heutigen Evangelium? Passt das zu Paulus? Passt das zu den ersten Christen und den Heiligen? Gott liebt euch, das reicht? Vielleicht.

Was mir aber sicher scheint: Mit dem heutigen Evangelium geht es nicht recht zusammen. „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer sein Kind mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert (Mt 10,37).“

Die instinktive und wahrhaftige Antwort beinahe aller Getauften auf dieses Wort Jesu ist: „Ich will deiner gar nicht wert sein. Du interessierst mich nur am Rand, Jesus. Meine Kinder sind mir ganz sicher wichtiger als du.“

In diesem Evangelium geht es um eine Entscheidung. Für viele die bitterste, die skandalöseste von allen: Gegen die Familie, für Christus. Stopp. Ich will ein wenig vorsichtiger sein: Kinder- und Elternliebe sind richtig. Dazu gibt es das Vierte Gebot Gottes: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“ Das bleibt. Aber es gibt noch mehr. Ich kann nur sehr schlecht damit leben, dass die meisten in der Kirche, angefangen bei den lebenserfahrenen, klugen, menschenfreundlichen Priestern das einfach wegdrängen, dieses „Mehr!“

Man kann zu den Worte Jesu stehen wie man will. Man kann sie deuten, wenden, man kann zuwarten, man kann Angst dabei kriegen. Aber um eines kommt man nicht herum als Christ: um eine Entscheidung. Und genau das ist es, was die meisten gerne vermeiden würden. Sie wollen die kirchliche Hochzeit UND ihre Freiheit von der Kirche. Sie wollen die Taufe für ihr Kind, aber keinerlei Bindung an die Kirche. Das verstehe, wer will.

Um noch etwas kommt man nicht herum als Christ: ums Sterben. Darum geht es in der Lesung. „Wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, sind auf seinen Tod getauft worden. Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod“. Die Christen stellen sich dem Sterben, sie halten es sich nicht künstlich vom Leib. Warum? Der Hauptgrund: Weil sie zu Christus gehören. Der gestorben ist und auferstanden ist. Beides leben wir nach.

Christen wissen ganz ruhig: Den Tod gibt es. Mal scheint er sinnvoll, mal komplett sinnlos. Mal kommt er zu früh, mal viel zu spät, mal zur rechten Zeit. Mal ist er leicht, mal ist er schwer. Aber eines ist er immer: in der Nähe Jesu. Gläubige Christen ahnen: In der Taufe hat ein Teil von mir eine Todeserfahrung gemacht – und eine Erfahrung ganz neuen Lebens. Warum vergessen das die meisten im Lauf der Zeit? Oder wollen es erst gar nicht wissen? Warum wird Christus immer ferner? Dagegen hält Paulus: „Mit Jesus leben, bis in die tiefste Tiefe meiner Existenz.“

Warum ist das die nie gehörte Botschaft in der heutigen Kirche?

Nun habe ich mir Mühe gegeben, das Evangelium und Paulus richtig zu verstehen, Sie vor eine Entscheidung zu stellen und Sie an das Sterben zu erinnern, genauer an das Sterben in der Nähe Jesu. Eine Mischung, die keinen gleich richtig freuen wird. Ganz zu Recht fragen Sie: Was bringt mir das?

Ich versuche eine Antwort. Es bringt Ihnen die Erfahrung, das Richtige zu tun. Nicht irgendwas. nicht etwas Halbes, sondern das Ganze. / Es bringt Ihnen eine Perspektive und den Anreiz, etwas zu tun. Denn sehen Sie: „Gott liebt euch“, das ist wahr, das ist schön, aber ich fürchte, es bewegt nicht viel. Von „Gott liebt euch“ führt kein gerader Weg zum Einsatz für die Armen und sei es nur zu einem Besuch bei den Kranken. „Gott liebt euch“ macht ein gutes Gefühl, aber führt es zu einer tiefen Verehrung Gottes? Zu mehr Liebe, Gottesliebe (ja, die gibt es auch…!) und Menschenliebe? Mit „Gott liebt euch“ allein kann man die Karriere ganz ohne Gott planen, er stört dann nicht. Mit „Gott liebt euch“ findet man den Sport viel spannender als das Evangelium. Mit „Gott liebt euch“ hat man noch keine Waffen in der Hand gegen die Irrlehren dieser Tage: Kapitalismus, Nationalismus, Islamismus, Rassismus. Wer gewappnet sein will, wer handeln will, braucht das ganze Evangelium.

Wer sich dieser Tage mit der KI beschäftigt, kapiert, dass die viele Arbeiten besser erledigen kann als wir. Aber er kapiert auch dies: Initiative ergreifen, herausfinden, was Neues getan werden kann, Denken wird immer wichtiger. Und das will gelernt sein. Unterscheiden können zwischen richtig und falsch, wichtig und ganz unwichtig; herausfinden, wohin es gehen soll.

Ich bin überzeugt, dass man solches Denken bei Jesus Christus lernen kann, im Evangelium und nicht bei irgendeinem Pfarrer.

FÜRBITTEN

Im Evangelium heißt es: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf.“
Heiliger Geist, zeige uns, wenn wir einem Apostel, einem Jünger Jesu gegenüberstehen. Damit wir ihn aufnehmen und damit dich selbst.

Jesus, stärke die Liebe der Eltern zu ihren Kindern.
Und die Liebe der Kinder zu ihren Eltern.

Herr, unsere Liebe zu den Menschen ist so schwach, unsere Liebe zu Dir ist so gering. Erbarme dich.

„Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.“
Heiliger Geist, Geist Jesu, hilf uns, unser Kreuz im Alltag zu sehen und es anzunehmen. Jesus gehe dann den Weg neben uns.

„… der ist meiner nicht wert.“ – Hilf uns in den vielen Stunden der Entscheidung.

Wir beten für die Regierung dieses Landes.

Wir beten für die jungen Menschen in Oberndorf.

Wir beten für die Frauen und Männer in den Altenheimen.

Wir beten um günstige Witterung, um kühlen, reichen Regen.

Vergilt den Menschen, die uns Gutes getan haben und schenke ihnen einmal das ewige Leben in der Seligkeit des Himmels.
Wir schenken unsere Toten dem himmlischen Vater.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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