Donnerstag der 7. Osterwoche 2026
Donnerstag der 7. Osterwoche 2026 (Joh 17) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Männer haben keinen guten Stand. Männer sind nicht mehr angesehen. Sie werden das mitbekommen haben – Es ist wichtig, dass Katholiken mitbekommen, was in ihrer Zeit vorgeht. Wir Christen gehen auf das Reich Gottes zu, sehen die Welt also kritisch, aber wir leben bewusst in ihr. Dabei ist nicht misstrauische Ablehnung unsere Grundhaltung, Hochmut auch nicht. Denn nichts davon findet sich bei Jesus Christus. Daran, dass die Männer derzeit sehr kritisch gesehen werden, sind sie auch selbst schuld. Wie die Kirche auch selber mit schuld daran ist, dass die Leute sie nicht mögen. Väter sind auch Männer. Also werden auch die Väter kritisch gesehen. Damit stehen wir Christen vor einem Problem, denn das wichtigste Gebet, das wir haben, beginnt so: „Vater unser im Himmel…“ Jesus selbst ist es, der uns lehrt, so zu beten. Natürlich weiß Jesus, dass es auch Mütter gibt. Auch Mutter-Gottheiten gab es zu seiner Zeit. Er weiß, dass, wer betet „Vater unser“, unweigerlich auch an den eigenen Vater denken wird. Der vielleicht ein schlechter Vater war. Der irdische Vater kann den Blick auf den himmlischen Vater verstellen. Jesus weiß, dass die Sprache Grenzen hat, dass in den Namen auch Kultur, Erfahrung, Erwartungen mitklingen. In unserer Kultur ist der Name „Vater“ nicht unbelastet. Und doch mutet Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern zu, zu beten: „Vater unser!“ Er mutet das auch den Frauen von heute zu. Es gibt viele Namen für Gott, aber nicht jeder Name ist gleich gut. Jedem wird einleuchten, dass wir Christen unseren Gott nicht „Quetzalcoatl“ nennen können. Das war der Hauptgott der Azteken. Amun-Re war der Hauptgott der alten Ägypter. Geht auch nicht. Gott ist eben nicht gleich Gott nach dem Motto: Wir glauben alle an denselben Gott. Tun wir nicht. Vielleicht könnten wir Gott auch Allah nennen. Das ist einfach das arabische Wort für Gott. Aber niemals können wir Christen sagen: Der Koran und die Bibel sind gleich, gleich gut, gleich wichtig. Es ist nicht alles gleich, es sind nicht alle gleich. Alle haben die gleiche Würde bedeutet ja auch nicht alle haben die gleichen Rechte. Ein Kind hat die gleiche Würde wie ein Erwachsener, aber nicht die gleichen Rechte. Ein Tier hat seine Würde, es hat aber nicht die gleichen Rechte wie ein Mensch. „Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht“, sagt Jesus heute im Evangelium. Dieser Name ist: „Vater“. An anderer Stelle (Joh 17,11) sagt Jesus sogar: „Heiliger Vater (bewahre sie in deinem Namen).“ Dieser Vater-Name muss bleiben. Keiner, der sich Christ nennen will, hat das Recht, diesen Namen auszustreichen. Jeder hat das Recht zu sagen: „Ich tue mich schwer mit diesem Namen, ‚Vater‘.“ Jeder hat das Recht, seinen eigenen Zugang zu diesem Namen zu finden. Ich würde sogar sagen: die Pflicht. Vielleicht müssen die, die ein Problem mit Autorität und „patriarchalischen Strukturen“ haben, sich erst recht der Autorität des Vaters im Himmel stellen. Vielleicht müssen gerade die, die sich schwer tun mit dem Vertrauen, die Fürsorge des himmlischen Vaters betrachten. Weil wir im Leben beides lernen müssen: Gehorsam und Vertrauen. – Sich bewusst gegen die eigenen Impulse entscheiden: So erlangt man innere Freiheit. Die „Freiheit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21). Was wollte Jesus, als er diesen einen Namen Gottes offenbarte? Früher sagte man: Es ging um die Autorität Gottes; heute: Jesus wollte unser Vertrauen in Gott stärken. Muss das eine das andere ausschließen? Nein. Zumal Jesus alle menschlichen Väter, also die Männer auch relativiert, wenn er nämlich sagt: „Nur einer ist euer Vater, der im Himmel“ (Mt 23,9). Jesus relativiert die Männer, er relativiert die Frauen, Jesus relativiert sich selbst: „Dein Wille geschehe, Vater!“ So macht Jesus Menschen menschlich. Vor allem die, die sich selbst zu Göttinnen oder Göttern machen. „Heiliger Vater.“ – „Heilig“ und „Vater“, das verbindet zwei, die sich ausschließen: Heiligkeit und Vertrauen. Heiligkeit bedeutet in der Bibel: völlige Andersheit. Unfassbarkeit. „Vater“ bedeutet genau das Gegenteil: Nähe. Der unendliche Gott will uns so nahe werden wie ein guter, fürsorglicher Vater. Das meint das Vaterunser. Bei der Gabenbereitung gibt der Priester einen einzigen Tropfen Wasser in den Wein: ein Bild für den Menschen, der in Gott eintaucht. Solche Nähe schenkt uns Jesus mit dem Namen „Vater“. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Marktheidenfeld St.-Laurentius am 21. Mai 2026
