Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Aktuelles

Fest des Hl. Apostels Jakobus 2026

25/07/2026 


Die Predigt zum Anhören

Fest des Hl. Apostels Jakobus
Predigt in Rettersheim am 25. Juli 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Die zwölf Apostel meiner Kindheit gibt es gar nicht mehr. Jetzt sind’s dreizehn oder vierzehn, wenn man Paulus mitzählt und Maria aus Magdala, die „Apostelin der Apostel“. Vielleicht sogar noch mehr, wenn nämlich jede, die gesandt ist, das Evangelium zu verkünden, eine Apostelin ist. Man könnte vielleicht sagen: Es gibt die Zwölf, es gibt Apostel und Apostelinnen, es gibt auch noch Jüngerinnen und Jünger. Das sind einfach die, die Jesus folgen.

Und d a n n… gibt es noch die Damen und Herren und alle dazwischen und außerhalb, denen sehr daran liegt, die Zwölf möglichst weit nach hinten zu manövrieren. Weil die Männer waren; weil sie eine Hierarchie verkörpern, also Macht. Vielleicht auch, weil die Zwölf Apostel doch sehr am Judentum hängen – die zwölf Stämme Israels, Sie erinnern sich. Und sie stehen auch noch für die Lehre vom Ende der Welt. Jesus verspricht den Zwölf, dass sie am Ende dieser alten Welt die zwölf Stämme Israels richten werden (Mt 19,28). Juden, Weltende, Gericht… alles Themen, die heute gar nicht gehen. Heute leben viele (vielleicht sogar Sie hier) mit der Idee, die Kirche habe sich massiv geirrt, bis endlich das 21. Jahrhundert die Wahrheit entdeckte. Viele sind heute überzeugt, die Kirche habe die Menschen in die Irre geführt, absichtlich, Jahrhundert um Jahrhundert, um z. B. die Herrschaft der Männer zu behaupten. Die Kirche eine Schwindel-Anstalt, eine Verschwörung, eine Verbrecher-Organisation.

Kann man so von der Kirche Jesu Christi denken? Kann man so von sich selbst denken? Alles Idioten, bis ich kam. Die Checker*in[1].

Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in der Kirche im Lauf der Zeit neue Aspekte erkennen, dass sich Akzente verschieben, dass wir neu verstehen. Sie sehen ja selbst, dass das mit den Aposteln nicht ganz so einfach ist, wie es der Stammtisch der Reaktionäre gerne hätte. Was ich mir aber niemals vorstellen kann: dass wir die Kirche neu erfinden, bei null beginnen. Denn ich glaube die eine, heilige, allgemeine („katholische“) und apostolische Kirche. Es gibt nicht eine Kirche von damals und eine von heute. Es gibt nur eine Kirche. Die Kirche, die zurückgeht auf die Apostel. Die Kirche, die ruht auf der Heiligen Schrift und der Überlieferung (Tradition). Die Kirche, die zugleich alt und neu ist.

Und damit sind wir bei Jakobus. Es gibt zwei Apostel dieses Namens, Jakobus den Älteren und den Jüngeren. Wir feiern heute den Älteren. Er war der Bruder des Apostels Johannes. Die beiden trugen den Beinamen „Donnersöhne“, denn sie waren ungestüm und ungeduldig. Vielleicht neigten sie zur Gewalt?! Sie waren, was Petrus nicht war: harte Burschen. Nicht umsonst ist Jakobus der erste der Zwölf, der hingerichtet wurde. Offenkundig hatte er Ärger gemacht. Er ist der vom Jakobsweg nach Santiago de Compostela, der mit der Pilgermuschel am Gewand. In Spanien nennen sie ihn den „Maurentöter“, weil er wie ein kämpfender Ritter geholfen haben soll, die muslimischen Mauren, die Spanien einst erobert hatten, wieder nach Afrika zurückzuwerfen. – Heute wird das ja allgemein bedauert. Die christliche Rückeroberung gilt als Schandtat; die Sympathien der Kultur-Touristen mit ihren Smart-Handys gelten den Muslimen. Das Ganze erinnert an den Konflikt zwischen Palästina und Israel mit der Frage: Wer war zuerst da? Dumme Frage. Dumm, weil sie zu keiner Lösung führt. Man kann die Geschichte nicht auslöschen und neu beginnen. Womit wir wieder bei den Aposteln wären. Die Frage wer war zuerst da, wird keinen Frieden in Gaza bringen.

