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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Malteserorden

Nachrichten

Dienstag der 9. Woche im Jahreskreis, 5. Juni 2018 (gehalten am 4. Juni)

05/06/2018 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Hier geht ’s richtig rund. Der Tag Gottes. An jenem Tag wird sich „der Himmel in Feuer auflösen“. Klingt aufregend. Regt aber niemanden auf. Sehr viele Menschen können sich über die Berufung in die Nationalmannschaft gewaltig aufregen, aber nur sehr wenige Menschen werden von solchen Bibel-Gedanken bewegt. Warum? Weil Fußball einfach lustiger ist? Oder ernster? Weil die Leute Angst haben vor dem Ende des Lebens? Sind die Christen die Spaßverderber der Nation? Wer hat Angst und vor was? Wann kann ich abwinken, wann sollte ich mich einem Thema stellen? Allerhand Fragen…

Der „Tag Gottes“, was ist das? Das Ende der Welt. Oder der eigene Tod. Der Tod ist der Tag Gottes im Kleinen, das Ende der Welt ist der Tag Gottes im Großen.

Petrus schreibt den Christen: „Ihr müsst den Tag Gottes erwarten und seine Ankunft beschleunigen.“ Zu der Frage, wie wir Christen die Ankunft des Tages Gottes beschleunigen können, später. Hier die Feststellung: Das alles ist uns doch sehr fremd geworden. Wir treffen in der Lesung aus dem Petrusbrief auf ein Lebensmodell, das sich von unserem total unterscheidet.Wir möchten das Leben verlängern. Sie wissen, wie viele Diskussionen um Lebensverlängerung geführt werden, in jedem Spital, jeden Tag. Sie wissen, dass große Zampanos der amerikanischen Industrie derzeit viel Geld in Forschungen investieren, die es sich zum Ziel setzen, den Tod ganz abzuschaffen. Ewiges Leben, hier, auf dieser Erde. Wollen wir Christen das?

Die ersten Christen hatten offenbar ein entspanntes Verhältnis zum Leben hier. Sie hingen nicht sehr an dieser Welt. Ihnen ging es mehr darum, richtig zu leben, „ohne Makel und Fehler“, wie Petrus schreibt. Sie gestalteten ihren Charakter und nicht die Welt. Wir heute gestalten eher die Welt als unseren Charakter. Wer nimmt sich ernstlich vor, „ohne Makel und Fehler und in Frieden“ zu leben? Wer würde seine Kinder auf dieses Ziel hin erziehen? Kurz, die Prioritäten haben sich verschoben. Was Petrus sagt, ist erledigt, weil es so total gegen den Geist unserer Zeit ist. Auch weil es einfach nicht funktioniert hat, das Beschleunigen des Weltendes… Ist also irgendwas von dieser Lesung zu retten?

Mir scheint, andere Lebensentwürfe anzusehen, ist immer eine Chance. Einen anderen fragen: Wie lebst du? Was ist für dich wichtig? kann man ja mal machen! Vielleicht entdeckt man etwas gutes Neues. Hier handelt es sich überdies um den Lebensentwurf unserer Ursprünge. Vom Leben (!) und Denken dieser Frauen und Männer kommen wir her. Die ersten Christen sind für uns nicht irrelevant. Deswegen bekennen wir die apostolische Kirche.

Auch klingt, was Petrus schreibt, nicht verächtlich. Es ist beunruhigend, wenn man sich darauf einlässt, aber nicht bitter. Auch nicht fanatisch. Das ist nicht die Weltverachtung islamistischer Gotteskrieger. Menschenverachtung auch nicht. Petrus klingt ernst, ja, aber auch irgendwie entspannt, froh. Und aktiv, verantwortlich, selbstbewusst.

Christen haben eine besondere, eigene Haltung zum Leben. Sie wissen oder vorsichtiger: sind überzeugt: Es gibt mehr Leben als dieses hier. Es gibt noch ein Leben. Sie sagen sogar: Jenes andere Leben ist wichtiger. Warum? Einmal, weil es, salopp gesagt, länger dauert. Eine Ewigkeit lang nämlich (…) Ein bestechend einfacher Gedankengang (es gibt keine Ewigkeit? Ah ja? Beweisen Sie ’s!).

Christen sagen auch: Jenes andere Leben ist wichtiger, weil es richtiger ist. Es ist richtiger und schöner, bei Gott zu sein als hier. Das mag Ihnen unbehaglich sein, aber wollten Sie wirklich widersprechen?

Aus diesem Glauben heraus können die ersten Christen Distanz halten. Modern gesagt: cool bleiben. Sie müssen sich nicht mitreißen lassen, weder von Panik noch von Lebensgier. Sie hängen auch nicht fatalistisch-orientalisch in den vielerlei Opiumhöhlen dieser Welt. „Wachset in der Gnade und Erkenntnis“, schreibt Petrus ihnen. Und dass sie „acht geben“ sollen, sich bemühen, erwarten, beschleunigen. M. a. W., sie sollen aktiv sein und verantwortungsvoll mit dem Leben umgehen. Und gelassen und hoffnungsvoll mit dem Tod. Christen leben anders und sterben anders.

Noch ein Wort der Erklärung zu zwei Stellen im Text, die heute verstörend sind. Wie kommt Petrus auf die Idee, wir sollten die Ankunft des Tages Gottes „beschleunigen“? Und was meint er, wenn er schreibt, die „Geduld unseres Herrn“ sei unsere Rettung? Nun, Sie wissen, dass die ersten Christen die Wiederkunft Christi bald erwarteten, noch zu ihren Lebzeiten. Sie wurden enttäuscht. Bis heute lebt die Kirche mit dieser Enttäuschung… Petrus erklärt sich das Zögern Gottes so: Gott wartet, um uns Menschen eine Chance zu geben. Käme er jetzt, wären die meisten verloren. Wer könnte vor Gott bestehen? So aber lässt uns Gott Zeit, gute Menschen zu werden.

Kurz gesagt: Die ersten Christen haben Sehnsucht nach Gott. Um Gottes selbst willen und weil mit Christus eine Welt kommt, in der „die Gerechtigkeit“ wohnt, ein „neuer Himmel und eine neue Erde“. Einleuchtend, oder? Oder wünschen Sie sich eine ungerechte Welt? Eine alte Welt? Wünschen Sie sich, dass Gott Ihnen fern bleibt?

Am Ende des Lebens nicht bloß zu resignieren, sondern helle Sehnsucht nach Christus zu haben, das scheint mir eine sehr schöne, ur-christliche Perspektive zu sein.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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