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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Hl. Johanna Franziska von Chantal, 12. August 2019

12/08/2019 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Die „tüchtige“ Frau „schafft mit emsigen Händen. Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel.“ Da gehört die Frau hin: ans Spinnrad. Und wenn nicht gleich an die Spindel, dann doch auf jeden Fall ins Haus, zu den vielen Kindern. Weil es in der Bibel steht; Sie haben es eben gehört.

Ich kann Ihnen nicht sagen, wie erleichtert ich bin, dass ich in einer kleinen römisch-katholischen Kirche predigen darf und nicht in einer Kongresshalle sprechen muss vor zehntausend fundamentalistischen Christen, die die Bibel wörtlich nehmen. Und mein Glück steigert sich noch, wenn ich an die Frauen denke, die die Päpste heiliggesprochen haben. Eine Frau, die am Spinnrad sitzen bleibt, weil es in der Bibel steht, die könnte ich nur für eine törichte fromme Pute halten. Die heilige Johanna Franziska von Chantal aber, deren Fest wir heute feiern (zusammen übrigens mit den Heimsuchungsschwestern am Rennweg, denn die Heilige ist ihre Gründerin), diese Frau also erfüllt mich mit Staunen und Bewunderung. Und lässt mich übrigens auch sehen, dass die öffentliche Meinung reichlich daneben liegt, wenn sie behauptet, die katholische Kirche sei die große Frauenunterdrückerin. Die Kirche hat diesen Frauen eben nie gesagt: Du musst am Spinnrad sitzen bleiben. Sie hat ihnen gesagt: Entdecke deine Berufung! Die Kirche hat die Frauen befreit.

Die hl. Johanna kannte den Text, den wir eben gehört haben. Die Christen früherer Zeiten und wir heute leben von denselben Wörtern. Die Heilige Schrift stiftet Gemeinschaft über die Jahrhunderte hin.

„Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie“, steht da. – Was wird sich diese Frau gedacht haben, wenn sie das hörte? Ihr Mann war tot. Ganz jung, ein Jagdunfall. Mit dem Baron von Chantal-Rabutin hatte sie sechs Kinder, zwei davon gleich nach der Geburt gestorben. Nun stand sie da: Witwe mit vier kleinen Kindern, einem mühsamen Schwiegervater und Verantwortung für den Besitz und das Erbe ihrer Kinder. Was war da in ihr? Wehmut? Oder Groll? Groll gegen solch ein Leben? Hat sie gefragt: Warum ich? Was habe ich verbrochen, dass Gott mir das antut?

„Sie tut ihrem Mann Gutes und nichts Böses, alle Tage ihres Lebens“, heißt es in der Lesung. Die Frau hört auch dies, und in ihrem Herzen ist ein stilles, glückliches Ja: Sie hat ihren Mann geliebt.

„Sie sorgt für Wolle und Flachs, und schafft mit emsigen Händen.“ Damals vielleicht, neben ihrem Mann, bei der Wiege der Kinder. Jetzt nicht mehr, wirklich nicht! Am Ende ihres Lebens gibt es 87 Klöster, die Johanna gegründet hat. Sie hat Verantwortung für Leib und Seele (!) all der Frauen dort. Sie hat unendliche Schwierigkeiten mit den Kirchenmännern bestanden, zuerst zusammen mit dem hl. Franz von Sales, Bischof von Genf, Verwandter und vor allem Freund, der sie beraten hat. Nun ist er lange tot, und sie muss allein zurechtkommen. Sie kann das.

Wenn die Heilige jetzt diese Stelle aus dem Alten Testament betrachtet, weiß sie, dass vieles daran für sie nicht mehr gilt. Auch Bibelstellen erledigen sich. Manches trifft, manches trifft nicht oder nicht mehr. Die Bibel ist kein totes Buch, sie lebt mit unserer Seele und mit der Kirche.

Da steht aber noch ein Wort: „Nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob.“ Vieles hat sich gewandelt, das aber bleibt: Gottesfurcht. Was bedeutet das, Gottesfurcht? Die Antwort ist sehr einfach. Sie steht im Evangelium: „Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ Gottesfurcht bedeutet fragen: Was will Gott? „Was willst du, dass ich tun soll?“ Besitz, Häuser, Familie, Freunde alles erledigt sich mit der Zeit. Das aber bleibt: Gottes heiliger, anbetungswürdiger, liebenswerter Wille.

