Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Nachrichten

Fest der Heiligen Familie, 29. Dezember 2019

29/12/2019 


„Er war ihnen gehorsam.“

[Evangelium vom Lesejahr C: Lk 2,41-52]

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Fest der Heiligen Familie. Von da nur ein gedankenloser Schritt und Pfarrer predigen über die Familie im Allgemeinen. Aber ist die Heilige Familie wie andere Familien? Sind Jesus, Maria und Joseph ein Modell für Ihre Familien? Dürfen katholische Priester überhaupt von Familie reden? Naja… Laien reden ja auch über den Zölibat, gern sogar. Natürlich dürfen Pfarrer über die Familie reden, sogar über Kindererziehung. Warum? Weil auch wir Priester mit diesen Kindern leben werden. Wir leben alle, Laien und Priester, Familien und Singles, Alte und Junge auf der einen Erde, in einem Land. Wir gehen einander an.

„Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam.“ Ich kann mich noch erinnern, dass es früher hieß: „Er war ihnen untertan.“ Gehorsam sein, untertan sein: ganz negativ! Geht gar nicht! Aber vielleicht können sich alle, die sich aufregen, wieder einkriegen und bedenken, was damit zuallererst gesagt ist, nämlich: Jesus war nicht der Star der Familie, auch nicht der Mittelpunkt. Er fügte sich ein. Das bedeutet „Er war ihnen gehorsam“. – Dass ein Kind lernt, sich in eine Gemeinschaft einzufügen: Was soll daran schlecht sein? Wir leben doch in Gemeinschaften! Wie sollen die zusammenhalten, wenn jeder sich für den Star hält?

Heute gibt zwei Parteien: Die eine findet es richtig, wenn Kinder andere ignorieren, Gespräche unterbrechen, sich immer durchsetzen, Ellenbogen gebrauchen, ihre Launen ausleben… „Eine Studie der Universität Bielefeld ergab vor Kurzem, dass jedem vierten Jungen Probleme anderer Menschen egal sind; es zeigten sich Tendenzen, andere Gruppen und vermeintlich Schwächere abzuwerten“ (Die Zeit, 27.12.19, S. 64). In der anderen Partei sind die Familien, in denen darauf geschaut wird, dass die Kinder freundlich sind, an anderen interessiert, hilfsbereit. Dass man es aushält, wenn einmal andere im Mittelpunkt stehen. Da gibt es Eltern, die ihren Freunden zuhören, die zu Besuch kommen. Den Freunden und einmal nicht den Kindern! Eltern, die nicht verlangen, dass die erwachsenen Freunde sich bei Tisch drei Stunden lang mit einem Achtjährigen unterhalten. Eltern, die ihr Erwachsenen-Leben leben mit ihren Kindern, aber nicht nur um ihre Kinder herum.

Jesus, Maria und Joseph. Drei, die sich nicht gesucht haben. Sie wurden zusammengetan, haben es angenommen, und es wurde gut. Drei Menschen, die Überraschungen erleben, Prüfungen, vielleicht Zweifel. Fragen auf jeden Fall. Die aber mit dem Gefühl leben dürfen, am richtigen Platz zu sein: Es ist gut (und nicht falsch), dass Joseph bei Maria und dem Kind ist; es ist gut, dass Maria dieses Kind hat und Joseph dazu.

Eine zusammengesetzte Familie. Vielleicht eine arme Familie. Eine Familie auf der Flucht wie so viele Familien heute. Eine belastete Familie, spätestens dann, als Jesus in Jerusalem verschwindet. Nehmen Sie noch die Familien dazu, die ein Kind verlieren, weil die Regierung alle Buben bis zwei Jahre umbringen lässt und Sie haben im Evangelium alle möglichen Erfahrungen, die eine Familie machen kann. Ganz gewiss kein Andachtsbildchen-Idyll, sondern Menschen, die in dieser Welt stehen, nicht in den Wolken.

Was unterscheidet sie vielleicht von uns? Alle drei haben eine Beziehung zu Gott. Und zwar eine gemeinsame, als Familie (Traditionen). Und eine ganz eigene: Josephs Beziehung zu Gott ist anders als die Marias. Und Jesus begegnet Gott noch einmal anders als seine Eltern. Diese Beziehungen sind nicht ein für alle Mal gleich. Sie wandeln sich, so wie sich das Leben wandelt. Jesus wird als Kind anders gebetet haben als später, Maria wächst von der jungen Frau zu der Mutter des Auferstandenen.

Was mir noch einleuchtet: Jeder dieser drei hat seinen Platz in der Welt. Vielleicht ist es so, dass, wer eine echte Beziehung zu Gott hat, seinen Platz findet, ohne sich krampfhaft, hektisch, ehrgeizig durchs Leben suchen zu müssen. Im Blick auf Gott werde ich klein. Denn Gott ist unendlich. Vor Gott werde ich aber auch groß. Denn ich bin sein geliebtes Kind. Klein und groß zugleich, eine gute Mischung! Vielleicht rührt die Ruhe dieser drei Menschen daher. Sie haben ein Platz, aber sie sind nicht gefangen in Tradition und Konvention. Sie leben im Austausch. Sie sind alle drei echt, wahr, frei.

Die heilige Familie: ein Mann, eine Frau, ein Kind, die sich alle nicht in den Mittelpunkt stellen müssen und dennoch groß sind. Schon das ein Rat für unsere Zeit! Hier könnten Eltern und Kinder lernen, dass unerfüllte Wünsche nicht immer ein Unglück sind. Wer Gott loben kann (und diese drei konnten es), der braucht nicht ständig Lob von Eltern, Verwandten, Lehrern und Vorgesetzten. Wo überall nur Lob ist, geht das Gefühl für die Maßstäbe verloren. Wer durch Gott groß ist, muss sich nicht überall durchsetzen. Man kann Süßigkeiten auch einmal teilen; man muss den anderen nicht immer schlecht machen, um selbst zu glänzen. Der Glanz dieser drei Menschen kommt von Gott und ganz bestimmt nicht von den Nachbarn.

Derzeit fragen alle: Welche Welt hinterlassen wir den Kindern? Ich frage heute: Welche Kinder hinterlassen wir der Welt? Wir erleben eine Spaltung der Gesellschaft, eine Unfähigkeit zum echten Gespräch, wir beobachten, wie alles Fremde als Gefahr verleumdet wird, wie Mitgefühl verachtet wird. Ich will daran mitarbeiten, zusammen mit Ihnen, dass wir der Welt Kinder hinterlassen, die daran etwas ändern können. Kinder, die verstehen: Es geht im Leben nicht nur um mich. Es geht nicht nur um mich… Das bedeutet auch etwas sehr Schönes. Nämlich: Ich bin nicht allein.

FÜRBITTEN

Wir beten…

für alle Familien, die sich trennen

Für Familien, die neu zusammenfinden

Für die Familien, die gerade fliehen müssen vor dem Krieg

Für die Familien, die ein Kind verloren haben

Für Eltern, die es kaum aushalten, ihre Kinder ziehen zu lassen in ihr eigenes Leben

Für die Familien, die eine Krise durchmachen

Wir beten für die in unserem Vikariat, die in Not sind.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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