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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Dienstag der 28. Woche im Jahreskreis (16. Oktober 2017)

16/10/2017 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

„Ich klage an!“ – „J’accuse!“ Das sind die ersten Worte des berühmten offenen Briefes, mit dem der Schriftsteller Emile Zola die französische Regierung in die Schranken forderte. Wider besseres Wissen hatte sie an der Verurteilung eines Unschuldigen festgehalten. „Ich klage an!“

„Ich appelliere!“ – „Ich appelliere an alle Mütter!“ Das waren die Worte der unglücklichen Königin von Frankreich, die man genau heute vor 224 Jahren, in diesen Stunden, zum Schafott fuhr. Die – durchweg männlichen – Revolutionäre hatten sie angeklagt, Inzest mit ihrem achtjährigen Sohn begangen zu haben. So wollte man die Frau vollends vernichten. „Ich appelliere an alle Mütter hier!“, rief sie hinauf zu den Zuschauertribünen des Gerichtssaals. Die Anklage erwies sich als unhaltbar, ein schmutziger Trick schmutziger Männer. Am Urteil änderte das nichts.

„Ich schäme mich nicht!“ – „Ich schäme mich des Evangeliums nicht!“ Auch Paulus klagt an. Paulus appelliert. Paulus verteidigt Gott gegen die Menschen.

Ein unerhörter Vorgang. Zu allen Zeiten, aber heute noch mehr als je. Ein Mensch spricht im Namen Gottes, nicht verbindlich, nicht vorsichtig, nicht gütig: anklagend. Maßt er sich das an? Oder muss er das tun? Über welchen Abgrund balanciert der, der für Gott spricht! Jeder wird ihm sagen können, zu Recht: Schau dich doch selber an, bevor du uns Vorträge hältst.

Die Kirche von heute wagt sich nicht in eine so unkomfortable Position. Sie will mit den Worten des Paulus nichts mehr zu tun haben. Nur dieses eine traut sie sich noch: Sie trägt sie vor in ihrer Liturgie. Die Kirche von heute klagt Strukturen an, aber nicht Individuen. Sie schließt alle ein und keinen aus. Sie lässt offen, anstatt das letzte Wort zu sagen. Sie verteidigt die Armen, die Schöpfung, die Frauen und die Kinder, aber nicht Gott. Gott verteidigt sie nicht. Paulus aber tut genau das. Er greift an. Sein Gegner ist die Gotteslüge. Die Lüge derer, die von sich behaupten, gläubig zu sein, aber nicht vertrauen und nicht bekennen und nicht leben, was sie reden; „die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“

Was ist die Ungerechtigkeit? Dass ihnen offenbar ist, „was man von Gott erkennen kann… sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt.“ Sie haben das Richtige erkannt, – aber leben es nicht.

Nicht die Ungläubigen, nicht die Andersgläubigen, nicht die Zweifelnden klagt Paulus an. Er wendet sich gegen die, die sagen: „Ich bin schon gläubig. Mit der Kirche kann ich nichts anfangen, aber Gott gibt es, eine höhere Macht.“ Die solches sagen – und dann ihr Leben leben. Ihr Glaube hat keine einzige echte, praktische Konsequenz. Ihr so genannter Glaube macht sie keine Sekunde dankbar. „Daher sind sie unentschuldbar.“ Weil sie ihrem Verstand nicht gefolgt sind.

„Seit Erschaffung der Welt“, schreibt Paulus, wird der unsichtbare Gott erkannt „an den Werken der Schöpfung“ und zwar „mit der Vernunft“. – „Der Mensch kann Gott… durch das natürliche Licht seiner Vernunft… erkennen.“ So in der Dogmatischen Konstitution „Dei Filius“ des Ersten Vatikanischen Konzils. Zu dieser vernunftgemäßen Erkenntnis Gottes tritt dann zusätzlich noch die Offenbarung der Heiligen Schrift: noch eine Chance, Gott zu erkennen!

Was ein Bild vom Menschen! Der Vernünftige! Was ein Bild von Gott! Der sich zeigt! Gott, der sich zeigt in der Natur und in der Schrift, weil er erkannt werden will und der Mensch, der durch seine Vernunft Zugang zu Gott findet.

Der Glaube ist also keine Sache des Gefühls. Schon gar nicht der Gewohnheit. Der Glaube arbeitet mit der Erkenntnis, dem Hinsehen auf das, was ist, auf die Schöpfung. Der Glaube arbeitet mit dem Denken, dem Entscheiden, dem Handeln. Mit dem, was allen Menschen zugänglich ist (und wehe denen, die anderen Menschen diese Fähigkeiten nehmen!). Sie sind unentschuldbar, – die, die nicht das tun, was sie als richtig erkannt haben. Die Prüfung der Kirche ist nicht das Argument, nicht der Streit, sondern der dumpfe Widerstand: ungreifbar, glitschig, träge, blasiert.

„Schwestern und Brüder! Ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes, die jeden rettet, der glaubt.“ Das Evangelium gilt also allen. Als Chance, als Möglichkeit, als Herausforderung.

Was werden Sie tun? Wie werden Sie weiterleben? Ich sehe nicht viele Möglichkeiten. Eigentlich nur zwei. Entweder wir leben unseren Glauben weiter, scheu, ängstlich, träge, innig, aber privat, – oder wir klagen an. Wir treten vor die anderen hin und sagen: „Ich klage dich an, Bruder! Ich klage dich an Schwester! Sohn! Tochter! Freund! Und ich klage dich an, mein eigenes Herz! Weil du Gott erkannt hast, aber ihn nicht geehrt hast und ihm nicht gedankt hast.“

Sie haben Angst, so zu denken? Dann bedenken Sie, was es bedeutet, wenn in einem Regime des Unrechts einer aufsteht und ruft: „Ich appelliere! Ich klage an! Ich schäme mich nicht!“ Wir leben in einem kulturellen Regime, dem ich zutiefst misstraue. Ich misstraue den Gefühlen aus dem Kino. Ich misstraue dem Gewissen, das auf den Bauch hört, anstatt die Stimme Gottes im Inneren zu sein. Ich misstraue einer Vernunft, die nicht unablässig an sich arbeitet. Ich fürchte den Moment, in dem Gott uns ausliefert. „Darum lieferte Gott sie aus“, heißt es am Ende der Lesung. Gott straft nicht. Gott überlässt uns einfach der Logik unserer eigenen Entscheidungen. Er liefert die Menschen aus an sich selbst.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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