Fest des Hl. Pius von Pietrelcina 2026
Fest des Hl. Pius von Pietrelcina (Spr 30,5-9 u. Lk 9,1-6 – Mittwoch der 25. Woche im Jahreskreis) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Wie feiert man ein Heiligenfest? Zwei braucht es auf jeden Fall: Treue zum Papst, der diesen Menschen heiliggesprochen hat und Treue zu den Gläubigen, die diesen Heiligen verehren. Keiner verlangt, dass jede und jeder diesen Heiligen sympathisch finden muss. Einfach bei der Kirche bleiben, ruhig und loyal: So geht das. Der hl. Pius von Pietrelcina, den Sie besser kennen unter dem Namen Padre Pio, ist einer der beliebtesten Heiligen Italiens, wenn nicht der beliebteste überhaupt. Verehrer hat er weltweit, deswegen ist sein Fest auch ein gebotener Gedenktag. Er muss gefeiert werden, sagt die Kirche – zu unserem geistlichen Nutzen. Padre Pio war ein einfacher, tief frommer Mann – und ein außergewöhnlicher Beichtvater. Hunderttausenden (!) hat er im Beichtstuhl Trost und Hoffnung geschenkt, vielleicht gerade, weil er sehr klar und deutlich war in seinem Zuspruch. Man kann hart und gütig zugleich sein… Seine Beliebtheit hat natürlich auch zu tun mit den mysteriösen fünf Wundmalen Christi, die er in einer Ekstase empfangen haben soll. Die Amtskirche blieb da immer skeptisch; sie weiß, dass die Heiligkeit nicht an solchen Zeichen hängt. Es gibt Heilige, die einhelligen Beifall finden, Franz von Assisi zum Beispiel, und solche, die Kontroversen auslösen. Erstaunliche Kontroversen, wenn man bedenkt, dass ein heiliger Papst, Johannes XXIII., größte Bedenken gegen Padre Pio hatte und ein anderer heiliger Papst, Johannes Paul II., ihn heiligsprach. Es ist Tatsache, dass Padre Pio bis heute umstritten ist: wegen seiner Position in der Politik, seines Umgangs mit dem Geld und mit den Frauen oder wegen seiner Theologie. Ich persönlich kann mit blutenden Wundmalen nur bei Jesus etwas anfangen und Massen-Begeisterung ist mir unheimlich. Was mich an Padre Pio aber beeindruckt, ist seine Kenntnis der Seelen. Als Beichtvater hat er unzählige Menschen geheilt. Er hat Seelen geheilt. Vielleicht haben seine ruppige Einfachheit und seine Wunden die Seelen erschüttert und so die kranken Herzen für die Heilung bereit gemacht. Verschlossene, versteinerte Herzen kann man nicht heilen. Es braucht mindestens einen feinen Riss, durch den die Gnade sich ihren Weg bahnen kann. „Sie verkündeten das Evangelium und heilten überall die Kranken.“ Im Evangelium des Tages erhalten die Apostel zwei göttliche Aufträge: „die Kranken gesund zu machen“ und „das Reich Gottes zu verkünden“. Ich frage mich: Ist das eine Beschreibung der Kirche von heute? Eine Beschreibung der Pfarrei Marktheidenfeld? Wird hier das Reich Gottes verkündet? Werden hier Seelen geheilt? Verkünden SIE das Reich Gottes? Heilen SIE Seelen? Die Macht dazu hätten Sie. Wir wissen alle, dass Christen das Reich Gottes mit ihrem Leben und ihren Taten verkünden. Oder eben nicht. Die Verkündigung ist aber auch dem Wort zugeordnet. Wir – Sie und ich! – verkünden mit Worten. So wie Padre Pio mit Worten geheilt und verkündet hat. Nicht als großer Prediger, sondern im Schatten des Beichtstuhls. In diesem Sinn kommt die Lesung des Tages genau richtig. Wer verkündet, wer mit Worten arbeitet, muss auf die Worte achthaben. Wer das Evangelium verkündet, muss zuerst das Evangelium hören. Das ist nicht so einfach, wie es klingt. Es gibt in uns Haltungen, die das echte Hören beinahe unmöglich machen. Unaufmerksamkeit natürlich, auch Faulheit; das leuchtet ein. / Ich würde auch Unbildung dazusetzen, gewollte Unbildung, bockiges Verharren in religiöser Unwissenheit. Sich einfach nicht interessieren. / Und Eitelkeit. Wer nie von sich selbst wegtreten kann, wer sich selbst am wichtigsten findet oder auch nur „total okay“, der wird Gott nicht hören. / Noch schlimmer: Falschheit und Lügenwort. Wer die Wahrheit, auch die Wahrheit über sich selbst meidet, wird Gott nicht finden. / Auch das innere Geplapper, der völlige Mangel an innerer Stille verhindern das Hören. / Und natürlich der Ungehorsam, das Nein zu Gott. „Füg seinen Worten nichts hinzu“, heißt es in der Lesung. Das Wort Gottes nicht manipulieren! Keusch bleiben, also ohne Eigeninteressen. / Sogar die äußeren Bedingungen spielen eine Rolle. Das Buch der Sprüche weiß gut: Sowohl Armut als auch Reichtum lenken ab vom Wort Gottes. Gott erhalte uns in der Mitte zwischen beiden! Die Apostel – und Sie sind Apostel – müssen zuerst empfangen, hören, bevor sie austeilen können. Sie hören das Wort Gottes in jeder Messe. Sie hören es vielleicht auch, wenn Sie zuhause in der Hl. Schrift lesen. Machen Sie sich also innerlich bereit. – Auch auf Mühen und Schmerzen. Es heißt in der Lesung: „Jede Rede Gottes ist im Feuer geläutert.“ Es gibt in Ihnen Haltungen, die weggebrannt werden müssen. Der Hl. Geist ist Feuer, vergessen Sie das nicht. So gerüstet, können Sie sich aufmachen. Sie können verkünden und heilen. FÜRBITTEN Ergänzung zu den Fürbitten aus dem „Schott“ Heute ist auch das Fest des hl. Zacharias und der hl. Elisabeth. Sie waren die Eltern Johannes des Täufers. Und wir beten für die Eltern, deren Kinder eine geistliche Berufung haben. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Marktheidenfeld St.-Laurentius am 23. September 2026
Wir beten also für alle Eltern.
