Hochfest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit
Hochfest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit Predigt in Bischbrunn am 31. Mai 2026 Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Entweder-oder oder Sowohl-als-auch? Ich bin eher der Entweder-oder-Typ. Und deswegen knallt mir das heutige Fest vor den Kopf. Dreifaltigkeit bedeutet nämlich Sowohl-als-auch: Wo der Vater ist, da auch der Sohn, da auch der Heilige Geist. Sowohl Einheit als auch Verschiedenheit. Sowohl einer als auch drei. – Was ist mit dieser Erkenntnis gewonnen? Was ist mit diesem Fest gewonnen, gerade in Bischbrunn, wo sie das Patrozinium ihrer Kirche feiern? Die meisten zucken die Schultern, wenn von der Dreifaltigkeit die Rede ist: zu schwierig, nutzlos fürs praktische Leben usw. Kürzlich stand in irgendeiner Zeitung ein Interview mit einem katholischen Geistlichen und einem evangelischen Pfarrer-Ehepaar; es ging um Pfingsten. Da rann einem die müde Ratlosigkeit der Kirchenleute entgegen: nette Floskeln, statt die Schwierigkeiten des Glaubens anzugehen. Weder eine Erklärung (als habe es nie eine Theologie gegeben), noch eine Begeisterung, noch eine Herausforderung. Stattdessen: Lach-Yoga! Bringen Sie mal Jesus, die Apostel, die Muttergottes, die ersten Jüngerinnen mit Lach-Yoga zusammen… Oder die verfolgten Christen. So wie diese Kolleginnen will ich das Fest der Dreifaltigkeit nicht angehen. Mir reicht schon die Heilige Schrift, damit ich das Fest absolut ernst nehme. Im Alten Testament nur ein paar Andeutungen, einzelne Worte wie Blitze am schweren Himmel. Dann das Evangelium, wo eindeutig die Rede ist von dreien, von Vater, von Sohn, von Geist – und gleichzeitig völlig klar ist, dass da nicht drei Götter gemeint sind. – Übrigens, wissen Sie, dass die Muslime uns Vielgötterei vorwerfen? Götzendienst also. Die bärtigen Turbane haben nicht gehört, was wir bekennen: Gott ist Einer – in drei Personen. Drei sind eins, Einer ist drei. Das ist schwer zu denken, liebe Muselmanen, aber Vielgötterei ist es gewiss nicht. Nach dem Evangelium kommt die Kirche. Sie betet, sie hört und sie denkt nach (nehmen Sie die Kirche so wahr? Als eine Nachdenkende? S. Leo XIV.). So formt sich allmählich die Lehre von der Dreifaltigkeit. Der Versuch, den einen Gott in drei Personen zu denken und zu bekennen. Altes Testament, Neues Testament, Kirche, wir hier. Aber viele, die sich fragen, was ihnen das bringen soll. In einer Gesellschaft des Entweder-oder, des Jeder-gegen-jeden, der Ein-Mann-Herrschaft, der Abneigung gegen alles Schwierige, gegen das sorgfältige Denken, in so einer Gesellschaft bringt das Dreifaltigkeitsfest eine ganze Menge. Es bringt das Sowohl-als-auch, Verschiedenheit und Einheit, Respekt vor Problemen, für die es keine Tiktok-Lösung gibt. Und vor allem dies: Wenn in Gott selbst Beziehungen sind, dann ist das Grund-Modell dieser Welt nicht die Diktatur oder der Ein-Parteien-Staat oder der Kasernenhof. Für uns Christen sind am Grund dieser Welt Verschiedenheit und Beziehung. – Sie sehen also: Die Kirche ist politisch, das Fest der Dreifaltigkeit ist politisch, denn es betrifft das Zusammenleben der Menschen. Es ist nichts für die, die wollen, dass alle gleich aussehen. Schon auf dieser Ebene bringt das Fest etwas. Aber das Soziale und das Politische allein ist mir zu wenig. Denn wenn ich Jesus Christus recht verstehe, sind wir auf dem Weg zum Vater. Zu dem im Himmel. Sie wissen: Zu jeder Sonntagsmesse gehört das Glaubensbekenntnis. Übrigens: Bei aller Sangesfreude der Franken: Sie sollten das Credo nicht immer durch ein Lied ersetzen; Sie und Ihre Kinder und Enkel sollten das Glaubensbekenntnis sprechen können. „Ich glaube…!“ Da heißt es: „Für uns und um unseres Heiles willen“, wurde Gott Mensch in Jesus aus Nazareth. Das Heil ist etwas anderes als die Politik. Wo es um das „Heil“ geht, da geht es um die Frage, wie Gott und Mensch zusammenkommen können. Diese Frage wird Sie die ganze Ewigkeit beschäftigen. Begeistern. Der ganze Zinnober, der Ihnen täglich im Netz begegnet, wird dann so was von vergessen sein. Also: Glaube noch über Politik. Was kann die Dreifaltigkeit für ein Dorf bedeuten? Genauer: für den Glauben dieses Dorfes? Es geht hier um die Art, wie wir von Gott denken, wie wir mit Gott sprechen, um die Art, wie Gott an uns handelt. Hier gilt: Alle Tätigkeiten Gottes nach außen sind den drei Personen gemeinsam. Nicht nur der Sohn erlöst uns, sondern auch der Vater und der Geist. Nicht nur der Geist hält uns zusammen in Liebe, sondern auch der Vater und der Sohn. Aber wir, wir armen Köpfe tun uns leichter zu verstehen, wenn wir das Tun des einen Gottes der jeweiligen Person zuschreiben. Hartnäckig nur von „Gott“ zu sprechen oder gar von einer „höheren Macht“, nie aber vom Vater, nie vom Sohn, nie vom Geist, das ist, wie wenn Sie Jesus sagten: Behalte Deine Offenbarung für dich. Vielleicht wäre dies das Erste: Verstehen, dass Jesus uns etwas schenkt, wenn er uns die Dreifaltigkeit offenbart. Von Gott reden viele. Wir Christen wenden uns an den „Vater“, den „Sohn“, den „Geist“. Der Glaube an die drei göttlichen Personen macht unsere Beziehung zu Gott lebendig, reich, tief, persönlich. Es geht ja im Glauben um die Bewegung in eine Beziehung hinein. So entdecken wir die Vorsehung Gottes, seine Fürsorge für uns wie ein guter Vater. Wir sind Geschöpfe des Vaters. Kinder Gottes durch den Sohn. Dieser Glaube ist absolut unvereinbar mit dem Bild des Menschen als „Fleischcomputer“ (Musk) oder als „Zellhaufen“ (Reichinek). / Wir entdecken im Sohn das Glück, erlöst zu sein. / In einer Welt der Isolation und Einsamkeit entdecken wir im Heiligen Geist die Gemeinschaft; in einer Egoisten-Welt entdecken wir den Heiligen Geist, das Feuer der Liebe. In einer Welt, die immer unpersönlicher erscheint, wie ein riesiger Computer, entdecken wir einen liebevollen Plan und Sinn. Der Vater will, der Sohn tut, der Geist vollendet. Wir hören vom dreifaltigen Gott und in uns wird die Sehnsucht danach, heimzukehren zum Vater. Das können wir nur durch den Sohn. Im Heiligen Geist. FÜRBITTEN Am Fest des dreifaltigen Gottes beten wir – angeregt von der ersten Enzyklika des Papstes –: Wir beten für die Christen in Bischbrunn: Wir beten für unsere Kranken. Wir beten für unsere Toten. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Esselbach am 30. Mai 2026
