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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Dienstag der 27. Woche im Jahreskreis, 9. Oktober 2018 (8.10.)

09/10/2018 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Berühmtes Wort: „Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt.“

Das Wort Jesu inspiriert das Messbuch der Beuroner Benediktiner zu folgender Fürbitte: „Bewahre uns davor, in der Arbeit und Sorge des Alltags dich zu vergessen.“

„Klingt gut“, denkt man gleich. Dann aber geht einem auf: So hätten es diese Seelsorger gerne: die Butter und das Geld für die Butter. Arbeit und Alltag wie gehabt und darin auch ein bisschen Gott.

Bei Jesus, Martha und Maria ist nichts von einem Sowohl-als-auch. „Nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt.“ Aus Unlösbarem macht die amtliche Kirche ein Programm für ein etwas korrekteres Leben. Ich kann verstehen, dass sich Leute lieber in Sex, Drogen, Rock n roll, in Shoppen, Reisen und Beruf stürzen als in dieser faden Ausgewogenheit zu enden. Leben wie gehabt, aber auch ein bisschen Himmel. Die Anerkennung der Leute (also das, was Maria, die da sitzen bleibt, während andere schuften, gerade nicht hat!), aber auch das Wohlwollen Jesu. „Nicht zu viel!“, das große Motto des Katholizismus. Glattheit, wo in Wahrheit keine Glattheit ist. Was Jesus da sagt, funktioniert allenfalls im Leben des Einzelnen und auch nur in gewissen Momenten. Als Regel für alle ist es unbrauchbar. Jesus stellt einen Anspruch, der sich nicht leben lässt. Der nur stört. Vielleicht ist er genau deswegen da.

Wir haben heute also das Evangelium: unantastbar, göttlich, herrlich und anmaßend. Wir haben, was die Theologen daraus machen: ein biederes Pfarrhaus. Und wir haben, was Paulus vom Leben erzählt. Sein Leben, das ist ein Früher und ein Jetzt. Da gibt es Maßlosigkeit, Zerstörung („wie maßlos ich verfolgte und zu vernichten suchte“). Da gibt es Ehrgeiz, Konkurrenz, Überzeugungen, Ideen.

Aber Gott. „Als aber Gott mir offenbarte“, da gibt es mit einem Mal Güte. Erkenntnis, Leben mit anderen. Und große Unabhängigkeit. Einst war Paulus abhängig von einer Idee. Von einer Religion. Von dem, was vergangen ist: den Überlieferungen seiner Väter.

„Aber Gott“ – und Paulus ist frei. Frei von sich, frei von der Vergangenheit und frei von den anderen. Er wird nach Jerusalem gehen, an den Ort der Autorität, dorthin, wo Petrus ist. Er wird gehen, aber nicht gleich. Er achtet die Zeugen, die anderen, die Christus erkannt haben, aber er braucht sie nicht. „Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen.“ Paulus bestimmt das Wann und das Wie. Er ist ruhig, gelassen, souverän. Was die anderen denken, ist nur bedingt wichtig. Er kann einsam sein und kann mit anderen sein, Verantwortung tragen und Verantwortung abgeben. Ein Mann ohne Bedenken. „Als aber Gott mir seinen Sohn offenbarte, da zog ich keinen Menschen zu Rate… ich zog nach Arabien.“ Also in die Wüste. „Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Petrus kennenzulernen.“ Spüren Sie, wie dieser Mann auf sein Leben blickt? Vielleicht ist es ihm egal. Nicht das Leben selbst, aber das Urteil über das Leben. Vielleicht müssen wir unser Leben gar nicht beurteilen, sondern es nur leben…

Nicht jeder muss ein Leben führen wie Paulus, darauf will ich nicht hinaus. Paulus ist Paulus und Sie sind Sie. Aber Sie sollen wissen, dass Ihr Leben das Leben des Paulus berührt. Sie gehen einander an. Sie bekennen im Credo: „Ich glaube die Gemeinschaft der Heiligen.“ Genau das ist damit gemeint: Unsere Leben berühren einander. Ihr Leben berührt meines, meines Ihres, das Leben, das Paulus geführt hat, berührt unseres. Und es geht noch weiter. Weiter als eine bloße Berührung.

Alles kulminiert im Austausch von Leben. Die Kommunion ist ein Austausch von Leben. Das Ende des Irrelevanten. Ende der Trennung. Ende der Atomisierung der Welt in viele Einzelne.

Das Evangelium, die Briefe des Apostels: Die Schrift liegt vor uns allen. Die eine Schrift für so viele. Mit einer Botschaft für jeden einzelnen. Das Passwort lautet: „Ich glaube.“ – Glaube aber bedeutet: Gott und Ich und die anderen. Gott ist nicht ein anderer für Paulus und ein anderer für mich und ein anderer für Sie. Der Gott des Ehemannes ist nicht ein anderer als der Gott der Ehefrau. Der Gott der Toten ist kein anderer als der Gott der Lebenden (s. a. Kommunion).

Gott, „Quell aller Heiligkeit“. So heißt es im Hochgebet. Die Gemeinschaft der Heiligen kommt von Gott her. Wir lesen das Leben des Paulus nicht wie einen Roman. Das Leben Marthas, das Leben Marias sind nicht einfach moralische Exempel. Das Leben all dieser Menschen berührt uns im Inneren.

Diese Erkenntnis gibt eine eigenartige Ruhe. Eine Geborgenheit, die frei macht. Und ernst. Sie gibt den Sinn dafür, dass das Leben wichtig ist. Auch das Leben, das in den Augen der Leute ohne Bedeutung ist oder sogar gescheitert. Mit so viel Leben um mich herum, in dieser Wolke aus heiligem Leben kann ich versuchen, jeden Tag mein Leben so vollständig wie möglich zu machen. Immer weniger Blödsinn. Ein Leben reduziert auf das Leben. „Und sie lobten Gott um meinetwillen.“ So endet Paulus seinen Brief. Ach, wenn Sie Gott loben könnten um meinetwillen und ich Gott loben könnte um Ihretwillen!

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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