14. Sonntag im Jahreskreis 2026
14. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A: Mt 11; Röm 8) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Glaube ist für Doofe. Der geistige Fortschritt ist woanders: bei Ärzten, Juristen, Journalisten, Gymnasiallehrern, Managern samt Gattinnen. Es genügt, die Touristen wahrzunehmen, die diese Kirche besuchen. Meistens Pensionist*innen aus dem Abitur-Milieu. Eigenheim, Mittelklasse-Wagen und Wohnmobil. Sie fahren von Norddeutschland nach Bayern. Ein schönes Land, aber geistig immer noch rückständig. So viele Barockkirchen: „überladen!“ Ich sehe der Miene dieser Leute an, was sie vom Glauben halten. Nichts. In der Kirche sitzen sie nur noch, wenn ein Konzert gegeben wird. – Das ist auch eine Spielart der sogenannten „kulturellen Aneignung“, die heute so scharf verurteilt wird; so scharf, dass es keine schwarz angemalten Sternsinger geben darf und keine badische Frauentanzgruppe mit Mexiko-Hut. Aber Kirchen zu Konzerthäusern für das wackelnde Bürgertum: Das ist erlaubt. Das Dirndl für Preußinnen auf der Wiesn auch. Also: Bach-Oratorium gut, Messe böse. Denn Glaube ist für die Blöden. „In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater…, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.“ So eben im Evangelium. Das bestätigt doch das 2000 Jahre (wirklich!) alte Vorurteil, das man in gutbürgerlichen Kreisen pflegt: Der Glaube ist für das einfache Volk. Die „Unmündigen“. Mag Jesus die Weisen und Klugen nicht? Nun, Jesus war Jude (dies für die neuen Antisemit*innen). Er war groß geworden mit dem Bild der Weisheit des Königs Salomo und dem Lob der Weisheit Gottes, er war gebildet genug, um mit den Gesetzeslehrern zu diskutieren. Es geht hier also nicht gegen den Geist, sondern gegen das kalte Wissen der Fachleute, gegen die allzu Schlauen. Heute sind das z. B. die Pius-Brüder mit ihrem Feuerwerk an wendigen Argumenten. So gescheit! Dabei ist es so einfach: Man bleibt beim Papst und der Kirche. Diesen Kirchenspaltern fehlt es an Einfachheit. – Nicht nur denen: „Die Mutter kriegt eh nichts mehr mit.“ Mit diesem Schlaumeier-Argument spart sich einer den Krankenbesuch. Der einfache Christ geht einfach hin und hält ihr die Hand. Die Menschen des Evangeliums sind einfach. Kein Argument Jesu ist kompliziert oder eitel. Jesus liebt die, die lernen können (Kinder sind die, die lernen wollen…). Jesus spricht hier von denen, die nicht schon alles gecheckt haben. Die staunen und fragen können. Die nach Gott fragen. Der springende Punkt am Satz des heutigen Evangeliums ist nicht der Unterschied zwischen Klugen und Unmündigen, sondern dies: Gott, der Vater offenbart etwas; er teilt mit, er hilft zum Verstehen. Jesus zeigt uns Gott als einen, der gekannt werden will. Deswegen ist die Erkenntnis so wichtig, also auch die Verkündigung, die Mitteilung, die Erklärung, die Mission. Und damit wird es schwierig. Wenn nämlich einer auftritt, der behauptet, von Gott reden zu können, als einziger, dann bleibt nur: ihn anerkennen oder ihn verwerfen. Jesus wurde verworfen. Von den Schlauen. Dazu passt, was Paulus in der zweiten Lesung sagt: „Ihr seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt.