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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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27. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr B), 7. Oktober 2018

07/10/2018 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Was ist das Erste? Was ist die Grundlage des Glaubens? Das Erste ist ein Mensch, der erzählt. Jesus erzählt, andere hören ihm zu. Sie glauben ihm und eines Tages glauben sie an ihn.

Das Erste ist also nicht das Dogma. Nicht der Satz, den der Papst definiert. Das Erste ist kein Gesetz und kein Katechismus, noch nicht einmal eine Regel. Das Erste ist eine Erzählung. Erzählungen aber bewegen.

Jesus erzählt, andere erzählen von ihm, und so kommt es bis auf uns. Sie lesen ihren Kindern nicht aus dem Katechismus vor; zuerst erzählen Sie ihnen von Gott. Das Dogma ist immer der letzte Schritt: Resultat, Zusammenfassung, Abgrenzung, Minimum. Der Glaube beginnt mit Christus; dann erst findet er seine Form in der Lehre der heiligen Kirche.

Ich weiß, Sie haben den Text des heutigen Evangeliums jetzt nicht vor Augen; vielleicht haben Sie auch nicht sehr aufmerksam zugehört. Aber ich kann Ihnen ja helfen… Zuallererst dies: „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen.“ Und dann: „Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.“ Sie kennen diese Worte, haben sie oft und oft gehört. Sie wissen, dass sie kapital sind für unsren Glauben und ewige Worte der Menschheit. Sie wissen auch: Das Wort über die Ehe sorgt für gewaltige Probleme; das über die Kinder allenfalls für Rührung.

Jesu Worte über die Ehe: Kann die Kirche hergehen und entscheiden: Was Jesus damals gesagt hat, ist überholt? Kann die Kirche sagen: Die Menschen von heute, ihre Ehen und Beziehungen interessieren uns nicht, sie sollen sich gefälligst nach der Bibel richten? Die Kirche steht zwischen ihrem heiligen Ursprung und heute. Ist sie Jesus treu, verliert sie viele Menschen; versucht sie, die modernen Menschen zu gewinnen, verliert sie das Wort Jesu. So ist das Leben manchmal: ausweglos.

Was das Wort über die Kindheit betrifft: Welcher Weinbauer in Mailberg, welcher Ordensritter nimmt sich ernstlich vor, wie ein Kind zu werden? Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Ich will heute aber versuchen, noch hinter diese Worte zu gehen. Ich will sehen, wie das Evangelium insgesamt funktioniert. Das Evangelium heute beginnt mit einer Frage. „Darf ein Mann seine Frau wegschicken?“ Fragen ist gut. Hier aber enthält die Frage eine Falle. Was eigentlich gut ist, wird plötzlich böse. Und schon haben wir zwei Ebenen. Frage und Falle, Gut und Böse.

Jesus antwortet mit einer Gegenfrage: „Was hat euch Mose geboten?“ Und wir sind auf einer dritten Ebene: im Gesetz. Bei der Regel. Die Jesus nicht einfach nimmt, wie sie dasteht: „Nur eures Starrsinns wegen…“ Die Regel ist also ein Kompromiss, ein Zugeständnis. Sie ist nicht das Ideal.

Sie spüren es: Das Evangelium stellt uns mitten in ein Gespräch, in ein Hin und Her, in eine Bewegung. Die Gedanken kommen ins Gleiten, wenn man Jesus zuhört.

Schließlich macht Jesus eine klare Ansage: „Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen.“ Dann geht er weg. Seine Worte liegen wie große Feldsteine in der Wiese.

Er geht weg, ohne alle Widersprüche aufzulösen, ohne alle Fragen für immer zu beantworten. Was wir tun sollen, wird nicht eindeutig klar. Deswegen ringt die Kirche bis heute um das richtige Verständnis.

Ist das nun ein Fehler Jesu? Ein Missgeschick? Ein Mangel? Oder hat er es genauso gewollt?

Die Menschen mögen keine Zweifel. Genau den aber hinterlässt Jesus. Hier und auch sonst. Die Jünger fragen sich bis zum Schluss: Ist er der Messias? Wird er ein Weltreich errichten? Ist er wirklich auferstanden? Jesus ist klar und doch nicht greifbar. Er gibt Regeln, die uns ins Wanken bringen. In Bewegung. Sind sie wörtlich gemeint? Oder nur symbolisch? Sind sie nur für eine Elite oder für alle? Gelten sie hier, in der Politik? Oder im Reich Gottes? Wie sollen wir das Evangelium leben?

Wer auch nur ein bisschen Erfahrung hat, weiß: So unerhört ist das gar nicht. So ist das Leben. Jesus nimmt uns nicht aus dem Leben heraus. Denken Sie nur an den Blick eines Menschen. Sie mögen im Blick des anderen Freude erkennen, Verzweiflung, Kälte, Zorn, Begierde. Aber immer bleibt etwas, das sich nicht benennen lässt. Eine Art Blick hinter den Blicken, ein eigenes Wissen. In den Augen der Kinder öfter als in den Augen der Erwachsenen. Manchmal, wenn jemand unfassbare Dummheiten daher plaudert, ist dieser Blick da, der zeigt, dass dieser Mensch viel mehr ist als die Banalitäten aus seinem Mund. Und in diesem Moment gerät etwas in Bewegung. Verstehen ist etwas anderes als fixieren wollen. Wer verstehen will und etwas schaffen will, der wird nicht nur gegebenen Gesetzen folgen.

Natürlich steht am Ende eine Regel, in diesem Evangelium sogar zwei (…), aber ist der Weg deswegen unwichtig? Wollen Sie besitzen, die Klarheit der Regel, ohne den Weg zu ihr gegangen zu sein? Setzen Sie auf Regeln und Dogmen? Auf nichts sonst? Das Leben wird Sie brechen. Sie werden entweder ein Diktator, der erzwingen will oder ein Verzweifelter, der aufgibt.

Jesus aber bricht Sie nicht.

Das Erste ist ein Mensch, der erzählt. Christus. Aus ihm kommt das Evangelium, daraus eine Gemeinschaft, die Kirche, in der Kirche Tradition und Autorität. Nicht nur die verfasste Autorität des Lehramtes, sondern auch die prophetische Autorität des Zeugen. Des Vaters, der seinem Kind von Gott erzählt. Gehen Sie diesen Weg nach. Er führt zum lebendigen Glauben.

FÜRBITTEN

Bis 28. Oktober beraten Bischöfe und Laien aus der ganzen Welt in Rom über den Glauben und die Berufung der Jugendlichen. Auch unser Weihbischof, Bischofsvikar und Ordensbruder Stephan Turnovszky ist dabei. Wir beten für die Jugendsynode und ganz besonders für ihn.

Wir beten um Treue zu Glauben. Um wachsendes Verständnis des Glaubens. Um kluge und treue Theologen. Um gewissenhafte und beseelte Prediger. Wir beten für alle, die in einer christlichen Ehe leben. Wir beten auch für alle anderen Paare, die zusammenleben: dass sie in der Liebe wachsen und eines Tages die Kraft der Gnade entdecken in den Sakramenten. Wir beten für die Kinder. Besonders für die verlassenen Kinder. Für die, die in Gefahr sind. Um mächtigen Schutz für die Seele der Kinder und für ihren Körper. Wir beten um den Geist des Kindseins in den erwachsenen Frauen und Männern. Wir beten für den Malteser-Ritter-Orden. Für unsere Kranken. Für unsere Toten.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

Johannesgasse 2 - 1010 Wien - Österreich | Telefon: +43 1 512 72 44 | E-Mail: smom@malteser.at