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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Fest der hl. Therese von Lisieux, 1. Oktober 2018

01/10/2018 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

 

Zweifel. Angebote und Möglichkeiten. Entscheidungen. Verzichte. Idole. Begierden. Blicke und Töne. Erinnerungen. Räume. Riegel. So viele Menschen. Diese riesige Welt.

Die Welt ist so groß. Sie kann uns zermalmen, wenn sie will. Die Welt wird schwer.

01. Oktober: Fest der hl. Therese von Lisieux. Eine Nonne. Im Karmel (strengstes, engstes aller Klöster) – In Frankreich. – Im 19. Jahrhundert: eine Welt der Wachsamkeit und der Kontrolle. Die nichts helfen. Aus dieser kontrollierten Welt wird der Erste Weltkrieg herausbrechen.

Lisieux, Frankreich, 19. Jahrhundert: eine Welt mit einem Sinn für Feinheiten, – Kleinigkeiten würden die Bornierten sagen –, wie wir ihn gar nicht mehr kennen. Gesten und Zeichen legen sich wie Spitze über das Leben. Überfein und dicht. Eine Welt unendlicher Aufmerksamkeit – und großer Blindheit. Man ist in ihr gehalten. Und verstrickt. Eine Welt, die immerzu an Größe denkt. Frankreich, die Kirche, der Mensch, die Wissenschaft: alles groß, alles ultimativ. Sie wollen das Große, sie planen es. Aber sie können es nicht sehen. Eine Welt, in der viel geleistet wird, Wunder an Disziplin und Arbeit. Doch diese Welt fliegt nicht. Ihre neu gebauten Kirchen hebt nichts mehr in die Höhe.

„Einem Adler gleich breitete er seine Flügel aus, er nahm sie auf und trug sie. Der Herr allein hat sie geleitet.“ Mit diesem Vers aus dem Buch Deuteronomium leitet die Kirche das Fest der hl. Therese ein. Sie starb mit 23 Jahren: 1897. Nach acht Jahren im Karmel. Ziehen Sie acht ab von 23… und Sie sehen ein fünfzehnjähriges Mädchen. Das buchstäblich bis zum Thron des Papstes zieht, um so jung ins Kloster zu dürfen. Wenn Sie ein wenig weiterschauen, sehen Sie Siebzehnjährige, die in den Krieg wollen.

Die Welt wirbelt. Reißt uns von unseren Plätzen. Die Kirche ist übervoll mit Wörtern, Reden, Ratschlägen, Analysen. Die Kirche wird immer schwerer. Das ist so, wo die Gnade fehlt. Da ist Sog nach unten, Versteinerung, langsame Vereisung von den äußeren Gliedern her, hin, immer näher zum Verstand und zum Herzen.

„Einem Adler gleich breitete er seine Flügel aus… Der Herr allein hat sie geleitet.“ Atem. Leicht. Uns geht auf: ER war immer da.

Gott hat uns genommen und gegeben. Gott hat geleitet und in die Irre geführt. Hat erdrückt, erhoben, uns Menschen geschickt und Schnupfen, uns Besitz genommen und Besitz gegeben. Er hat uns Menschen genommen, und wir wurden frei. Er war immer da.

Gott ist nicht das Passwort, das jede App öffnet. Gott ist nicht die schlaue Erklärung, die die Gläubigen aus der Tasche ziehen. Gott ist ungreifbar, nicht hier und nicht da, und doch kann man von ihm erzählen. Aber muss man Erzählungen glauben? Nein, man muss nicht. Man kann. Mehr ist die Kirche nicht. Eine Erzählung, die man glauben kann. Für ein sicheres, allzeit bergendes Gefühl ist Gott zu fliehend; für sichere Erkenntnis ist er zu groß, rätselhaft. Er ist da.

Wir haben alles zur Verfügung. Herrschaftswissen, Kontrollwissen, Neugierwissen. Dort aber, im verqueren, engen Leben einer kleinen Nonne des 19. Jahrhunderts, von der niemand Notiz nimmt, ist nur noch eines: „Der Herr allein hat sie geleitet.“ Das reicht für jeden Tag. „Und ihr werdet aufblühen wie frisches Gras. Und fliegen auf Adlerflügeln.“

„Nein, ich habe nie Außergewöhnliches [außergewöhnliche Gnaden] begehrt… Ich habe nichts anderes als Blumen zu streuen. Das heißt, keinen Blick, kein Wort mir entgehen zu lassen, auch die kleinsten Taten zu beachten und sie aus Liebe zu vollbringen… Ich sehe nur ein halbverschleiertes Licht. Es strömt aus den gesenkten Augen des Herrn“ (Thérèse Martin).

So kann man nach dieser Stunde wieder hinein in die Welt.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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