Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Aktuelles

Dritter Sonntag der Osterzeit 2026

19/04/2026 


Die Predigt zum Anhören

Dritter Sonntag der Osterzeit 2026 (Apg 2,14.22b-33)
Predigt in Marktheidenfeld St.-Laurentius und in St.-Joseph am 19. April 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Ein Krawallpredigt ist nicht schwer: ein Thema, das leicht wen aufregt, ein paar Kraftausdrücke, die die Schläfer reißen und ein, zwei überraschende Gedanken, fertig. / Über das Lieblingsevangelium predigen, ist auch nicht schwer. So heute: „Es ist der Herr!“ Diesen Satz des Apostels Johannes könnte ich immer und immer wieder hören, so schön finde ich ihn. „Es ist der Herr!“ (…)

Aber eine Predigt, die erklärt und Wissen vermittelt, die ist schwer, schon weil die meisten Menschen sich am Sonntagmorgen nicht gerne konzentrieren wollen. Dennoch muss gerade diese Predigt sein. Ich merke immer wieder, dass viele die Texte der Hl. Schrift gar nicht verstehen; also steigen sie aus und lassen den da vorne reden. Jede Lektorin, jeder Lektor weiß das. Eine Liebe zur Hl. Schrift kann so nicht entstehen. / Ich merke in Sakristeien, Bibelrunden, am Wirtshaustisch, in stillen Gesprächen, dass die Menschen ihr Glaubenswissen verloren haben, von den Bräuchen bis hin zu den elementaren Glaubenswahrheiten[1]. Damit sind wir bei der ersten Lesung dieses Sonntags.

Apostelgeschichte. Petrus spricht zu den Leuten von Jerusalem. Er stellt ihnen die Christen vor. Nicht mit dem, was sie tun und leisten, sondern hier mit dem, was sie glauben: Jesus tat „Machttaten, Wunder und Zeichen“. Das leuchtet ein. Aber, so Petrus, sie haben ihn getötet.

Auffällig, dass Petrus die Täter „Gesetzlose“ nennt. Meint er die Römer, die sich nicht an das jüdische Gesetz halten? Sind also die Römer die wahren Täter, nicht die Juden, denen man Gottesmord vorgeworfen hat, um sie leichter ausrotten zu können?

Zurück zu Petrus. Jetzt kommt die große Wende. „Gott aber“ – Gott aber! – „hat ihn auferweckt[2].“ Die brachten ihn um, Gott aber hat ihn auferweckt. Das ist der Kern. Das ist der Glaube der Christen.

Und nun setzt Petrus noch eines drauf: „Denn es war unmöglich, dass er vom Tod festgehalten wurde.“ Wie bitte? – So leitet Petrus das Argument ein, das für Sie das verzwickteste seiner Rede sein mag. Wenn Sie Folgendes wissen, wird es leichter: Jesus, Maria, die Jünger, die Frauen, alle haben damals die Psalmen gebetet (deswegen trägt das Konzil den Laien, den Priestern, dem Papst auf, die Psalmen zu beten). Die Psalmen galten als das Werk des Königs David und als eine göttliche Prophezeiung. Wenn David sagt: „Denn du gibst mich nicht der Totenwelt preis“, dann spricht er nicht von sich selbst, sondern prophetisch von Christus. Der Psalm, aus dem Petrus zitiert, ist eine Prophezeiung über Jesus und Ostern. Das Alte Testament hat also Jesus vorausgewusst. Und das bedeutet: Das Ganze ist ein Plan Gottes. Der Heilsplan. Gott handelt. – Die Gesetzlosen handeln auch, aber ahnungslos und schlussendlich vergeblich. Denn Jesus lebt, Pilatus ist tot.

„Und das alles muss ich glauben?“, mögen Sie sich jetzt fragen. Sie müssen gar nichts, das ist das Gesetz der Freiheit. Es gilt aber (in meinen Augen mindestens) noch ein zweites Gesetz, das lautet: „Du kannst nicht die Butter haben und das Geld für die Butter.“ Gröber gesagt: Es hat alles seinen Preis. Wer Christ sein will, kann nicht alles glauben, was er will.

Zu sagen „Ich bin Christ“, reicht nicht. Es braucht auch einen bestimmten Inhalt und bestimmte Taten, erst dann ist man Christ. – „Ja, aber die Buntheit und Vielfalt der Kirche?“ Ich sorge mich nicht um die Vielfalt in der Kirche, schon allein, weil wir alle einen Kopf haben und denken und fühlen, jede und jeder auf seine eigene Weise. Die Vielfalt entsteht ganz von selbst. Mit der Einheit ist es schwieriger. Ich treffe Leute, die sich Christen nennen, höre ihnen zu und frage mich: Was verbindet uns noch? Was verbindet mich mit einer Frau (sie heißt Paula White), die sich als Christin bezeichnet und im Weißen Haus Trump zum Erlöser ausruft? Was verbindet mich mit einem Minister, der sich Christ nennt und bereit ist, eine Zivilisation auszulöschen und sich dabei auf Jesus beruft. Es ist ein Unterschied, ob man Krieg gegen einen Feind führt oder ob man ein Volk auslöschen will. Ein Volk, nicht eine gegnerische Armee. Zuletzt wollten die Nazis die polnische Nation auslöschen.

