Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Hochfest der heiligen Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan

08/07/2026 


Die Predigt zum Anhören

Hochfest der heiligen Frankenapostel Kilian, Kolonat und Totnan
Predigt in Trennfeld am 08. Juli 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Kilian, Kolonat, Totnan… drei Namen, eine Flut von Bildern. Bilder von Mord und weitem Meer, von den Wäldern am Main, von heiligen Messen unter den Wolken, Bilder von Klöstern, Einöden, Städten, Viehställen und Blut. Hinter dem Mord steht eine fränkische Herzogin. Die drei Männer aus Irland wurden erschlagen und unter dem Boden eines Stalles verscharrt.

Ich kann die Bilder nicht mehr anhalten, sie eilen weiter und weiter. Hin zu der kleinen Treppe in einem Pariser Garten, auf der in kaum einer Stunde über hundert Bischöfe und Priester erschlagen wurden, weil sie dem Papst treu bleiben wollten. Ihre Mörder nannten sich Freunde der Menschenrechte. Wenn der Papst demnächst Frankreich besucht, wird er voraussichtlich einen Moment lang vor jener kleinen grauen Treppe stehen, die in den Garten führt.

Es drängt weiter zu einem Pfarramt in Wien. Schattige alte Bäume davor. Dort holten sie einen Kaplan ab, der eben von der Hl. Messe kam. Die Nazis, Liebhaber von Vaterland und deutscher Rasse, enthaupteten den jungen Priester. – Von da wieder nach Frankreich. Eine Frühmesse, in den Bänken drei, vier Frauen. Zwei junge Islamisten betreten die Kirche, gehen zum Altar und schneiden dem Priester die Kehle durch. Das war am 26. Juli 2016.

Mein Kopf kann kaum noch anhalten, so drängen die Bilder. Ich spüre weniger Angst als große Müdigkeit. Die Geschichte macht mich todmüde.

Wie können wir denken, wir seien in Sicherheit? Die meisten dieser Christen hätten sich nicht träumen lassen, dass es einmal an sie kommen würde. Die meisten Franzosen, Russen, Deutschen, Amerikaner ließen es sich nicht träumen, einmal solch einen Umsturz zu erleben.

„Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen“ (Primo Levi). Ich lebe von Tag zu Tag und rechne mit allem. Das geht natürlich leichter, wenn man schon alt ist.

Die tobenden Menschen, die tobenden Völker betreiben das Vergebliche[1]. Jeder Versuch gegen Gott ist lächerlich. Er kann nie zur Entthronung Gottes führen, nur zur Selbstzerstörung des Menschen. Der Kampf gegen Gott ist immer absurd. Wer wollte gegen Gott gewinnen? Gott entgeht man nicht. Es gibt nur die Flucht zu Ihm hin. „Wir sind ohnehin in Gottes Hand. Es fragt sich nur ob widerwillig oder gutwillig“ (Robert Spaemann).

Die Bilder hören nicht auf. Ich sehe drei Männer in einem winzigen, lächerlichen Boot auf hoher See. Warum sind sie da? Hatten sie Langweile, wie junge Männer sie haben? Wollten sie Abenteuer, gab es zuhause nichts zu tun für sie, träumten sie von fernen Ländern? Mag sein, vielleicht. Aber da war auch, was heute jedermann für unmöglich hält, unmöglich und peinlich und falsch: der Glaube. „Geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28, 19). Dieses Wort des Herrn hatte eingeschlagen in die drei Männer. So brachen sie auf. Hinaus aufs Meer, hinein in die Wälder Germaniens, Weg um Weg, bis sie nach Würzburg kamen.

Da draußen auf dem Meer, sprach da Gott? Von neuem? Oder waren da nur die Wellen zu hören, der Wind und die kalten Seevögel? Nur sie, weil Gott schwieg, nachdem er einmal gesprochen hatte? Es spielt keine Rolle. Gott schweigt, Gott spricht, Gott schweigt und so fort bis ans Ende der Zeiten.

Keiner dieser Männer geht allein. Nach der Regel des Evangeliums gehen sie zu zweit, zu dritt. Das ist schon Gemeinschaft. Das ist schon Kirche: „Wo zwei oder drei…“

Sie werden nicht erwartet am Main. Oder doch? Wird die Kirche erwartet[2]? Ersehnen die Menschen das Evangelium? Wie waren die damals, hier am Fluss und in den Wäldern? Was entbehrten sie, was erhofften sie? Heute ist das Evangelium das Unerwünschte. Weil wir ’s verdorben haben?

