Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Nachrichten

Fest des seligen Kaisers Karl von Österreich, 21. Okt. 2019

21/10/2019 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Ich fordere! 1.) Churchill muss posthum der Nobelpreis für Literatur aberkannt werden. Er hat die Bombardierung ganzer Städte befohlen. 2.) Peter Handke darf den Nobelpreis für Literatur nicht annehmen. Er hat über die Serben die Unwahrheit gesagt. 3.) Die Musik von Michael Jackson darf nicht mehr gespielt werden. Er hat Kinder missbraucht. 4.) Kaiser Karl darf nicht als Seliger verehrt werden. Er war kein guter Politiker. Er war nicht gescheit. Und er hat einmal gelogen. – Ich fordere die Ordnung der Welt. Menschen aus einem Guss. Menschen, die sich nicht erst entwickeln, sondern sind. Die nie zögern und nie fallen. Ich fordere, denn ich kenne die Maßstäbe, die immer und überall gültig sind, im 16. Jahrhundert und heute. Nichts ist relativ, nichts im Werden: das Urteil ist klar und rein.

So kann ich nicht denken und nicht reden. Warum nicht? Weil ich Katholik bin. Weil unsere Kirche seit 2000 Jahren weiß: Die Ordnung der Welt funktioniert nicht. Nicht einmal in einem Kloster, das ein Heiliger neu gegründet hat. Spätestens in der dritten Generation wird das Ideal auch dort in Stücke fallen. Deswegen schafft die Kirche nicht Ordnung. Was tut sie stattdessen? Sie stellt das Evangelium in die Welt, Tag für Tag. Und sie zeigt auf die Heiligen.

Das Evangelium ist der radikale Gegenentwurf zu dieser Welt. Es genügt ein, zwei Worte Jesu zu hören, um das einzusehen. Die Maßstäbe Jesu und die Maßstäbe der Welt können sich nicht vertragen (Feindesliebe, Armut). Der Blick auf den Seligen, den wir heute feiern, bestätigt das uralte Wissen der Kirche von der Unvereinbarkeit von Evangelium und Welt: Karl aus dem Hause Habsburg, Kaiser von Österreich, König von Böhmen, gekrönter König von Ungarn… Es gibt ein Foto, das den Kaiser bei der Krönung in Ungarn zeigt. Er trägt Mantel und Krone des hl. Stephan. Nicht majestätisch steht er da. Eher unbeholfen. Fast ist das Bild peinlich. Vielleicht lässt sich das Königtum nicht fotografieren. Vielleicht ahnt der eben Gekrönte, dass die Idee des Königs – eine der schönsten, die je ersonnen wurden –, dass diese Idee ihre Kraft verloren hat. Der Augenschein spricht gegen den Kaiser.

Die Leute des Augenscheins, die, die nur sehen, was sie sehen wollen, sich ihre eigene kleine Ordnung schaffen sprechen gegen ihn. Kaiser Karl hat sich bei der Verteilung von Auszeichnungen nicht an das Reglement gehalten! Grund genug, ihn abzulehnen, über drei Generationen hin! Der großen Welt war der Kaiser zu unelegant. Und zu fromm. Die Kunstsinnigen fanden den Kaiser nicht feinsinnig; die Intelligenten fanden ihn nicht gescheit; die Politiker fanden ihn unbedarft. Für die Militärs im Ersten Weltkrieg war Friede gleichbedeutend mit Bankrott. Was sollten die Generäle (die deutschen besonders) mit einem Friedenskaiser? Noch dazu mit einem, der sich mit dem Papst zusammentut? Die meisten Leute sehen in Kaiser Karl bis heute den Schwächling, die Marionette, den Schuldigen. Nur die Kirche sieht etwas anders. Sie hat den Kaiser seliggesprochen: erhoben zur Ehre der Altäre. Die heilige Kirche hat andere Maßstäbe und vergisst sie nie.

Das Evangelium spricht von dem Menschen, der nicht für sich Schätze sammelt, sondern vor Gott reich ist. Kaiser Karl war nicht daran gelegen, Schätze zu sammeln. Nicht nur im materiellen Sinn – er starb in Armut –, auch die geistigen Schätze nicht, die Menschen eben sammeln: Einfluss, Ansehen, Bewunderung, Erfolg, Zustimmung. Das sind die Schätze der Welt. Die Kaiser Karl nicht hatte.

Dienst, Gerechtigkeit, Liebe: Das sind die Schätze, die einen Mann vor Gott reich machen. Kaiser Karl, sagt die Kirche, „suchte den Frieden, half den Armen, führte in Entschiedenheit ein geistliches Leben. Der Glaube bestimmte sein Leben von Jugend auf.“ Der Kaiser steht also in der Schar der Gläubigen. Wie unser Vater im Glauben, der Israelit Abraham. „Abraham zweifelte nicht im Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde stark im Glauben, und er erwies Gott die Ehre.“ – Otto von Habsburg hat am Sterbebett seines Vaters folgendes Wort empfangen: „Wenn man seinem Schöpfer entgegentritt, zählt diesseitige Errungenschaft nicht mehr; er gilt nur Pflichterfüllung und guter Wille.“ Am Ende zählt nicht das, was zu sehen ist.

Der Wissenschaftler muss nur Neues entdecken; was die Menschen daraus machen, braucht ihn nicht zu interessieren. Der Manager muss nur Profit machen; weitere Verantwortung hat er nicht. Der Kaiser hingegen muss sich verantworten für das Wohl aller Untertanen. Das irdische wie das überirdische Wohl. Die Kirche sieht in Kaiser Karl den armen Menschen, der das Ungeheure schultert. Der Glaube ist Weite, Größe, Würde – aber auch ungeheure Überforderung. Einsamkeit, Beruf, Ehe, Elternschaft, Priestertum nicht nur irgendwie zu leben, sondern aus dem Glauben heraus, das ist das schier zu Große. Wie das Königtum. So erkennt der, der heilig wird, zuerst sein Elend. Und dann die Fülle der Gnade. Die Kirche weiß, was auch der Kaiser selbst wusste, dass es nämlich Schwäche, Fehler und Schuld in seinem Leben gab. Heiligkeit bedeutet nicht Tadellosigkeit, sondern Demut, Umkehr, Annahme der Gnade – in heroischem, Maß. Und in diesem Sinn war Kaiser Karl „vorbildlicher Christ, Ehemann, Familienvater und Herrscher“.

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