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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Peter und Paul, 28./29. Juni 2015

06/07/2015 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Sie waren keine Freunde. Ihre Wege haben sich nur kurz gekreuzt; der Herkunft und dem Charakter nach waren sie grundverschieden. Petrus und Paulus haben gestritten. – allerdings nicht über Blödsinn, sondern über die Wahrheit. Nichts deutet darauf hin, dass sie einander tief sympathisch waren; nichts von einer Männerfreundschaft, wie Sie sie kennen. Dennoch anerkennt Paulus die Autorität des Petrus, und Petrus achtet Paulus. So werden die beiden die Säulen der Kirche. Christus ist der Grundstein (und der Schlussstein), aber Gott beruft zwei ganz unterschiedliche Menschen, die Säulen des Baues zu werden. So geht Kirche.

Kirche ist keine Kumpanei, kein Club, kein Stammtisch; Kirche, das sind nicht Spezln und nicht facebook-Freunde. Kirche, das ist die Gemeinschaft von Frauen und Männern, die sehr verschieden sind, die sich vielleicht nicht nahe stehen oder sympathisch finden, die aber einen gemeinsamen Glauben und ein gemeinsames Ziel haben und sich deswegen achten und helfen. Und deswegen besteht die Kirche bis heute.

Wäre die Kirche am Anfang nur eine Gruppe von Freunden und Bekannten oder ein verschworener Geheimbund gewesen oder ein Arbeitskreis, sie wäre längst untergegangen. Das Fest der Apostel Petrus und Paulus wird gefeiert seit dem Jahr 354.

Und wozu? Natürlich aus Dankbarkeit und um diese beiden Männer zu ehren – aber doch auch, damit die Kirche von 2015 sich erkennt und sich wieder findet. Solche Feste gehen immer über die Personen und über die Geschichte hinaus. Durch Petrus und Paulus wurde, wie es im Tagesgebet heißt, „der Grund des Glaubens gelegt“. Der Grund, auf dem wir heute noch stehen und den die ganze Kirche, gehalten vom Papst, immer wieder suchen muss: „Was ist der Glaube der Apostel? Der Glaube derer, die Jesus am nahesten waren?“

Petrus und Paulus waren so unterschiedlich! – Petrus war verheirateter Mann, von Beruf Fischer. Er wird ein frommer Jude gewesen sein, ein Kirchgänger sozusagen, so wie ein Mann, der heute in seine Kirche geht und zu seinem Herrgott betet. Aber nichts deutet darauf hin, dass er besonders fromm war, besonders tief. Schon gar besonders heilig. Alles sehr normal. Eines Tages aber trifft er auf Jesus, den Zimmermann aus Nazareth. Der Rest ist Geschichte.

Paulus war nicht verheiratet, von Beruf Zeltmacher, mit römischen Bürgerrechten, – und sicher begabter, gebildeter und frömmer als Petrus („in der Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen“). Heute würde man sagen: ein Mystiker. Oder ein Extremist. Paulus war ein großartiger Organisator, Prediger, Autor. Und trotz aller dieser Fähigkeiten muss er vor Petrus zurücktreten. Petrus ist das Haupt der Apostel.

Was beide Männer gemeinsam haben: den Glauben. Der aber war für beide verbunden mit einer großen Lebenswende. Gläubig im herkömmlichen Sinn waren beide immer gewesen. Aber dann kam für beide die wahre Begegnung mit Jesus Christus, die alles noch einmal verändert. Beide Männer müssen alte, liebe Ideen aufgeben und ihr altes, vertrautes Leben. Alles wird anders – und doch bleibt Petrus Petrus und Paulus Paulus.

Es gibt Veränderung und Kontinuität. Gott ist immer da („Gott aber, der mich vom Mutterleib an auserwählt hat“). Gott schreibt jedem der beiden eine Geschichte, nicht viele Geschichten. Vom ersten bis zum letzten Tag.

Dauer ist auch in der Autorität. Petrus anerkennt Jesus („du weißt, dass ich dich liebe“) und Paulus anerkennt Petrus. Die Autorität in der Kirche ist nicht dazu da, dass einer sich austobt und macht, was er will, sondern dazu, dass die Geschichte beisammen bleibt. Die Autorität in der Kirche dient der Kontinuität. Der Treue.

Was gibt es sonst noch bei den beiden, ohne die die Kirche nicht sein kann? Das Gebet („Petrus und Johannes gingen zum Gebet in den Tempel hinauf“). Den Einsatz der Person. Wer in der Kirche ist, gibt – am besten sich selbst („was ich habe, das gebe ich dir“). Es gibt Gemeinschaft, d. h. Menschen. Wer in der Kirche ist, bleibt nicht allein und nicht für sich. Petrus und Johannes treffen den Gelähmten; Paulus schreibt an seine Gemeinde. Sie begegnen anderen Menschen. Das ist nicht Zufall oder Zutat, sondern der Sinn der Kirche. Vor allem aber ist da Christus. Das Gespräch zwischen Jesus und Petrus im Evangelium des Festes bringt es auf den Punkt. „Petrus, liebst du mich?“ – „Weide meine Lämmer!“ Immer und immer wieder fragt Jesus das.

Das Tagesgebet tut das Richtige, wenn es sich an Gott wendet: „Erhalte und vollende diesen Glauben, der uns zum ewigen Heil führt.“ – Petrus und Paulus haben ihre Rolle, für immer. Aber es handelt: Gott. Und das Ziel ist: Gott. Und der Weg ist: die Liebe zum Herrn.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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