Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Geistliche Einführung bei der Ortsversammlung der Malteser Wertheim

25/09/2026 


Die Predigt zum Anhören

Geistliche Einführung bei der Ortsversammlung der Malteser Wertheim
Predigt in Wertheim am 25. September 2026

(Die Ton-Aufnahme ist leider technisch misslungen. Sie können den Vortrag also nur nachlesen, nicht hören, Pardon!)

Alles Scheisse, oder? – Regierung, Klima, Schulen, Weltpolitik, Wirtschaft, Sprit an der Tanke: endlose Liste.

Es gibt Tage, wo ich auch so denke; erst recht, wenn mir schon in der Frühe der Milchkaffee auf die Zeitung gekippt ist und ich mich im Spiegel gesehen habe. Aber ich bin auch ganz sicher: Wir – wir hier! Die Malteser! – dürfen die Welt nicht so sehen, wie sie unsere Zeitgenossen sehen!

M. a. W. wir müssen es anders machen. Und das geht. Ist gar nicht so schwer.

Die Leute jammern: Alles verändert sich. Alles wird schlechter!

Ihnen ist schon klar: So können nur ältliche Menschen reden. Kinder denken so nicht.

Natürlich können die alten Leute Recht haben oder die Soziologen: Es verändert sich ja wirklich sehr viel. Für Malteser ist die Erkenntnis „alles verändert sich“ aber nicht besonders hilfreich. Wir Malteser müssen natürlich wissen, was in der Welt vorgeht – neugierig sein, offen –, aber für unsere Arbeit sind die Dinge wichtiger, die bleiben. Vieles verändert sich und vieles bleibt. Also nur die Ruhe. Nicht grantig werden!

Die Geschichte von Mann und Frau: bleibt.

Die Freude spielende Kinder bleibt. Ihr Gekicher im Garten: bleibt.

Der frühe Morgen und die Nacht bleiben. Die Jahreszeiten bleiben.

Die Menschen werden sich immer nach Dingen sehnen und Angst und Stress empfinden. Auch das bleibt so.

Die Krankheit und der Tod bleiben uns treu. Aber auch die Musik und die Träume.

Wenn die Veränderungen Sie ängstlich machen und müde: Schauen Sie doch auf das, was bleibt. Auf das Schöne und auf das Schlimme.

Schauen Sie auf die Wahrheit. Manchmal erschrickt man vor der Wahrheit, zuerst mal, aber dann macht sie ruhig und klar. Dann können Sie handeln.  Sehen Sie die Welt, wie sie ist: im Wandel und immer gleich.

Sie können Ruhe und Kraft in eine nervöse Welt bringen.

Die Leute sagen: Alles ist schlecht.

Das ist Quatsch. Rufen Sie sich das ins Gedächtnis, wenn um Sie herum alles für schlecht erklärt wird. Gehen Sie mal Ihren Tag durch auf der Suche nach dem, was ganz und gar nicht schlecht ist. Ihr Gebiss sitzt und wackelt nicht oder Sie haben noch gar keines: sehr gut! / Ihr Partner ist eigentlich ein guter Typ, Ihre Frau sieht immer noch, immer wieder richtig hübsch aus. / Ihre Kinder oder Enkel sind nicht immer patzig, sondern auch mal fantasievoll und aktiv und total lieb. / Sie kriegen hier sofort einen Reha-Platz oder eine Therapie, – 400 km von hier gibt es so was gar nicht. / Dann sind da noch die Farben des Herbstes und endlich wieder Kühle nach all den Hitzetagen. / Nein, es ist nicht alles schlecht. Sagen Sie das auch denen, um die Sie sich kümmern. Lassen Sie spüren, dass vieles sehr gut ist.

Sie müssen „Spurenleser der Hoffnung“ sein. Und falls Sie Christen sind, haben Sie überdies die Hoffnung, dass der Herr wiederkommt, in Herrlichkeit. Und alles gut macht.

Die Leute sagen: Es ist hoffnungslos. Man kann nichts tun.

Stimmt schon, es gibt große Probleme in Deutschland und in der Welt. Die Lösungen liegen nicht auf der Hand. Aber dass man nichts tun kann, ist einfach Unsinn. Sie können im Kleinen so viel verändern, im Umgang der Menschen untereinander. Einfach mal die schlechte Laune daheimlassen; einfach mal nicht „authentisch“ sein, sondern höflich. / Sie können in der Ernährung was ändern, im Sprit- und im Kerosinverbrauch. / Sie können einfach mal zuhören, wirklich zuhören, statt immer gleich Bescheid zu wissen. / Sie können mal um die Ecke denken, neu. / Sie können eine Gruppe von Menschen drehen. Von mies auf froh. / Sammeln Sie Erfolgserlebnisse. Wir hier schauen nicht auf Bilanzen und Statistiken, sondern auf Stimmungen. Die Stimmung eines Landes ist so wichtig!

Alle diese „kleinen“ Veränderungen, die von den Maltesern ausgehen, fügen sich zusammen, nach und nach, zu einer großen Veränderung der Gesellschaft, dessen bin ich sicher.

Die Leute schimpfen: Die Leute sind unmöglich.

Warteschleife am Telefon, Schlange an der Kassa, Reisende in der Bahn… stimmt: Die Leute sind unmöglich. Wahrscheinlich sogar schlimmer als früher. Aber Sie können auch anders denken. Sie entscheiden, wie Sie denken. Im Stau oder in der Schlange an der Kasse haben Sie Zeit nachzudenken. Wenn Sie sich nicht bewusst entscheiden, woran Sie denken wollen, werden Sie beim Einkaufen jedes Mal sauer sein… Aber Sie haben eine Wahl. Es steht in Ihrer Macht, eine proppenvolle, heiße, träge Konsumhölle wie den Aldi als heilig anzusehen. Weil diese Halle und die Menschen darin mit einer Energie geladen sind, die Sterne erschaffen könnte. Mit etwas Göttlichem, – auch wenn man es ihnen nicht gleich ansieht.

Zusammenfassung: Es geht was!

Sie müssen nur anders sehen, anders denken.

Und auch das: Sie müssen das Ziel klar haben, gleich ob Sie einen Besuch machen, jemanden beraten, einen Gottesdienst planen oder, oder, oder.

Zuversichtliche Entschlossenheit und Klarheit! Das ist das Mittel gegen alles Diffuse, gegen das „Irgendwie“, irgendwie nett, irgendwie sozial engagiert. Ohne diese positive Klarheit werden Sie schon auch Gutes bewirken, aber halt immer nur zufällig. Das ist zu wenig.

Und was ist das Ziel? Dass alle fromm werden? Das ist gar nicht nötig. Etwas anderes ist in dieser Welt aber unbedingt nötig: Gerechtigkeit. Nach der klassischen Definition bedeutet Gerechtigkeit nicht, dass alle gleich viel haben, sondern: ein menschenwürdiges Leben für jede und jeden.

Da kann man in den Altenheimen und Krankenhäusern schon mal anfangen. Mit anderen Worten und Gesten als bisher.

Ihre Umwelt wird Sie dabei nicht immer unterstützen. Wurst. Machen Sie sich unabhängig davon. Es gibt einen alten Wahlspruch, den ich Ihnen ans Herz lege. Er leitet sich her von einer Stelle im Matthäus-Evangelium und lautet: „Etiam si omnes, ego non“ (Mt 26,33). Alle, – aber ich nicht! Ich mache das nicht mit. Ich mache das anders, weil ich Malteser*in bin.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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