25. Sonntag im Jahreskreis 2026
25. Sonntag im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A, Mt 20,1-16) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Und Sie? – Sind Sie auch Wutbürger? Nur manchmal oder von früh bis spät? Und auf was genau sind Sie wütend? Auf Friedrich Merz oder auf Frau von Weidel? Auf den Papst? Nein, den finden alle gut. „Noch“, sagt Kloppo. „Das rotseidene Schulterdings verspricht nichts Gutes“, grantelt die Oberin. Oder sind Sie wütend auf Mark Zuckerwerk, der Ihre Kinder abhängig macht? Auf den ist keiner so richtig wütend, auf Elon Muskel auch nicht. Komisch. Wie auch immer, neu sind Wutbürger nicht. Schon das alte Evangelium erzählt von wütenden Leuten. Warum genau sind die Leute so wütend auf den Gutsbesitzer? Weil er voll ungerecht war? Aber das war er ja gar nicht. Er hielt sich an die Abmachungen, und ein Denar war damals ein guter Tageslohn sagen die Spezialist*innen. Die Arbeiter wissen das auch, kochen aber trotzdem vor Wut. Gerechtigkeit macht Menschen wütend, Geschenke machen Menschen wütend. Letztlich richtet sich der Zorn gegen die Entscheidung, die Laune des Herrn. Meine These: Die Leute sind wütend, wenn andere etwas geschenkt bekommen; vor allem dann, wenn die das „doch gar nicht verdient haben“! Die Leute sind wütend, wenn ein anderer Entscheidungen trifft, ohne sie zu fragen. Und auf Gutsbesitzer sind die Leute immer wütend. „Die da oben!“ Sogar Leute, denen es gar nicht schlecht geht, sind auf die da oben wütend. Menschen sind einfach nicht rational. Sie kriegen so einen Hals, wenn einer im Biergarten Krawatte trägt („hält sich für was Besseres“), aber den mit dem unnötigen Auto, für das man 800 Krawatten kaufen könnte, den finden sie toll. Plemplem. In diesem Evangelium gibt es zwei Parteien: Herren und Arbeiter. In der Kirche gibt es vielen Herren und Herrinnen, aber man spricht, als gäbe es nur Arbeiter und Arme und Ausgegrenzte und Brüder und Schwestern. Herrin will keine sein. Machen wir’s doch mal wieder anders als die anderen und schauen nicht die Arbeiter an, sondern den Gutsherrn. Er hat die Kohle, er vergibt die Arbeit, er zahlt den Lohn. Er entscheidet. Er ist der Herr. Das ganz unverdächtige „Katholische Bibelwerk“ kommentiert: „Der Gutsbesitzer ist Gott, die Arbeiter stehen für die Jünger/innen, die Gemeinde.“ Jetzt wird’s spannend. Was ist ein Herr? Was tut ein Herr? Was braucht es, um ein guter Herr zu sein? Gibt es gute Herren überhaupt? Korrekte Frage, wo wir Jesus doch „Herr“ nennen. Es gibt Pfarrer, die nach Autorität gieren und es gibt Pfarrer, die sich vor Autorität fürchten. Beides falsch. Es gibt Chefs, Mütter, Väter, Frauen, Männer usw., die von Fall zu Fall Herren sind oder sein müssen, entscheiden müssen. Die erwachsen sein müssen. Vielleicht sollte man das lernen: mit der eigenen Autorität umgehen. Besonders schief und krumm fand ich in dieser Hinsicht immer die Pfarrer der 60er-, 70er-, 80er-Jahre, die taten, als seien sie deine Freunde, alle duzten und ihren pfäffischen Pseudodialekt sprachen, um volkstümlich rüberzukommen, die aber, sobald ihnen irgendetwas nicht passte, genauso autoritär durchgriffen wie Pius XI. selig. – Wer wann immer Herr sein muss, der muss unterscheiden können, Verantwortung übernehmen, Schwächere verteidigen; er muss helfen, leiten und auch mal Ruhe geben. Zurückstehen. Wer Autorität hat, muss übrigens auch wissen, dass er schuld ist. Immer. Der Chef ist schuld, der Pfarrer, nicht das Pfarrteam, die Leiterin, nicht der Kindergärtner. Noch etwas. Wir alle müssen damit umgehen, dass Gott oder Christus oder der Heilige Geist auch Herr ist. Auch. „Nur einer ist euer Meister…“ (Mt 23,10), Sie erinnern sich. Nur einer ist DER Sohn. Wir sind „angenommen an Kindes statt“. Das ist etwas anderes[1]. Und alle müssen den Herrn ertragen – wie die Arbeiter des Evangeliums. Hier in Deutschland ist das Volk der Herr. Das Volk, nicht der Einzelne oder mehrere Einzelne. Wahlgewinner sind nicht das Volk, die Regierung ist nicht das Volk, die Mehrheit ist nicht das