Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Malteserorden

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21. Dezember 2019

21/12/2019 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Eilen Sie? Heute eilen fast alle, von links nach rechts, von rechts nach links, irgendwohin. Was treibt Sie an? „Die Liebe Christi drängt uns“, schreibt Paulus irgendwo. Ist es die Liebe, die mich drängt? Eile ich, weil ich liebe?

Maria eilt auch. „In jenen Tagen machte Maria sich auf den Weg und eilte in eine Stadt ins Bergland von Judäa.“ Was treibt sie an? Wir wissen: Es ist der Heilige Geist. Denn was zeigt uns das Evangelium? Die meisten würden sagen: zwei schwangere Frauen, manche vielleicht denken: endlich mal ein Evangelium ohne Männer, ein Frauen-Evangelium. Stimmt. Aber Maria und Elisabeth sind mehr als zwei Schwangere: Sie sind Prophetinnen. Was Elisabeth erkennt und was sie sagt, kann sie nicht aus sich heraus haben. Was Maria singt – „Meine Seele preist die Größe des Herrn… denn siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!“ – das kann sie sich nicht ausgedacht haben. Die Worte stoßen den Frauen zu.

Wer seine Gedanken immer unter Kontrolle hat, wer nur plant und nie hört, der wird kein Prophet. Wer ständig überlegt: Bin ich ein guter Mensch? Bin ich andächtig beim Beten? Habe ich den Heiligen Geist? der ist vielleicht auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel. Denn die Heiligen überlegen nicht mehr. Sie beten, ohne zu wissen, dass sie beten; sie tun Gutes, ohne sich dabei zu beobachten. Maria und Elisabeth sind einfach von Gott erfüllt. Sie reden und eilen und singen. Und dabei ist alles still und verborgen, dort „im Bergland von Judäa“, irgendwo.

Elisabeth verlor die Kontrolle über ihr Leben, als sie schwanger wurde. Bis dahin konnte sie mit Recht denken: „Der Fall ist erledigt; ich bin jetzt wirklich zu alt, um noch Mutter zu werden.“ Es kam anders. Maria gab die Kontrolle über ihr Leben auf in dem Moment, als sie dem Engel sagte: „Ich bin die Magd des Herrn.“ Kurz darauf bricht sie auf, sie eilt, sie geht allein, einen langen Weg – und findet am Ende eine andere Frau, die sie versteht. Besser noch: die sie erkennt. Diese beiden heiligen Frauen sind das wahre Bild der Kirche. Die Kirche, das sind Menschen, die gehen und tragen (Maria trägt ein Kind!) und glauben und einander erkennen, weil sie sich lieben.

Die Geschichte treibt vorwärts. Der Alte Bund – Elisabeth mit Johannes – begrüßt den Neuen Bund: Maria mit Jesus. Und überlässt ihm das Feld. Dieses Evangelium ist auch ein Bild von Anerkennung und Zurücktreten.

Und das Evangelium geht weiter und immer weiter. Es werden uns andere Menschen begegnen. Johannes, Joseph, die Hirten, die Könige aus dem Morgenland, Jesus selbst. Alle, auch er, gerade er, sind in Bewegung. Etwas scheint diese Menschen zu drängen. Aber die Bewegung hier ist ganz anders als die dort draußen. Die Frauen im heutigen Evangelium sind nicht gehetzt. Sie sind tätig – und gleichzeitig ganz ruhig. Kein Wort zu viel, keine überflüssige Geste. Sieht so der Friede aus, den Jesus gibt?

Elisabeth und Maria: Beide sind von Christus erfüllt, bis ins Körperliche hinein. Diese Gegenwart Christi, so nahe, gibt den Rhythmus; sie klärt, sie drängt und sie macht still.

Ich weiß, Sie sind müde. Von den Vorbereitungen des Festes, vielleicht auch vom Leben. Zu viele Erfahrungen, zu viele Bilder, zu viel Stadt, zu viel Kärntnerstraße… Ich würde Ihnen und mir am liebsten all die Bilder des Lebens und der Welt wegnehmen und heute nur dieses eine Bild lassen: die zwei schwangeren Prophetinnen, wie sie auf einander zueilen. Ein Bild für alle Menschen guten Willens, für alle, die auf eine Ankunft warten.

Sie wissen, dass diese Ankunft geschieht in jeder hl. Kommunion. Jede Kommunion ist Ankunft des Erlösers. Jede ist wichtiger als Weihnachten. Dieser Tage hieß es in der Messe: „Das heilige Sakrament mache uns froh und schenke uns den wahren Frieden.“ Mein Weihnachtswunsch für Sie.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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