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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Malteserorden

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9. Sonntag im Jahreskreis (B), 3. Juni 2018 Risse und Glanz

03/06/2018 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Es gibt einen Trend in der Kirche, der mir gewaltig auf die Nerven geht. Aber  meine Nerven sind nicht der Punkt. Entscheidend ist, dass der Trend nicht von der Hl. Schrift herkommt. Deswegen ist er schädlich.

Es geht nicht um rechts und links, konservativ oder progressiv. Das ist sowieso überholt. Es geht um gute Laune, Fröhlichkeit, Leute, die viel lächeln. Eigentlich immer. Sie sind sehr überzeugt! Zweifeln nie. Es gibt Konflikte, natürlich, – aber sie werden nicht mehr Konflikt genannt. Niemals die Dinge beim Namen nennen! Die neue Demut ist heiter-seufzend; nie zerknirscht, beschämt oder gar verzweifelt. Krisen? Sind entweder überwunden oder zu überwinden. Man kann eine Krise nicht einfach so stehen lassen (wie es das Leben ja manchmal tut). Alle wollen immer gut dastehen. Hier treffen sich sehr willenstarke Frauen (man erkennt sie daran, dass sie sehr sanft sprechen) mit Pfarrern, die allen „Du“ sagen – aber dabei so autoritär sind wie Pius XI. Schuld, Leiden, das Leiden Christi, Angst, Erfolglosigkeit… kommt alles nicht vor. Alle Probleme lassen sich lösen, wenn man nur will. „Denk positiv!“ für Christen. „Der Kult des Optimierens und effizienten Lebens hat unser Bewusstsein heute vollständig im Griff.“ (R. D. Precht, SZ, 010618).

Das alles findet sich nicht in den Evangelien und nicht bei Paulus. Es findet sich bei den evangelikalen Christen, in den amerikanischen Massengottesdiensten mit ihrem Dauerüberschwang der Gefühle. Alle sind begeistert! Wie armselig dagegen eine stille katholische Hl. Messe ist! Der neue Trend sickert jetzt ein in unsere Kirche; die Berührungsängste werden weniger. Diese anderen Christen sind doch so erfolgreich und so fröhlich. Das kann nichts Schlechtes sein.

War Paulus fröhlich? Immer? Und Jesus, wie war er? (s. Evangelium „voll Zorn und Trauer“). Und das Leben, wie ist es wirklich? So nicht. So hätten wir es gerne – freundlich, konfliktfrei, frisch gewaschen, aber so ist das Leben nicht. Das Leben ist eine ziemlich schmutzige Angelegenheit. Oft auf der nackten Erde. Ich wünsche mir einen Glauben, der mit dem echten Leben zu tun hat. Mit dem Leben, auf das die Ritter bei ihrem Dienst treffen.

Die Heilige Schrift zeigt die Menschen, wie sie wirklich sind. Ein ganz realistisches Buch. Sie haben eben gehört, wie Paulus das Leben und die Menschen beschreibt: Wir sind „irdene Gefäße“. Töpfe aus Ton. Nicht besonders schön. Billig. Zerbrechlich. Wir werden vom Leben „in die Enge getrieben“; wir werden „gehetzt“; wir sehen oft keinen Ausweg mehr.

„Irdenes Gefäß“, – würden Sie sich so beschreiben? Nicht mit falscher Demut, sondern mit tiefer Überzeugung, wie sie aus der Erfahrung kommt? Ich fürchte, was Paulus da schreibt, kommt im modernen Glauben nicht vor. Hasst er die Menschen? Verachtet Paulus uns? Ist er ein Pessimist? Doch wohl nicht. Paulus sieht das Leben, wie es ist und Paulus glaubt. Er sieht „irdenes Gefäß“ und „Glanz“. Zwei Wirklichkeiten. Die verbindet er. Das finde ich so toll am Christentum: eine Wirklichkeit mehr!