Nein, man kann nicht alles glauben und nicht alles sagen, wenn man Christ sein will. / Es ist ein Unterschied zwischen Meinung und Wahrheit. / Es gibt die eine Wahrheit. Sie ist schwer zu erkennen; dazu braucht es viele Menschen und Zeit. / Und: Das Eine schließt dabei das andere aus. Jesus lebt oder er ist tot. Beides zugleich geht nicht (…).

Ich erkenne von der Bibel her. Jeder Sonntag nötigt mich dazu, meine Perspektive zu verändern: nicht mein Befinden, nicht meine kleine Welt von heute, sondern die Anfänge. Die Rede des Petrus steht am Anfang unserer Kirche. Jesus wurde getötet, Gott aber hat ihn auferweckt. Die ganze Zeit hat Gott gehandelt, ohne dass die Menschheit es wusste. Das predigt Petrus am Pfingsttag. Damit komme ich zum Letzten, das Sie heute unbedingt verstehen müssen: Die Apostel haben den Heiligen Geist empfangen, d. h. den Geist Jesu. – Ich kann Ihnen nicht meinen Geist geben, ich kann Ihnen bestenfalls zu denken geben. Den Heiligen Geist kann nur der Auferstandene selbst geben. Der, der an keine Grenze mehr gebunden ist. Jesus Christus lebt, er ist in Jerusalem bei den Aposteln, er ist bei den Frauen, er ist heute hier, in St.-NN. Das ist der Glaube der Christen[3].

Fürbitten

„Gott aber hat ihn auferweckt..“ Die Menschen tun und planen, sie töten einen, weil das in ihren Plan passt, sie führen Krieg, weil das in ihren Plan passt, sie beherrschen das Internet, weil sie es so wollen – und ahnen nicht, dass zur gleichen Zeit Gott handelt.
Wir beten um festes ruhiges Gottvertrauen in dieser Zeit.

Wir beten für die Eltern und Großeltern unserer Kommunionkinder.

Weltweit lassen sich viele junge Leute taufen. An Ostern 2026 allein in Frankreich mehr als 21.000 Erwachsene! Wir beten für sie.

Am 16. April sagte der Papst in Kamerun diese erstaunlichen Worte:
„Die Kriegsherren tun so, als ob sie nicht wüssten, dass ein Augenblick genügt, um zu zerstören, dass aber oft ein ganzes Leben nicht ausreicht, um wiederaufzubauen… Sie tun so, als sähen sie nicht, dass Milliarden von Dollars verbraucht werden, um zu töten und zu verwüsten, dass man jedoch nicht die Mittel findet, um zu heilen, zu erziehen und wiederaufzurichten…“ – „Eine Spirale der Destabilisierung und endlosen Sterbens“.
Wir beten alle zusammen einen Moment lang fest um den Frieden.

[1] „Die Volkskirche wie wir sie gekannt haben, wird es nie mehr geben.“ Das verkündet inzwischen jeder Provinzbischof. Ich kann damit leben. Schwer tue ich mir nur damit, dass die Volkskirche selbst zwar tot ist, ihre Methoden aber weiter geübt werden: Taufen und Hochzeiten für jeden, wirklich jeden, der will. Nicht die geringste Anforderung. Über Jahrzehnte hin habe ich kein einziges Paar getroffen, das mir nicht munter ins Gesicht gelogen hätte. „Ja, wir werden eine christliche Ehe führen. Ja, wir werden unsere Kinder katholische erziehen.“ Nicht dass das beleidigend ist, ist das Problem, sondern dass da der Glaube selbst verraten wird.

[2] „Sie haben mir gemeldet: Jesus, mein Gott, lebt! Ich habe es gehört, und mein Geist lebt wieder auf, nachdem er vor Enttäuschung entschlafen war, krank vor Mattigkeit oder verzagt vor Kleinmut. Daran kannst du in Wahrheit erkennen, daß dein Geist in Christus wieder ganz lebendig geworden ist, wenn er aufrichtig spricht: Es genügt mir, wenn Jesus lebt.“ (Guerricus (Werricho) von Igny, Lesehore Donnerstag der zweiten Woche nach Ostern).

[3] „… eine innerliche, gnadenhafte [geschenkte] Verbundenheit, die sich nicht darin erschöpft, dass man Jesus zum Vorbild nimmt. Denn Jesus ist die Gabe des Lebens an die Menschen, er ist das Brot, von dem wir essen, das frische Wasser, von dem wir trinken… Im Glauben auf ihn schauen, heißt an ihm teilhaben… der Herr ist Subjekt und gibt Paulus Anteil an sich selbst…“ (Berger, Jesus, 537).

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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