Ich höre nur: „Geht…“ So wird eine Weltkirche. „Geht!“ – „Redet!“

Früher oder später ist der Glaube immer unerwünscht. Weil er früher oder später das Gesetz gegen die Praxis stellt. „Du darfst mit dieser Frau nicht verheiratet sein. Das Gesetz Gottes verbietet es.“ Irgendwann war der Herzog fort und die angeklagte Frau, sie hatte nicht vergessen und nicht verziehen. Schläger sind immer zur Hand. Dann liegen die drei Heiligen tot und blutig unter dem Boden eines Stalles.

Wann sollen wir reden? Wann den Mund halten? Wann sollen wir streng sein? Nie? Und wann gütig? „Was also sollen wir tun?“, die berühmteste Frage des Evangeliums.

Werden wir gedrängt? Oder sind wir getragen?

Müssen wir aushalten oder sind wir gehalten? Ich weiß es kaum.

Reicht es irgendwann? Die meisten würden sagen: ja.

Nur eines steht fest, vielleicht: „Jeder, wirklich jeder Mensch auf der Welt braucht Trost. Und das ist überhaupt kein schlimmer Gedanke – es wäre erst dann schlimm, wenn es keinen Trost gäbe“ (Angelika Klüssendorf, Trost).

Was tröstet die Mörderinnen und Mörder?

Viele Fragen, viele Bilder. Eine einzige Frage bleibt. Das Fest des hl. Kilian stellt mir heute eine einzige Frage: Bis wohin drängt dich der Glaube?

[1] Siehe Spaemann, Psalmen, S. 26: Kommentar zum Psalm 2.

[2] Siehe den ergreifenden Bericht des Pfarrers Rabel in der Pfarrchronik von Mailberg aus dem Jahr 1962: „Mich hat aber niemand begrüßt oder der Pfarrgemeinde vorgestellt, ich mußte mich selber als neuer Seelsorger vorstellen. In der Kirche waren wenig Leute, auch der Organist war nicht anwesend…“

INTRO / BUßAKT

Kiliani jetzt, Laurenzi bald. Sie wissen: Am Anfang, ganz am Anfang dieser Feste stehen Menschen, die ermordet wurden. Ihres Glaubens wegen.

Vielleicht ist diese Welt nur auszuhalten, wenn man sich einmal im Jahr die Brüste ins Dirndl stemmt oder drei Maß Bier trinkt oder auf den Bänken steht. Keiner in den Festzelten muss an diese Anfänge denken. Aber es wird kein Schaden sein, wenn es ein paar Frauen und Männer gibt auf der Welt, die darum wissen.
Muss man deswegen mit schwerem Herzen durch diese Welt gehen? Nun, manchmal ist ein schweres Herz kein Schaden. Aber oft reicht auch der Rat eines alten Wiener Arbeiters: „Setz dich in die Sonne, das ist das Schönste, was es gibt.“

FÜRBITTEN

Einleitung:

Den neuen Menschen des Evangeliums gibt es nur unter einer Bedingung: Gottes Willen tun,
barmherzig sein,
vollkommen sein wie Gott selbst,
Geduld haben
und ganz sicher wissen, dass auf das Tal des Leidens der Morgen der Herrlichkeit folgt.
Das ist die Hoffnung, die nicht trügen wird.

Vater, was willst du von uns? Sag es! Mach, dass wir hören.

Gib uns die Kraft, barmherzig zu sein statt hart!

Gib uns Sehnsucht nach der Vollkommenheit!

Gib uns unendliche Geduld!

Gib uns unbesiegbare, überirdische Hoffnung!

Der hl. Kilian ist Patron

… der Diözese Würzburg
… Landesheiliger der Mainfranken
… Patron der Bistümer Erfurt und Paderborn, auch der Stadt Heilbronn
… Patron der Tüncher und Weißbinder
… Schutzheiliger gegen Augenkrankheiten, Gicht und Rheuma
Wir bitten ihn um seine Hilfe für uns und für die in Würzburg, die am Main, die in Erfurt, Paderborn und Heilbronn

Für die, die krank sind an den Augen

Für die, welche die Schmerzen der Gicht und des Rheumas erleiden

Schluss

Du, Christus, bist das Licht der Welt, /
der Gott, dem gläubig wir vertraun, /
auf den im Dunkel dieser Zeit /
wir alle unsre Hoffnung baun. Amen.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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