Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Malteser Wertheim: 20-jähriges Hospiz-Jubiläum 2026

14/10/2026 


Die Predigt zum Anhören

Malteser Wertheim: 20-jähriges Hospiz-Jubiläum
Predigt in Wertheim St.-Venantius am 14. Oktober 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Das Briefing für mich lautete: „Der Auftaktgottesdienst steht im Zeichen der Dankbarkeit, Wertschätzung und Freude …“ Leuchtet ein. Klingt gut.

Aber ich bin nicht dazu da, etwas zu bestätigen. Die Kirche als stabilisierende Kraft, das ist eine Idee von Politikerinnern und Heimatpflegern. Ich kann das Evangelium beim besten Willen nicht stabilisierend finden.

„Dankbarkeit, Wertschätzung und Freude…“ – Dankbarkeit ist mehr als Zufriedenheit und viel mehr als Selbstzufriedenheit. / Wertschätzung ist harte Arbeit, – wenn man jemanden so gar nicht leiden kann. / Und Freude ist viel mehr als Vergnügen oder Rührung. Die echte, wahre Freude ist eine Gabe des Heiligen Geistes. Ein innerer, starker Friede, den keiner selbst produzieren kann.

Natürlich ist Dankbarkeit keine Sünde, Stolz auf 20 Jahre gute Arbeit auch nicht. Aber besonders zukunftsorientiert sind Dankbarkeit und berechtigter Stolz nicht. Wenn Malteser nur noch zurückschauen würden, nur noch stolz wären auf das Geleistete, dann wären sie genauso sinnlos wie eine Kirche, in der nur noch Konzerte stattfinden. Wirklich interessant werden Malteser erst, wenn sie die Gegenwart verändern. Indem sie Einsame aufnehmen, Trauernden Lebensmut machen, Arme verteidigen. Wirklich wertzuschätzend werden Malteser erst dann, wenn sie die Zukunft gestalten.

Ich bin Jubiläen gegenüber grundsätzlich skeptisch. „40 Jahre Priesterweihe“ finde ich einfach nur spießig. Jubiläen sind nüchtern betrachtet sehr brave Versuche, eine Art Ordnung in die wirre Zeit zu bringen. Das aber ist letztlich genauso sinnlos wie die Einteilung in Minuten, Stunden, Jahre. Die Zeit entgleitet uns immer, sofort.

Ich mache den Mund noch nicht zu und meine Rede ist schon fort, schon Vergangenheit. Ihre Erinnerung daran wird aufhören, früher oder später. Weg.

In Gott ist keine Zeit. Gott ist immer Jetzt. Wir Menschen können gar nicht anders als zu denken: Das Universum wurde vor 13 Milliarden Jahren erschaffen. Bei Gott aber wird die Welt in diesem Augenblick erschaffen. Jetzt. Das meint Ewigkeit. Von diesem großen Jetzt muss doch auch etwas in uns sein. Weil wir von Gott kommen.

Wir haben keinen Zugriff auf die Vergangenheit, können nichts davon ändern. Wir haben keinen Zugriff auf die Zukunft, denn wir kennen sie nicht. Keiner hier weiß mit Sicherheit, wo er morgen früh sein wird.

Bleibt also das Jetzt. In unserem Fall das Malteser-Jetzt.

Sehen Sie, meine Familie stammt mütterlicherseits vom Haidhof droben über Eichel. Das Haus steht noch. Aber was hilft es, wenn ich sinnend vor dem schönen alten Gebäude stehe? Die da einst gelebt haben, sprechen nicht mehr mit mir. Namen, Wehmut, Stolz, Erinnerungen: alles Archäologie. Rührend, aber letztlich unfruchtbarer Zierrat.

Worauf ich hinaus will, Sie ahnen es: Dass Sie seit 20 Jahren wirken, ist nicht das Wichtigste. Was wir jetzt tun, ist viel wichtiger. Deswegen finde ich für meinen Teil jeden Gottesdienst eine Zumutung, einen Kampf, denn ich weiß: Jetzt gilt es, es gibt keine zweite Chance. Wenn Sie mit einer Kranken sprechen, gilt es in diesem Moment, nicht irgendwann. Sie haben vielleicht keine zweite Chance für das richtige Wort. Wir stehen in jedem Augenblick vor Gott und vor dem Menschen, der jetzt ist.

