Zweiter Sonntag der Osterzeit 2026
Zweiter Sonntag der Osterzeit 2026 Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Wenn ich etwas höre von einer verschlossenen Tür, werde ich wach. Verschlossen? Warum? Was ist dahinter? Da will ich rein! Von der Tür zum Weihnachtszimmer meiner Kindheit über die gut bewachte Tür vor dem Klub – die feinste Musik dringt bis zu mir auf die Straße, werde ich reinkommen? –, bis zum Himmelstor, das mir verschlossen bleiben wird, wenn es nichts als Gerechtigkeit gibt: Mir scheint beinahe, mein ganzes Leben habe sich vor verschlossenen Türen abgespielt, iIm Warten, Sehnen, Bangen. „Als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren…“ Ihnen ist klar: Diese Männer glauben nicht; sie glauben nicht an die Auferstehung, sie haben allenfalls davon gehört, weil die Frauen Unglaubliches berichtet haben. Diese Männer haben überdies Angst. Hier in Zimmern muss kein Christ Angst haben, dass er abgeführt wird, dort in Jerusalem sehr wohl. Diese Männer sind eher gelähmt als gespannt. Den Herrn hält das nicht ab. Ohne wahren Glauben, ängstlich, gelähmt: So waren die Jünger damals. Viel anders ist es heute bei den Katholiken auch nicht. Die glauben auch nicht wirklich an die Auferstehung und sie haben mindestens die Angst auszusterben. „Nach uns wird nichts mehr kommen“, denken die Alten, weil ihre Kinder nicht mehr in die Kirche gehen. Was denken die Ministranten davon? Wird es weitergehen? „Da kam Jesus.“ Der Auferstandene ist also da, mit einem Mal, trotz der verschlossenen Tür. Die ist wirklich das Letzte, das ihn aufhalten kann. Das hat seinen Grund. Jesus ist ja nicht einfach ein Toter, die plötzlich wieder lebt, so wie er vorher gelebt hat. Das Auferstehungsleben ist neu. Da gelten unsere Grenzen – Türen?! – gar nichts mehr. „Da kam Jesus.“ Ebenso unerwartet wird der Heilige Geist über diese Menschen kommen an Pfingsten (Apg 2,1ss.). Hier schon müsste Ihnen aufgehen, dass mit Ostern etwas ganz anders geworden ist. Vielleicht gelten Ihre Erfahrungen und Ihre Regeln ja gar nicht mehr? Welche Ihrer Regeln hat sich durch Ostern verändert? Diese Männer hinter ihren verschlossenen Türen sehen – und glauben: Sie erkennen Jesus. Sogar der „ungläubige Thomas“ endlich. Andere Männer, die auf dem Weg nach Emmaus, erkennen Jesus stundenlang nicht. Erst als er das Brot bricht, kapieren sie. Am See von Tiberias muss ein Mann dem anderen Mann erklären: „Es ist der Herr!“ Ohne die Hilfe des Apostels Johannes wäre Petrus vielleicht gar nicht darauf gekommen, nicht gleich, erst viel später. Und in all diesen Berichten spielt die Frage: Wie geht Auferstehung, was sagt die Wissenschaft dazu, nicht die geringste Rolle. So zu fragen, wurde erst sehr spät modern. Im 19. Jahrhundert oder so, bei Apothekern oder Lehrern. Und glauben Sie bloß nicht, vor denen habe es kein Interesse an Wissenschaft gegeben. Das „finstere Mittelalter“ ist eine Erfindung von Medizinalräten, die längst vergessen sind. Nur noch Journalistinnen und Leserbriefschreiber glauben ans „finstere Mittelalter“. Auch im Mittealter wurde gefragt, geforscht und gedacht. Oft sauberer als heute. In den Osterevangelien geht es nirgendwo um Beweise für die Auferstehung; die interessieren die Hl. Schrift nicht. Es geht immer um die Begegnung mit dem Auferstandenen. Frauen und Männer begegnen Jesus – und glauben. So viel ist neu nach Ostern. Vielleicht sollten Sie auch etwas neu machen, anders als bisher. Ich weiß, Sie geben sich Mühe, das Richtige zu tun, Ihre Pflicht zu erfüllen, andächtig zu beten, und alles das ist nicht schlecht. Ich bin überzeugt, die Kirche kann nicht sein ohne solche Disziplin. Aber gerade das Evangelium von heute sollte Sie ahnen lassen, dass es auch noch anderes gibt im Glauben, ganz anderes. Die verschlossene Tür, schon die. Wer ist drinnen, wer ist draußen? Die Apostel stehen vor einer verschlossenen Tür, Jesus aber auch. Jesus wird nicht erkannt, Jesus wird erkannt, Jesus ist da, Jesus ist nicht da: So geht das in den Tagen nach Ostern. Das heißt für Sie: Ihr unandächtiges, unbeholfenes Gebet bedeutet nicht, dass Gott nicht da ist. Der hl. Augustinus schreibt einmal: „Die Abwesenheit des Herrn ist keine Abwesenheit. Habe nur Glauben, dann ist er bei dir.“ Die Apostel hatten zunächst auch keinen Glauben, als Jesus mit ihnen sprach, und weil sie nicht glaubten, dass er auferstanden war, hatten sie auch keine Hoffnung, selbst auferstehen zu können. Wie Sie. Wir können nicht erfahren oder fühlen, was Gnade, Sünde und Erlösung sind. Das alles ist viel zu tief, als dass wir es einfach erfahren könnten. Das ist dem zukünftigen Leben vorbehalten. Also nicht nur: Das Richtige machen! Nicht nur: Ich mache alles falsch! Sondern: Abenteuer. Einfach mal sehen. Nicht zu viel wissen, nicht zu viel wollen, nicht nur denken. Die Jünger wussten und wollten gar nichts mehr außer vielleicht beisammen bleiben in Sicherheit. So wie die Katholiken heute. Sie meinten, die verschlossene Tür stehe fest, die sei doch eine Tatsache. Und dann? War Jesus da. Christsein heißt Gutes tun. Zum Beispiel von den Politikern und Politikerinnen Frieden fordern. Sie haben die doch gerade erst gewählt. – Sollten Christen nicht noch viel leidenschaftlicher Frieden fordern als billiges Benzin? Aber Sie können nicht den ganzes Tag Gutes tun, manchmal müssen Sie auch einfach dasitzen und die Augen offenhalten! Wach bleiben! Durchlässig! Manchmal heißt beten nichts anderes als Aufmerksamkeit. Dann öffnet sich eine Tür. Fürbitten „Sie lobten Gott und waren beim ganzen Volk beliebt“, heißt es von den ersten Christen. Wir beten für die Katholiken in Zimmern. Wir beten für die Eltern und Großeltern unserer Kommunionkinder. Weltweit lassen sich viele junge Leute taufen. An Ostern 2026 allein in Frankreich mehr als 21.000 Erwachsene! Wir beten für sie. Wir beten für alle, die nicht an Christus glauben. – Besonders für die in unseren Familien. Wir beten für die Regierenden, besonders für die in den USA. Wir beten zusammen mit dem Papst um Frieden. Wir beten für unsere Toten. Dass sie auferstehen wie Jesus auferstanden ist. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Zimmern am 12. April 2026
