Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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6. Sonntag im Jahreskreis (A), 16. Februar 2020

16/02/2020 


Leben

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Je länger ich hinsehe, desto häufiger frage ich mich: Wollen die Menschen wirklich leben? Oder wollen die meisten einfach da sein, existieren, irgendwie bleiben? Will der, der sich jeden Abend zutrinkt, wirklich leben? Will die Frau, die darauf verzichtet hat, schön zu sein (und zwar einfach für sich selbst), will die noch leben?

Eine Gesellschaft oder Nation, die sich sehenden Auges der Lüge ergibt, die wider besseres Wissen die Schöpfung ruiniert, die wider alle Erfahrung Unrecht zementiert, hat die nicht heimlich Sehnsucht nach dem Untergang? Hat so eine Gesellschaft nicht ihr Ende akzeptiert?

Der wahnsinnige Raser, die junge Frau, die jedes Wochenende 72 Stunden lang irgendwelches Zeug einwirft, der Typ, die nur noch an seiner Karriere arbeitet, wollen die leben? Das alles sind Tätigkeiten, Zuckungen, Aufregungen; aber das ist nicht das Leben. Leben ist viel, viel mehr.

„Vor dem Menschen liegen Leben und Tod. Was immer ihm gefällt, wird ihm gegeben“, heißt es im Buch Jesus Sirach. Will ich leben? Oder will ich in Wahrheit bloß dämmern? Oder verschwinden? Will ich bloß Ruhe haben? Die Lesung aus dem Alten Testament stellt Ihnen genau diese Frage: Willst du leben? Diese Frage wird nur dem seltsam vorkommen, der nie sein Herz erforscht und nie über die nachdenkt, denen er begegnet. Es ist doch offenkundig, dass es Menschen gibt, die sich aufgeben. Wie es Dörfer gibt, die sich aufgeben. Und Kulturen, die sich untergehen wollen.

Ein Christ kann Dinge sein lassen, weil sie sich nicht lohnen, weil sie blöde sind oder schädlich oder böse. Aber er gibt nicht das Leben auf. Der Christ will leben. Immer mehr. Das ist die ganze Geschichte mit Gott.

Woher die Lust auf Leben? Wieso traue ich mich, in dieser kaputten Welt an mehr Leben zu denken? Weil ich den Jesus des Evangeliums erlebe. Dieser Mann ist lebendig! Nicht jene Art von Leben, die um Gesundheit, Ernährung, Vitalität, Achtsamkeit usw. kreist. Auch nicht jene Art von Leben, die aus der Wachheit des Verstandes kommt und der Leistungskraft. Das Leben, das an Jesus zu spüren ist, kommt von woanders her. Aus dem Größeren.

Vielleicht ist das der Punkt: Woher kommt mein Leben?

Zu dem Leben, das Christen wollen, gehören Entscheidungen, Gestaltung, ein Ziel, Unterschiede, Werte. Darum geht es in den drei Lesungen dieses Sonntags. Wie kommt der Mensch zu seiner Entscheidung? Woher weiß er, was gut und was böse ist? Er hat einen Verstand. Die Vernunft sagt ihm, was Leben fördert und was Leben zerstört. Man muss nicht x Bücher gelesen haben, um zu wissen, dass der Neid Leben zerstört. Weil aus ihm die Gier entsteht. Und aus der Gier der Zorn. Und der Zorn schlägt zu, zerstört: andere zuerst und dann den Zornigen selbst.

Gemeint ist nicht der Verstand der Technokraten, auch nicht der der Intriganten, sondern der Verstand, der über die Gebote Gottes nachdenkt und darüber klug wird, weise. Kluge Frauen und Männer, weise Menschen haben einen Blick über den Tag hinaus, über die eigenen vier Wände, über das eigene Land, diese Zeit hinaus. Wer wirklich leben will und deshalb auf Gott hört, erkennt, wie die Welt zusammenhängt und wohin sie geht.

„Wir verkünden euch nicht die Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden“, schreibt Paulus den Christen in der Hafenstadt Korinth, sondern die „verborgene Weisheit Gottes“. Wer nicht versucht, Gottes Willen zu erkennen, wird diese Weisheit nie erlangen.

Wie geht das, wann macht man das? Hier. Im Gebet. Im Hören. Im genauen Hinsehen. Im wahren Lieben. Es gibt so viele Wege, Gott kennenzulernen; beleidigt oder träge herumsitzen gehört nicht dazu.

Was bedeutet für mich Leben? Warum nicht die Pfarre nennen? Die Leute können diese Pfarre fremd finden, ärgerlich, uninteressant, aber sicher nicht leblos. Oder was bedeutet Leben? Ein Baby, das dich anlächelt, als Erstes in der Früh. Oder Stille. Auch Schmerz bedeutet für mich Leben. Und zu siegen. Leben ist Fülle, also Möglichkeiten, Wiederholung, Steigerung. Erkenntnis. Und Sehen. Dauer. So mache ich meine Lebensliste und denke: Ich hab’s verstanden… Und dann treffe ich den Jesus der Bergpredigt. Diesen Typen, der immer mehr fordert, Unmögliches, und ich erschrecke und frage mich: Warum tut er das? Warum sagt er solche Dinge? „Wenn eure Gerechtigkeit nicht noch viel größer ist als die der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen!“ Und mir geht auf: Was ich mir über das Leben ausdenke und was Sie sich über das Leben ausdenken, das sind nur erste Ahnungen. Das Leben ist nicht hier. Das Leben ist viel größer. Da kommt ein Typ, der übertreibt, alles aufreißt, damit es mehr wird.

Kevin Prince Boateng (das ist ein Fußballer) hat sich mal an einem Tag drei Autos gekauft: einen Lamborghini, einen Hummer und einen Cadillac. Boateng versucht: Leben durch noch mehr. Leben durch Überbietung. Funktioniert nicht. Nach vier Wochen ist das Auto fad. – Nicht Dinge, nicht Taten: Gott ist Überbietung.

Für solchen Gott braucht es Kraft. Das heilige Opfer „helfe uns, nach deinem Willen zu leben“, wird heute in der Messe gebetet. Wo also ist die Kraftquelle? Hier. In den Sakramenten. In der Kommunion begegnen Sie Christus. Brot des Lebens.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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