Diese Frau hat so viel erlebt, ausgehalten, sie hat so viel geliebt, so viel zugehört, so viel gefragt und entschieden. Gott hat ihr viel zugemutet. So viele Menschen musste sie hergeben, auf so viele eigenen Pläne verzichten (Klausur). Aber sie versteht: Gott hat sie immer freier gemacht, immer einfacher. So einfach, dass es am Ende nur noch einen Wunsch gab: den Willen Gottes tun.

Wir beten täglich „Dein Wille geschehe“, aber wir misstrauen dem Willen Gottes, wir lieben ihn nicht. Wir fügen uns vielleicht, aber uns fehlt die Sehnsucht, den Willen Gottes zu tun. Wir fragen viel öfter, wie es uns geht, wir prüfen unsere Befindlichkeit, wir fragen nach unserem Gefühl, aber nicht nach dem Willen Gottes, wir bleiben stecken in den Erinnerungen und Befürchtungen und Rücksichten anstatt einfach zu sagen: Du willst, also will ich auch.

Gott ist Liebe, lehrt das Evangelium. Doch wir glauben das nicht. Wenn etwas geschieht, das uns nicht gefällt, wenn etwas Schweres kommt, dann sagen wir gleich: Das kann doch kein liebevoller Gott sein, der mir mein Kind nimmt oder meine Heimat. Und dann brechen wir mit Gott. Anstatt wenigstens zu überlegen: Kann Gott handeln aus einem anderen Grund als der Liebe? Die Natur kann gleichgültig sein; wir, wir können böse sein. Gott kann nicht gleichgültig sein und nichts Böses wollen. Gott liebt – ich glaube. Glaube ist schwer.

Heute, am Fest der hl. Johanna Franziska von Chantal, verabschieden wir uns von den ehrwürdigen Schwestern Maria-Margareta und Maria-Lucia vom Orden der Schwestern vom Guten Hirten. Jedenfalls was Wien betrifft, die Malteserkirche, die Vespern am Sonntag. Aber was ist das schon, vor der Ewigkeit Gottes? Die beiden haben den Ruf ihrer Oberin gehört: nach Salzburg! Wieder in ein neues Kloster, noch einmal.

Sie sind so oft aufgebrochen, liebe Schwestern, sie waren so oft gehorsam – und nie ist es leichter geworden. Und ich werde nie einer werden, der andern sagt: „Wird schon!“ Oder: „Gott nimmt Dich in die Arme!“ Oder: „Der hl. Judas Thaddäus erfüllt alle Bitten, wenn man neun Zettel irgendwo hinlegt.“ Ich kann nur die Bibel nachsagen: „Der Menschensohn hat nichts, wohin er sein Haupt lege.“ Ich kann nur erinnern an Ihre eigenen Worte, so, so oft gesagt: „Dein Wille geschehe!“ Und ich kann Sie nur hineinstellen in die Gemeinschaft der Heiligen: Frauen und Männer, die aufgebrochen sind, an die Enden der Erde, in die Einsamkeit, in ihr Inneres, hin zu Gott.

Eines kann ich aber auch noch: Ihnen danken für Ihre Treue bei der Vesper am Sonntagnachmittag. Dieser Gottesdienst „geht“, wie man heute sagt, „schlecht.“ Er „zieht nicht“. Schon deswegen werden Sie fehlen, rein statistisch. Auch Ihre Stimmen werden fehlen, rein ästhetisch. Aber was wirklich fehlen wird, ist Ihr Glaube und Ihr Sinn für die stille, festliche Verehrung Gottes in dieser kleinen Kirche, in den stillen, gefahrvollen Stunden des Nachmittags. Danke für dieses Geschenk über die Jahre hin!

Ich gebe Ihnen, wirklich ehrwürdige Schwestern und Ihnen allen ein Wort des hl. Franz von Sales an die Freundin mit. Er schreibt an die Heilige: „Alles aus Liebe und nichts aus Zwang.“ Die Zwänge des Lebens in Liebe verwandeln: Das ist die Magie der heiligen Kirche. Unser Auftrag, ach.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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