So wir nicht kitschig bleiben wollen, sind wir mit diesen zwölf Männern mitten in Not und Gewalt. So ist die Welt. Jesus kam nicht bei einem Fahrradunfall um.

Die Kirche kann nicht sein ohne Not und Gewalt und Leid. Nicht, weil sie selbst mit der Gewalt arbeitet, sondern weil ihr Gewalt angetan wird bis ans Ende der Tage.

Der wilde Jakobus also. Feiern wir da einen Rübezahl aus alten Zeiten? Nein. Wichtig ist Jakobus nur, weil er Apostel war, einer der Zwölf. Weil er geglaubt und geredet und gelitten hat Den Kampf gibt es, aber der Kampf ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist der Glaube.

Glaube geht nicht ohne Zeugen. Meine Eltern und der Dekan Hegmann und die Schwester Belina haben mir den Glauben weitergegeben, recht und schlecht. Den Glauben, den sie einst selbst empfangen hatten. Die Reihe geht zurück und zurück und zurück bis zu jenen zwölf Männern, die im Abendmahlsaal dabei waren. Von dieser Messe geht eine Linie zu den allerersten Aposteln und Apostelinnen.

Hier wird klar, was es bedeutet, wenn diese Reihe unterbrochen wird. Nicht der Kirchenaustritt ist das große Unglück, sondern die, die nicht mehr vom Glauben sprechen; die den Glauben nicht mehr bezeugen mit ihrem Leben. Fast alle Familien, die ich kenne, haben in den letzten 30, 40 Jahren den Glauben eingestellt. Einfach so. Keine Messe mehr, kein Gebet mehr, kein Wissen mehr, keine Liebe zum Evangelium mehr, kein Bekenntnis mehr. Weg.

Die Apostel sind in die ganze Welt gezogen. Sie haben vom Auferstandenen erzählt. Der ihnen gesagt hatte: „Geht zu allen Völkern…“ Reden allein reicht aber nicht. Sie haben ihre Predigt mit ihrem Leben bezeugt. Mit ihrem Blut. Alle bis auf Johannes starben gewaltsam, so die Überlieferung.

Apostel, das bedeutet Zeugnis und Treue zur Überlieferung, damit wir nicht bloß das Eigene verkünden. Mission und Tradition und Martyrium: Das alles ist die Kirche. Alle in der Kirche, der Papst, Nachfolger des Apostels Petrus, die Bischöfe, Nachfolger der Apostel, die Priester, die Diakone, das ganze Volk Gottes, die ganze „königliche Priesterschaft“, der Sie angehören seit dem Moment Ihrer Taufe, alle in der Kirche sind dazu da: weiterzusagen und zu bezeugen mit dem eigenen Leben.

[1] Wenn die Apostelin Junia, die derzeit auch hier in der Gegend gehypt wird, wichtiger wird als die Zwölf, wenn diese zu Schuldigen werden, wenn Frauen nun genauso ideologisch und verlogen Geschichte schreiben wie es Männer Jahrhunderte lang getan haben, dann geht es nicht um Wahrheit und nicht um Neu-Beginn, sondern nur um die Umschichtung von Macht.

FÜRBITTEN

Jakobus ist der Schutzpatron vieler Orte und Städte, auch der Patron Spaniens. Wir beten für die Kirche in Spanien.

Jakobus ist der Patron der Pilger. Wir beten für alle, die pilgern und sei es nur bis zum nächsten Bildstock draußen auf dem Feld…

Jakobus ist der Patron der Krieger. Wir beten für alle Soldaten, welche die Schwachen verteidigen, die Heimat, das Gute und Gerechte.

Wir beten für die verfolgten Christen. Für die verspotteten Christen. Für die einsamen Christen.

Christus, gib den gefirmten Christen Bekennermut und Treue.

Wir beten für die Regierung dieses Landes.

Wir beten für die jungen Menschen in Rettersheim. Wir beten um Berufungen zum Priestertum.

Wir beten für die Priester, heute besonders für die, die den Tag ihrer Weihe feiern.

Wir schenken unsere Toten dem himmlischen Vater.

WETTERSEGEN

„Jakobi heiß – lohnt Müh’ und Fleiß.“

„Jakobi klar und rein, wird’s Christfest frostig sein.“

„Jakobi – schneid obi!“ (Jakobi als Beginn des Getreideschnitts)

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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