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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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29. Sonntag im Jahreskreis (A), 22. Oktober 2017

22/10/2017 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Sie danken heute für die Ernte. Für Ihre? Für die des Nachbarn? Danken Sie auch für die Ernte Ihrer Konkurrenten?

Aber nicht nur die Ernte: Bestimmt danken Sie auch für die Kinder, Ihre, unsere. Und für die Gesundheit. Und für den Frieden, in dem Österreich lebt. – Kann es sein, dass wir besonders innig für das danken, was bedroht ist? Gehören Angst und Dankbarkeit irgendwie zusammen? Dankbarkeit und Erleichterung? Kann einer dankbar sein, der sich um nichts schert und nie Sorgen hat?

Paulus und seine Leute danken für ganz anderes. In seinem ersten Brief an die Christen von Thessaloniki (dem ältesten Brief, der von ihm erhalten ist), schreibt Paulus: „Wir danken Gott euretwegen.“ – „Wir danken Gott, weil es euch gibt.“ Paulus dankt nicht für Erntegaben, sondern für Menschen. Genauer: Er dankt für seine Gemeinde. Was im Text folgt, zeigt: Paulus dankt, weil seine Pfarre glaubt, weil sie liebt und weil sie Hoffnung hat. Da müssen wir hin. Solche eine Pfarre müssen wir werden. Denn wir sind nicht nur Menschen von 2017, nicht nur Österreicher oder Mailberger oder Wiener: Wir sind Christen. Oder wollen es werden. Wie das geht, Christ werden, das lernen wir in der Bibel. Deswegen studieren wir jeden Sonntag eine Seite der Hl. Schrift. (Und ich behaupte: Einer, der nie zur Messe kommt, kann gar kein Christ sein, egal, was sein Taufschein sagt. Beweisen Sie mir das Gegenteil! Zeigen Sie mir einen, der nie in die Kirche geht und trotzdem Gott liebt und den Nächsten und der Christus nachfolgt.)

Paulus ist also dankbar – für andere Menschen. Wie hat er das erkannt, wie kommt er darauf? Indem er betet. Beten klärt auf; beten ändert die Gedanken. Weg von der Kartoffel, hin zu Menschen. Irgendwo heißt es sehr schön: „Die Seele speis’ mir mit himmlischen Gedanken.“ Das ist gemeint. Beten lehrt danken.

Und so wird klar, was für Paulus und die ersten Christen Kirche ist: Menschen, die an einander denken. Die beten. Die danken. Drei Dinge machen die Pfarre aus: danken – beten – an einander denken. Da ist es nicht erstaunlich, dass das zentrale Treffen einer Pfarre heißt: die Eucharistiefeier. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet: Danksagung. Das ist unsere Hauptbeschäftigung: Gott zu danken.

Danken Sie? Ich meine, richtig gerne? Gehört das Danken zu den, sagen wir, fünf wichtigsten Dingen Ihres Lebens? Oder ist Dankbarkeit nicht irgendwie langweilig? Es gibt doch viel Aufregenderes. Es ist aufregender, zum anderen zu sagen „ich begehre dich; ich will dich!“ als ihm zu sagen „ich danke dir.“ Wir können sehr innig bitten. Denken Sie an die Tage, wo es Ihnen schlecht geht, wo Sie Sorgen haben. Aber innig danken, das ist schwieriger. Dankbarkeit zählt nicht zu dem, was Aufsehen macht. Sie ist für die stillen Momente. Aber vielleicht ist der Moment, wo man dem anderen sagt: „Ich danke dir“, am Ende doch der beste. Ich danke dir, nicht nur weil du mir etwas gegeben hast oder es mit mir ausgehalten hast; ich danke dir, weil du mich erkannt hast. Lieben, das bedeutet den anderen richtig sehen. Das aber geht nicht mit Misstrauen; das geht nur mit Dankbarkeit. Dankbarkeit lehrt, den anderen sehen.

Nicht jeder ist dankbar. Insofern ist Erntedank auch ein Tag der Bekehrung: Wer es feiert, entscheidet sich, dankbar zu sein. Danken kann nicht, wer alles selbstverständlich nimmt. Danken kann nicht, wer findet, ihm stehe zu. Danken kann auch nicht, wer meint, es sei eh nichts zu machen. Flüchtige können nicht dankbar sein (jetzt wissen Sie, warum die Messe eine Stunde dauert: Weil wir Zeit brauchen um zu kapieren). Einsame können nicht dankbar sein. Denn im Dank erkenne ich, dass ich allein nichts erreichen und nichts halten kann. Dank stiftet Gemeinschaft. Dankbar wird der, der sich stellt. Der den Lebensschrecken kennt. Der weiß, dass alles gewaltig schief gehen kann. Der ist, wenn es gut ging, voller Dankbarkeit.

Dank ist nicht aufregend. Aber reif. Manchmal sind die Kinder so viel reifer als wir. Hören Sie, was ein achtjähriger Bub im Aufsatz schreibt. „Es ist Sonntag. Die Sonne scheint. Mama kommt in die Küche. Ich schenke meiner Mama eine Blume. Mama lacht und freut sich. Sie nimmt mich in den Arm. Wie schön, dass ich meine Mama habe!“ Das ist Dankbarkeit.

Sie merken schon: Das alles führt weit weg von unserer schönen Erntekrone. Paulus ist dankbar dafür, dass seine Gemeinde glaubt, dass sie liebt und dass sie Hoffnung hat. So eine Gemeinde entsteht natürlich „nicht nur durch Worte“, sondern, schreibt Paulus, „mit Macht und heiligem Geist und mit voller Gewissheit.“ – Sie lieben dieses Fest sehr, ich weiß. Ich liebe es, weil Sie es lieben und ich Ihr Pfarrer bin. Für mich allein würde ich Erntedank nicht feiern. Weil ich ungeduldig bin. Erntedank bleibt mir noch zu sehr „in den Vorhöfen des Heiligtums“, wie die Bibel sagen würde. Viele feiern Erntedank, ohne dabei auf Christus zu treffen. Ich will hinein ins Heiligtum: zu Christus. Ich will zu Gewissheit, zu heiligem Geist und Kraft.

„Würdig ist das Lamm, Macht zu empfangen, Herrlichkeit und Ehre“, hat die Schola vorhin gesungen (Offb). Darum geht es, das ist der letzte, wahre Grund des Dankes, wenn alles andere vergangen sein wird, wenn es nur noch Christus und uns geben wird, den Himmel. Ewiger, seliger, jubelnder Dank. Die große Erleichterung.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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