“ Seit der Taufe. – „Fleisch“ meint bei Paulus nicht Schnitzel, nicht Muckis und schon gar nicht Sex. Fleisch meint diese Welt hier, die alte Welt, das, was stirbt, das, was komplett geistlos ist. „Ex on the Beach“ z. B. (und nein, ich gucke nicht RTL, auch nicht „Juli Nagelmann und seine kleinen Freunde“ oder Rupert David Precht). Ich will Gott und die Kirche und keinen Quatsch. Das Christentum, das uns Jesus gebracht hat, geht also um Erkennen und Verstehen. Liebe hat mir Verstehen zu tun, oder? Jesus redet von Gott, weil das Erkennen Gottes zum Leben führt. Geist und Leib des Menschen sollen leben. Es geht nicht um die Unterdrückung des Leibes, wie halbgebildete Kulturtanten uns vorwerfen; es geht nicht um die Befreiung vom Leib, wie Herr Musk sie betreibt. Es geht um die Durchdringung des Leibes, der ganzen materiellen Schöpfung mit dem Geist Gottes. Stellen Sie sich eine Welt vor, in der die Unternehmen, die Parteien, die Herren und Damen Trump, Merz, Reichinnek und Chrupalla vom Geist Gottes durchdrungen sind! Eine Welt, die aufatmet. – „Ich will euch erquicken“, sagt Jesus denen die „geplagt und beladen“ sind. Das sind Sie. Aber wie will Jesus Sie erquicken? Mit einem Pils vom Fass? Nein. Mit der Erkenntnis Gottes! Das ist der Grundgedanke: Gott zu erkennen, macht das Leben richtig. Aufatmen. So wird „die gefallene Menschheit wieder aufgerichtet“, wie es im Tagesgebet dieses Sonntags heißt. Das ist konkretes Handeln. In der ersten Lesung wird der gute Mensch beschrieben. Er ist gerecht, er hilft, er ist bescheiden. „Und dennoch wird er siegen.“ Jesus war kein Erfolgsmensch; er zeigt den Weg zum Frieden, nicht den zum „Erfolg“. (Blöd nur, dass die meisten schon ganz gerne Frieden hätten, aber eben noch lieber Erfolg. Einfachheit und Geradheit gelten hier als Hindernis für die Karriere; da haben Sie das ganze Dilemma der christlichen Kinder-Erziehung.) – Der Mensch, wie Jesus sich ihn denkt, handelt ruhig und bestimmt, aufs Wesentliche konzentriert. Wenn der äußere Erfolg ausbleibt, ist das richtige Handeln schon der Erfolg. Denn das richtige Handeln stellt Gottes Herrlichkeit dar. Den Gottlosen ist Gottes Herrlichkeit egal. Gibt es Gottlose? Natürlich. Aber letztlich sind die bedeutungslos. Der deutsche SS-Offizier, der die hl. Edith Stein in die Gaskammer schickte, ist… vergessen. Der Mensch, wie Jesus ihn will, hat das Wort Gottes, den Entwurf eines richtigen Lebens in einer komplett irren Zeit. Haben Sie sich schon mal verlaufen? Unter Zeitdruck sogar? Wer umherirrt, für den gibt es keine größere Freude, als auf einen Wegweiser zu stoßen und plötzlich das Ziel zu sehen: das Leben in der Ordnung Gottes. FÜRBITTEN Heiliger Geist, mache uns zu Frauen und Männern, die Gott suchen. Heiliger Geist, mache uns einfach. Bei Paulus steht das Fleisch für das Alte und Geistlose. Wir beten um die Bekehrung und Heimkehr der Pius-Brüder, die sich von der Kirche getrennt haben. In dieser Urlaubszeit beten wir für die Besucher dieser Kirche: Dass sie diesem Haus wenigstens Achtung erweisen. Wir beten für die Wohltäter*innen dieser Kirche. Wir denken besonders an die ehrwürdigen Schwestern, Familie Tauberschmitt, Frau Menig, Frau Zöller und all die anderen. Wir beten für die Regierung dieses Landes. Vergilt den Menschen, die uns Gutes getan haben und schenke ihnen einmal das ewige Leben in der Seligkeit des Himmels. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Marktheidenfeld St.-Laurentius am 05. Juli 2026
Hilf uns, Gott zu erkennen.
Heiliger Geist, mache uns offen für das Neue.
Wir beten für alle, die mit der Kirche gebrochen haben.
Gib unseren Toten nach allem Kampf die ewige Ruhe beim himmlischen Vater.
