Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Gründonnerstag 2026

02/04/2026 


Die Predigt zum Anhören

Gründonnerstag 2026
Predigt in Lengfurt am 02. April 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Wie kann es weitergehen mit unserer Kirche, und wie kann dieser Abend gelingen? Wenn die Frauen mächtiger werden und die Priester klüger und die Verwaltung einfacher, ist dann die Kirche gerettet? Kaum.

Ich bin überzeugt, das mit diesem Abend und der Kirche kann nur gelingen, wenn Sie realisieren, dass es hier um Sie und einen anderen geht, um eine Beziehung. Wenn Sie also aufhören, Jesus Christus als irgendeinen zu sehen, „der“. Wenn Christus stattdessen ein Du wird, dann gibt es eine Chance. „Du und ich“, so müssen Sie Jesus begegnen, gerade heute, gerade morgen, am Karfreitag. Wenn Sie neutral bleiben wollen, „objektiv“, wenn Sie sich heraushalten, können Sie jede Beziehung vergessen, auch die zwischen Ihnen und Ihrem Gott. Wenn Katholiken keine Beziehung mit Christus haben, können wir zumachen. Denn Fußwaschungen braucht kein Mensch und ein Stück Brot, das „der Leib Christi“ sein soll, braucht auch keiner. Das alles hat einen Wert nur dann, wenn Sie zu diesem Jesus wirklich Du sagen können und Er Sie hört. – Von jeher höre ich viel zu und kann Ihnen deshalb sagen: So wie ich den Glauben der Leute kenne, heute und zurück bis zu meinen Urgroßeltern, wäre das eine echte Revolution: Glaube nicht an etwas, sondern Glaube an jemanden.

Wann wird jemand, wann wird ein Gegenüber relevant? Wenn es um Macht geht. Am Gründonnerstag geht es um Macht. Macht bedeutet: das Leben eines anderen bestimmen können und sei es nur für einen Moment. Ein Mensch, der mir nichts geben und mir nichts nehmen kann, der keinerlei Einfluss hat auf mein Leben, bleibt machtlos. Der Arme wird erst interessant, wenn er mich braucht und ich ihm etwas geben kann.

Wir Menschen wollen Macht, wir fürchten die Macht, jeder hat mit Macht zu tun. Die meisten denken spontan, Macht sei ein Übel. Macht gleich Machtmissbrauch. Das ist Unsinn. Macht ist nicht böse, schon allein, weil Gott all-mächtig ist. Und Gott ist nicht böse. Aber natürlich kann Macht eine Versuchung werden. Werden! Eine Busfahrerin, die 30 Leute fährt, hat auch Macht und die Leute vertrauen ihr. Sie haben Macht, im Beruf, zuhause, am Steuer. Ihr Kind hat die Macht, Ihnen den Tag zu verderben oder Sie froh zu machen. Macht gibt es in jeder menschlichen Beziehung. Macht ist. Dann erst, in einem zweiten Schritt entscheidet sich, ob sie gut oder böse ist. Trump, Musk, Putin und Frau Wiedel haben Macht. Aber ist die Macht dieser Leute gut?

Heute Abend tritt Ihnen Jesus als eine Macht entgegen. „Ihr nennt mich Meister und Herr und … ich bin es.“ Aber die Macht Jesu ist so anders! Jesus ist der Herr, aber er dient. Sehr konkret, sehr handfest: Schmutzige Füße, ungepflegte Nägel, verlegene Männer. Er dient und gleichzeitig befiehlt er: „So müsst auch ihr tun!“ Jesus ist also Diener und Herr; beides nicht nur in Worten. Sehen Sie jetzt, wie Er sich von den Mächtigen dieser Tage unterscheidet? Verstehen Sie jetzt, dass auch Sie sich unterscheiden müssen von den anderen? Sie müssen dienen. Dienen ist etwas anderes als Helfen. Reiche Leute helfen, aber sie dienen nicht. Wir müssen dienen, aber voller Würde. Denn wir sind dabei Freunde des Herrn. Töchter und Söhne Gottes, die dienen.

Noch einmal übt Jesus Macht aus an diesem Abend. Er dient nicht nur, er verwandelt. Wozu das? Um sich hinzugeben. Ein Herr, der sich hingibt. In einem Maß, das jede Vorstellung übersteigt. Er macht sich zur Nahrung für uns. Seelennahrung. Ohne Christus stirbt Ihnen die Seele ab.

In dem Moment, wo Er die Worte spricht „Nehmt und esst…“, wird das Brot verwandelt. Aussehen und Geschmack bleiben, aber es ist kein Brot mehr. „Es ist der Herr!“ In diesem Moment werden die Regeln der Welt aufgehoben: Das ist Macht. Und wieder so anders als die Macht, die Sie da draußen erleben. Ein Stück Brot, ein Schluck Wein: nichts, was draußen für wichtig gehalten wird.

Brot und Wein werden verwandelt. Und dann stille Gegenwart, ohne jedes Auftrumpfen. Die einfachen Gesten des Essens und Trinkens tragen die Veränderung der Welt. So ist die Macht Gottes. Ein ganz neues Bild der Macht. Macht, den Einzelnen zu erhalten, Macht, Gemeinschaft zu stiften.

Für uns bedeutet das: Macht nur, wenn sie zum Glauben führt.

Glaube nur, wenn er zur Liebe führt.

Liebe nur, wenn sie zu einer neuen Ordnung führt. Deswegen ist der Streit um die rechte Ordnung so wichtig. Wenn wir sie verfehlen, kommt die Tyrannei.

Wie möchten Sie am liebsten Macht ausüben? Seit dem Gründonnerstag ist das für Christen eigentlich keine Frage mehr. Sich hingeben, das können Sie auch. Dienen, das können Sie auch. So übt Jesus Macht aus.

Sie können Herren sein, die dienen und so diese Welt verwandeln.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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