Paulus ist voller Hoffnung. Er hofft nicht darauf, dass es schon werden wird. Ganz sicher hofft er nicht auf seine Fähigkeit, alles hinzukriegen. Paulus hofft auf Christus. Er sieht Glanz und Licht: „göttlichen Glanz auf dem Antlitz Christi.“ Das ist ganz sicher nichts, was wir irgendwie machen könnten. Wir Menschen sind zuerst Leid-Tragende. Frauen und Männer, die Leid tragen. Dann Zuschauer, dann Jünger, dann Erlöste. Dann Glanz.

Wer glaubt wie Paulus glaubt, spürt eine Kraft, ein „Übermaß der Kraft“ sogar, – und weiß klar, fast schmerzlich klar: Die Kraft kommt von Gott. Wir erfahren, wie es ist, bedrängt zu sein, in echten Schwierigkeiten. „Immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib“, – aber eben auch das Leben Jesu! Dunkle Momente und sehr helle Momente, die aber nicht aus unserem Optimismus kommen.

In der heutigen Lesung wird das Menschenbild der Bibel klar: ein Übermaß an Kraft – und Risse. Die Kraft Gottes bringt unsere Gebäude zum Einsturz. Vielleicht waren es eh nur schäbige Hütten… Der Heilige Geist baut neu. Wir sind Finsternis, so viele Finsternisse… Wir kapieren nichts, wir können richtig böse sein, wir scheitern (Kindererziehung, Pfarre). Aber „aus Finsternis soll Licht aufleuchten“. Gott macht das.

Nicht die Risse sind das Schlimme, sondern der Unglaube. Was hilft? Zuerst die Erkenntnis: Christen sind keine Selbst-Optimierer und keine Gute-Laune-Abziehbilder. Dann: Zur Kenntnis nehmen, was die Bibel sagt und überlegen: Will ich der Schrift treu sein oder dem Zeitgeist? Gefällt mir das Menschenbild der Bibel? „Er trinkt aus dem Bach am Weg, so kann er von Neuem das Haupt erheben“, hieß es im Antwortgesang: Demut und Kraft. Der Mensch der Bibel.

Was hilft noch? Nachdenken hilft, Treue hilft, Trotz hilft manchmal auch. Die wahre Kirche hilft. Was ist die wahre Kirche? Die Sakramente. Das sind die Orte, an denen Christus zu treffen ist. Da kann man hören, was er sagt, Ihm wirklich begegnen. Wo man Christus begegnet, erkennt man: Meine Risse stören ihn nicht (die Ehebrecherin, die Frau am Brunnen, der reiche junge Mann, Petrus). Er sieht sie einfach an. Manche lässt er, manche heilt er. Aber er lässt mich sicher nicht wie ich bin. Die Begegnung mit ihm führt immer zu einer Veränderung. Der Glaube ist keine statische gute Laune, sondern Bewegung. Wohin geht die Bewegung? Nicht hierhin und dorthin. Sie hat ein einziges Ziel: Dass das Leben Jesu an uns offenbar wird. Glanz und Licht.

FÜRBITTEN

Der Sonntag ist ein Tag der Freiheit für alle, denn er erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei. Der Sonntag ist ein Tag der Ruhe, denn er erinnert an die Große Ruhe Gottes.

Wir beten um den wahren Sonntag für das ganze Land. – Kyrie eleison

Jesus hat sich über heilige Regeln hinweggesetzt. Jesus, lehre uns zu unterscheiden zwischen unserem eigenen Willen und dem Willen Gottes. – Kyrie eleison

Wenn wir Finsternis sind, mach uns hell. Wenn wir irdenes Geschirr sind, mach uns kostbar. – Kyrie eleison

Mit dem Papst beten wir in diesem Monat, dass die Würde des Menschen in den sozialen Netzwerken respektiert wird. – Kyrie eleison

Der Juni ist der Verehrung des Herzens Jesu geweiht. Herr, bilde unsere Herzen nach deinem Herzen. – Kyrie eleison

Wir beten für unsere Kranken (besonders für Freifrau Magdalena von Holzhausen). – Kyrie eleison.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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