28. Sonntag im Jahreskreis 2026
28. Sonntag im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A, Is 25,6-10; Mt 22,1-14) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes „An jenem Tag!“ An jenem Tag wird es anders. Es wird sich ändern. Es wird gut. Und nach dem ersten Schrecken und der ersten Empörung kapierst du: Es gibt Hoffnung. „Er wird wiederkommen in Herrlichkeit.“ Das ist meine Hoffnung. Die mich wirklich trägt durch diese Zeit. Für Sie es ist vielleicht nur Gerede. Wir sind in Tagen, wir fast alle wohl (die Kinder hoffentlich nicht), in Tagen, wo die Bilder und Meldungen sich immer dichter um uns legen; wir sind gefesselt von dunklen Stricken. Keine Lösung in Sicht. Die, die etwas ändern könnten, tun nichts oder setzen immer noch einen Blödsinn drauf. Da haben wir Christen das Glück, diesen Sonntag den Propheten Isaias zu hören. (Was hören eigentlich die anderen?). Die erste Lesung dieses Sonntags beginnt mit den Worten: „An jenem Tag…“ – „An jenem Tag wird der Herr der Heerscharen auf diesem Berg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben.“ Im Evangelium ist dann noch einmal die Rede von einem Festmahl. Dieses Festmahl wird stattfinden, komme, was wolle. Ein König richtet zur Hochzeit seines Sohnes ein großes Fest aus, erzählt Jesus denen, die ihm zuhören (haben Sie Jesus schon einmal zugehört?). Was so schön, so harmlos, so froh beginnt, kippt schnell in nackte Gewalt. Die geladenen Gäste wollen nicht. „Sie aber kümmerten sich nicht darum“. Der eine geht zum Training, der andere ins Büro, die dritte trifft sich mit der Kindergartenmütter-Prosecco-Gruppe. „Wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig.“ So geht es weiter und will gar nicht aufhören. Selbst als das Fest endlich losgehen kann, ist es immer noch nicht gut. Der König entdeckt einen Gast, der in Shorts, Poloshirt und falschen Birkenstock daherkommt, irgendein Stadtrat oder so; hatte halt keine Lust, sich schön anzuziehen. Da befahl der König seinen Dienern: „Werft ihn hinaus! In die äußerste Finsternis!“ Krasser Typ, dieser König. – Wirklich? Ich würde sagen: Er will ein Fest, das schön ist, und dazu gehört das Hochzeitsgewand. Wer sich nicht die Mühe macht, fliegt raus. Jetzt kann das Fest endlich beginnen. – „Das wird ein Fest sein“, sagte mir eine alte Dame im Seniorenheim, als wir auf ihren Tod zu sprechen kamen und auf den Himmel. „Das wird ein Fest sein“, an jenem Tag, wo die anderen rumheulen. Die Botschaft des Evangeliums – dieses Evangeliums, denn es gibt auch andere Evangelien, mildere – die Botschaft des Evangeliums ist mehr als klar: Das Fest wird gefeiert. Mit dir oder ohne dich. Und wenn es Gewalt braucht. So weit so gut. Aber dann stellt sich ja gleich die Frage: Wie mit einem so sperrigen Text umgehen? Wie ihn ins Leben bringen, in Ihr Montags- und Dienstagsleben? Man sagt mir immer wieder: „Man muss die Menschen halt nehmen wie sie sind.“ D’accord. Texte aber auch! Ich habe die Leute so satt, die ihre Agenda betreiben und dafür das Evangelium nach Ihrer Lust und Laune drehen. Mich schreckt ein solches Evangelium – und dabei belasse ich es. Ich drehe nicht daran. Ich höre, bedenke und bitte. „Mein Jesus, Barmherzigkeit!“ Das ist kein Theologen-Problem. Bei der Annäherung an das Evangelium, geht es um etwas ganz Alltägliches: Zuhören (oder lesen), verstehen und dann erst reden. Nicht: Was hätte ich gerne? Sondern: Was steht da wirklich? Ich halte nichts davon, gar nichts, so lange am Evangelium herumzudoktern, bis es einem gefällt und man sich bequem in den Sessel zurücklehnen kann und alles beim Alten bleibt. Zuhören. Es gibt eine uralte Übung, die beweist, dass ich wirklich zugehört habe. Die geht so: Ich höre, was der andere sagt – und gebe es in meinen eigenen Worten wieder. „Habe ich Sie richtig verstanden?“ Und dann erst kommt meine Antwort. Wer zuhört, muss also warten können. Es gibt eine Grundhaltung des Zuhörens, für die man nicht gläubig sein muss, sondern einfach ein korrekter Mensch. Diese Grundhaltung geht so: Ich höre dich. Ich diene dir. Jetzt sprichst du, für die nächsten 10 Minuten bist du der Herr. Ich diene dir, hörend. Es geht jetzt nicht um mich, sondern um dich. Zu dieser Grundhaltung können Sie noch geben: eine Prise Ehrlichkeit. Was ist so schwer daran zu sagen: Ich habe darauf auch keine Antwort. / Ich kenne mich damit nicht aus. / Vielleicht irre ich mich. Auch ein Löffelchen Höflichkeit ist nie verkehrt. „Darf ich, bitte, etwas kritisieren?“ Kritik nicht bloß als ein Grundrecht oder Grundbedürfnis, das jetzt raus muss. Kritik verbunden mit der Bitte. …So gerüstet, könnten Sie sich mit dem Evangelium verabreden. Mit diesem unerträglichen Evangelium. So wie Sie manchmal schwierige Menschen treffen müssen und dann realisieren: Schau an, der hat mir ja wirklich etwas zu sagen. Jesus zeigt Gott als einen, der immer wieder einlädt, immer wieder. Also auch immer wieder unsere Entscheidung fordert. Komme ich? Komme ich nicht? Jesus weiß, dass die Einladung Gottes nicht gehört wird. Aber Gott rudert nicht zurück; Gott lässt diese Welt, die wir schon längst abgeschrieben haben, nicht fallen. – Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich ist die Frage dieses Sonntags: Will ich mich auf diesen Gott einlassen? Was will Er? „Die Fülle der Zeiten heraufführen in Christus und alles, was im Himmel und auf Erden ist, in Christus vereinen“ (Eph 1). An jenem Tag. FÜRBITTEN „An jenem Tag…“ „Jesus Christus wird wiederkommen in Herrlichkeit.“ „Das wird ein Fest sein!“ Gott wird die Seinen nicht im Stich lassen – auch in dem, was alltäglich zum Leben nötig ist. Der Kampf ist längst entschieden, der Sieger ist Christus. Aber wir sehen das nicht. Wir beten für die Regierung dieses Landes. Herr Jesus, gib unseren Toten nach allem Kampf die ewige Ruhe beim himmlischen Vater. Schluss: „An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf ihn haben wir gehofft, dass er uns rettet. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Lengfurt am 10. Oktober 2026
Das ist, wie wenn du dasitzt, den Kopf hängen lässt, versunken, verstrickt in Deine düstersten Gedanken, und da kommt einer, packt dich am Schopf, reißt deinen Kopf zurück in die Höhe und brüllt Dich an: „Schau hinauf! Schau endlich nach vorne. Denn an jenem Tag…!“
Heiliger Geist, erhalte und vermehre in uns die Hoffnung!
Gib uns Freude an diesem Glaubenssatz.
Nimm uns die Angst vor der Zukunft und die Angst vor dem Tod.
Vater, unser tägliches Brot gib uns heute. Und morgen wieder.
Herr, gib uns den Glauben!
Das ist der HERR, auf ihn haben wir gehofft.
Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat“ (Is 25).