Nicht was Sie getan haben, ist wichtig, sondern was Sie jetzt tun. Und was Sie tun werden. In Wahrheit dient diese Feier der Zukunft. Und die traue ich Ihnen zu!

Sie sind ja wahrlich keine Gurkentruppe, nach der kein Hahn krähen würde. Ich bin immer wieder beeindruckt von dem, was Sie tun. Und davon, wie Sie Krisen angehen.

Der Malteser-Ritter-Orden ist so alt, über 900 Jahre. Aber die Kommode Ihrer Großmutter ist auch alt und schön. Alter und Schönheit reichen nicht. Wenn in Notre-Dame von Paris kein Gottesdienst mehr gefeiert werden würde, könnte man sie auch sprengen. Wirklich relevant sind der Malteser-Ritterorden und der Hospizdienst nur durch ihre Gegenwart und ihre Zukunft. Alles andere sind ungreifbare Erinnerungen.

Sie müssen also das Ziel klar vor Augen kriegen. Damit Sie nicht Gefahr laufen, nur irgendwas Nettes zu tun. Es geht um das Gute und das Wahre. Um die Veränderung der Welt.

Müssen wir aufbrechen zu neuen Ufern? Das ist die immer wieder zu stellende Frage. Sonst geht es uns wie dem österreichischen Malteser-Aidsdienst: Er hat sich erledigt, weil die Aidskranken heute ausbleiben. Also müssen wir fragen: Wer sind heute „unsere Herren Kranken“? Augen auf also! Denn nicht alle Armen dieser Zeit werden in der Hospitalstraße läuten. Die jungen Menschen hinter ihren Smartphones werden nicht kommen und Sie um Hilfe bitten. Aber sie werden einsam sein, desinformiert, viel zu früh mit Pornographie geflutet, in Beziehungen, die immer komplizierter werden. Ahnen wir Ältere überhaupt, wie belastend es sein muss, sich rund um die Uhr mit anderen im Netz zu messen? Man hat junge Leute gefragt: Ginge es nicht auch ohne Social Media? – Antwort: „Wäre schön. Aber weiß dann überhaupt noch jemand, dass wir existieren?“ Das ist erschütternd.

„Hilfe für die Armen, Verteidigung des Glaubens“, so der Wahlspruch des Malteser-Ordens. „Dem Nächsten will ich in Liebe begegnen, besonders den Armen und unseren Herren Kranken.“ Das Gebet der Ritter. Da ist das Ziel doch gut und klar formuliert. Nun geht es nur noch darum, hier in Franken die Armen und Kranken des 21. Jahrhunderts ausfindig zu machen.

Es geht darum zu sehen. Und darum, zu verstehen, woher die Kraft zu alldem kommt. Guter Wille, Verstand, Können, Organisation: alles gut und schön. Aber Sie müssen schon erlauben, dass ich hier in einem Gottesdienst an die Gnade erinnere. An das oft vergessene Wirken Gottes in unserer Gemeinschaft.

Am Letzten Tag oder wie immer Sie jene Stunde der Wahrheit nennen wollen, wird es nicht zählen, ob der Hospitaldienst 20 Jahre lang bestanden hat. Gott ist kein Historiker. Zählen wird, was Sie im Hospitaldienst getan haben. Was die vor Ihnen getan haben. Und was Sie nicht getan haben.

SEGEN

„Gnade sei mit euch und Friede!“

Der Heilige Geist gebe Euch für Euren Dienst an den Armen und Kranken:
Weisheit,
Einsicht,
Rat,
Erkenntnis,
Stärke,
Frömmigkeit
und Gottesfurcht.

Auf die Fürsprache der lieben Muttergottes,
des hl. Johannes des Täufers, des seligen Gerhard und des hl. Venantius
segne Euch dazu
heute und immerdar
der eine Gott in drei Personen, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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