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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Malteserorden

Nachrichten

30. Sonntag im Jahreskreis (C), 23. Oktober 2016

28/11/2016 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Es gibt Leute, die nie beten. Es gibt eine Menge Leute, die nie wirklich beten. Man kann sein Leben lang, 10.000 Mal, das Vaterunser sprechen ohne zu checken, dass man dabei zu jemandem spricht – „Vater!“ – und ohne je zu bedenken, was man da sagt. „Dein Wille geschehe!“ Es gibt auch die, die beten wie der Pharisäer im Evangelium. Und schließlich die vierte Gruppe. Das sind Menschen, deren Gebet sehr kurz ist. „Gott! Sei mir Sünder gnädig!“

Dieser Pharisäer ist ein Mann, der schon viel gebetet hat. Wahrscheinlich sein Leben lang, täglich. Einer, der auch viel Gutes getan hat. Er beginnt sein Gebet mit einem Dank. „Ich danke dir, Gott.“ Das ist ein guter Anfang. Aber dann fährt er fort: „Ich danke dir… dass ich nicht wie die anderen bin.“ Und mit diesen Worten weckt er Misstrauen, fast Antipathie. Man meint, die Abneigung Jesu zu fühlen… Nicht so sehr, weil der Typ eingebildet ist, sicher besser fühlt als die anderen. Nein, weil er nicht mehr bittet. Eigentlich dankt der Mann nicht Gott, sondern sich selbst. Er ist stolz auf sich, auf seine Leistungen („Ich war 20 Jahre lang im PGR…“ – Besuche ich die Leute aus Liebe oder weil ich beliebt sein will?).

Wie der Pharisäer betet einer, der nicht weiß oder vergisst, was Gott ihm getan hat; der nur weiß, was er selbst getan hat: Er hat die Sünde gemieden und die einzelnen Gebote tadellos erfüllt. Darum enthält sein Gebet keine Bitte um Vergebung; er braucht keine Vergebung. Nicht er schuldet Gott etwas, sondern Gott schuldet ihm etwas. Eine Belohung. So kann man sogar mit einem Gebet sündigen. Denn wer mit dem Gefühl lebt, er schulde Gott nichts, lebt in Lüge und Hochmut.

Der andere, der Zöllner, kapituliert vor Gott. Er weiß: Ich bin reich, ich habe eine Menge Freunde; aber vor Gott habe ich nichts in Händen. Der Mann muss seine Zukunft ganz in die Hände Gottes legen. So gibt er Gott die Ehre. Er ist nicht in der Lüge, sondern in der Wahrheit. Und wird selig sein, denn Jesus sagt: „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit!“ Der Zöllner ist so einer. Er weiß, dass sein Leben schief ist und falsch – und nur dann gerecht, wirklich gut werden kann, wenn Gott ihm hilft.

Das klingt Ihnen zu theoretisch? Dann denken Sie sich einen Mann, der zu seiner Frau sagt: „Sei mir gnädig!“ Der das sagen muss. Weil es sonst aus ist. „Sei mir gnädig!“, das sagt man nicht zum Richter, nicht zum Chef, wohl auch nicht zu Vater und Mutter. „Sei mir gnädig“, das sagt man nur zum besten Freund oder zum Partner. Das sagt man nur in der Liebe. Und genau das ist der Punkt: Der Pharisäer liebt nicht, der Zöllner liebt sehr tief. Er braucht Gott. Das ist Liebe.

„Gott, sein mir Sünder gnädig!“ Haben Sie das schon einmal gerufen? Haben Sie schon einmal richtig Scheiße gebaut? Etwas verzweifelt bereut? Oder erkannt, wer sie wirklich sind? Nicht was die anderen von Ihnen sehen, nicht was Sie selber gerne sehen würden, nein: die Realität?

Ich habe das schon oft gerufen. Wenn mir meine Armseligkeit aufgeht. Wenn ich sehe, wie ich zurückbleibe hinter dem, was ich könnte und was ich sollte; hinter dem, was Gott mir gegeben hat. Wenn ich sehe, wie viel Gnade ich verschwende. „Gott, sei mir Sünder gnädig!“ – Ich kenne solche Momente. Und deswegen wünsche ich Ihnen, dass Sie sie auch kennen lernen. Wenigstens einmal im Leben. Es sind nicht die schlechtesten. Denn in diesen Momenten ist Wahrheit – und Trost. In ihnen ist Verzweiflung (ist Verzweiflung so schlimm? Lieber verzweifelt als kalt), aber auch Aussöhnung. Sie sind richtig und sie retten.

Ich rufe und weiß: Ich bin frei. Herrliche Freiheit! Schreckerregende Freiheit! (…)

Ich rufe zu Gott und weiß: Er könnte mich wieder ins Nichts zurückstoßen, aus dem er mich gerufen hat, als meine Eltern mich zeugten. Jetzt, sofort könnte er mich zernichten.

Ich rufe zu Gott und weiß: Er könnte mich verurteilen. Verdient hätte ich es.

Ich rufe und glaube fest: Gott ist mir gut. Er ist doch mein Vater!

Und weil das so ist, kann ich ehrlich mit mir selbst sein. Ich kann die Wahrheit sehen (einigermaßen). „Ich bin nichts und Sünde“, dieser Satz des hl. Vinzenz Palotti macht mir keine Angst. Er ist wahr. Aber zur Wahrheit kommt die Erlösung. Gott ist mir gnädig.

„Gott, sei mir Sünder gnädig!“, so kann man nur rufen, weil es Hoffnung gibt.

Aber nicht alle hoffen. Die, die nichts bereuen, hoffen auch nicht.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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