Volk, die CSU ist nicht Bayern, und grölendes Pack auf der Straße ist schon gar nicht das Volk. Das Pack kann bloß besser zuschlagen. Das Volk sind alle zusammen, alle (ich persönlich vermute sogar: Auch unsere toten Vorfahren gehören zum Volk). Das Volk liebt die Regierung nicht. Die Menschen lieben Gott nicht. Manchen ist Gott gleich, manche glauben an Ihn, manche halten seine Gebote, aber wer bitte liebt Gott? Warum sollten wir auch? Eine Äbtissin, deren Blog ich sehr schätze, weil sie gescheit ist und gläubig, schrieb dieser Tage: „Das Leiden der anderen lässt mich ohne Antwort und völlig ratlos. So viele Menschen werden einfach wehrlos zermalmt.“ Vom wem? Doch wohl von Gott. Oder haben Sie eine andere Antwort? Gott gab der Menschheit die Zehn Gebote. „Du sollst nicht stehlen, Du sollst nicht lügen, Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Weib oder Mann.“ Usw. Das ärgert die Leute. Diese ganzen Gebote verderben ihnen den Spaß am Leben. Deswegen wird Gott nicht geliebt. Deswegen werden übrigens auch die Juden nicht geliebt, bis heute nicht, heute wieder nicht. Weil die Zehn Gebote über sie kamen. Wie die Juden wird auch die Kirche nicht geliebt. Vor Gott können Sie resignieren, Sie können sich empören, Sie können einfach ein Bier mehr trinken, Sie können glauben… Aber Gott lieben? Und doch ist genau das verlangt. Verlangt! So wie man heute Liebe versteht, geht das aber gar nicht: Liebe verlangen, Liebe als Gebot oder Pflicht. Ist Ihnen nicht längst klar, dass Jesus ganz anders von Liebe denkt als die Bestsellerautorin mit Ponyfransen? Umdenken wäre also das Erste. Und dann einfach machen, gehorchen. „Du sollst Gott lieben…“ Also versuche ich es. Ich bete darum, Gott lieben zu können, ihn und seine Liebe auszuhalten. Die Grundfrage in diesem Kampf lautet: Stehe ich auf der Seite der wütenden Leute, der religiösen Wutbürger? Oder stehe ich auf der Seite Gottes, – also auch der Juden, die Gottes auserwähltes Volk sind, also auch auf der Seite der Kirche, die Gottes neues Volk ist? Stehe ich auf der Seite der Männer und Frauen, die sich aufmachen, den Herrn zu lieben. [1] Siehe dazu Petrus Chrysologus († 450): „Bereits nach dem Bild unseres Herrn wiedergeboren, von Gott als Kinder angenommen, lasst uns in voller Ähnlichkeit das volle Bild unseres Schöpfers tragen, nicht in der Erhabenheit, wie er sie allein besitzt, sondern in Unschuld, Arglosigkeit, Milde, Geduld, Demut, Barmherzigkeit, Eintracht, worin der Schöpfer uns dem Werden und dem Sein nach verbunden sein wollte.“ FÜRBITTEN Gerechtigkeit ist, wenn jeder Mensch das hat, was er zu einem menschenwürdigen Leben braucht. Gerecht ist für die Bibel das, was in Übereinstimmung mit Gott ist. Gottes Güte kann einen ärgern. Aber wenn Menschen, denen es schlecht geht, Gutes erwiesen wird, haben die, denen es gut geht, keinen Anlass, so zu tun, als geschähe ihnen dadurch ein Unrecht. Die, die schon lange fromm und gläubig sind, sind nicht besser als die, die erst spät und ganz neu zum Glauben kommen. Von Gott gilt beides: Er lässt sich finden, Er ist nah – und Seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken. Auch angesichts des drohenden Märtyrertodes bleibt Paulus innerlich ganz gelassen und handlungsfähig. Paulus lebt in dieser Welt. Zugleich freut er sich auf ein Leben bei Gott. Wir beten für die Regierung dieses Landes. Wir beten für die Wählerinnen und Wähler. Hilf, dass alle Christen mitbauen an einer menschenwürdigen Welt. Herr Jesus, gib unseren Toten nach allem Kampf die ewige Ruhe beim himmlischen Vater. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Marktheidenfeld St.-Laurentius und St.-Josf am 20. September 2026
Wir beten um eine gerechtere Welt.
Wir beten um eine gerechte Welt.
Vater im Himmel, lass uns erkennen, dass wir alle zuerst einmal Beschenkte sind!
Heiliger Geist, befreie die Kirche von spirituellen Privilegien!
Jesus, hilf uns auf dem Weg zu Deinem und unserem Vater!
Heiliger Geist, gib uns die heilige Freiheit!
Heiliger Geist, befreie uns vor der Angst vor dem Tod!
