26. Sonntag im Jahreskreis 2026
26. Sonntag im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A, Mt 21,28-32) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes „Öha! Ich will nicht!?“ – Wenn ich meinem Vater ins Gesicht gesagt hätte „ich will nicht!“, hätte es eine Ohrfeige gesetzt. Das war damals so. „Kinder widersprechen den Eltern nicht!“ Aber das ist ja Altertumskunde… Jesus, der das Gleichnis erzählt, scheint mit Widerspruch kein Problem zu haben. Er tadelt die Worte des ersten Sohnes nicht. Sowieso geht es Jesus eher um das Tun als um das Reden. „Wer von beiden hat den Willen des Vaters getan?“ Jesus anerkennt aber auch, dass es einen Konflikt gibt. Im Evangelium geht es heute um einen Machtkampf. – In der Kirche von heute geht es natürlich auch um Machtkämpfe, aber das sagt man nicht. Ein Priester kann nicht sagen, dass er Lust auf Sex hat, eine Ordensfrau kann nicht sagen, dass sie als Priesterin an die Macht will, ein Domkapitular kann nicht sagen, dass er Erzbischof werden will. Ich weiß nicht, ob diese Verdrucktheit die Kirche weiterbringt… Machtkampf also. Der Vater mit den Söhnen, Jesus mit den Ältesten, die Huren mit den anständigen Leuten. Immer geht es um die Frage: Wer setzt sich durch? Wer handelt? Wer glaubt wirklich? Was ist richtig? Was ist wahr? Der Hintergrund all dessen ist die Überzeugung, dass es Gut und Böse gibt, richtig und falsch und dass wir Verantwortung für unser Leben haben. Also auch für unseren Glauben. Das mit dem Glauben wiederum ist, wenn wir das Evangelium richtig verstehen, eine riskante Sache. Die Hohepriester und Ältesten sind sich sicher, dass sie richtig liegen. In Wahrheit aber liegen die Ganoven richtig und die Huren („Zöllner“ und „Dirnen“). Die Sache kann also gründlich schief gehen. – Bin ich der letzte, der fühlt, dass im Glauben wirklich etwas auf dem Spiel steht? Es ist ganz natürlich, dass in Machtkämpfen das Nein eine große Rolle spielt. Heute sagen viele gerne Nein. Nein zum Kanzler, nein zum Klimawandel, nein zu Ostdeutschland, nein zu Putin, ja zu Trump oder umgekehrt. Die Leute wollen „authentisch“ sein, sich „nicht verbiegen“, sich nichts vorschreiben lassen. Also schreien sie „nein!“. Wenn das Nein aber die Grundhaltung einer Gesellschaft geworden ist, wird es schwierig. Was „Authentizität“ betrifft – „ich muss zu mir selber stehen!“ –, bin ich mehr als skeptisch (s. Gleis). Mir persönlich ist Höflichkeit lieber. Einfach mal den Mund halten, das finde ich für das Zusammenleben gar nicht so schlecht. Man muss halt wissen, wann das geht und wann es nicht geht. Denn manchmal muss man reden, manchmal muss man nein sagen. Und manchmal muss man die Klappe halten. Es braucht also kluge Maßstäbe. Man muss sein eigenes Nein auch revidieren können. Zum Nein muss die Einsicht kommen. Beweglichkeit. Manchmal ist Beweglichkeit einfach charakterlos, manchmal aber ist sie gescheit, klug, richtig. Das Handeln muss natürlich auch dazukommen. Nein sagen und nichts tun, macht eine Beziehung genauso kaputt wie ein Land. Also: Die Erziehung zum Nein ist ebenso wichtig wie die Erziehung zum Ja. Das betrifft das ganze Land, denn ein Volk lebt und stirbt aus den Fehlern seiner Menschen. Oder aus deren Umkehr. Beide, Nein und Ja, spielen auch im Glauben eine Rolle. Bei der Taufe und in jeder Osternacht geht es darum. Nein zum Bösen, Ja zum Glauben. „Ich widersage!“ – „Ich glaube!“ Daran können Sie sehen: Was unter uns Menschen gilt, das gilt auch zwischen Mensch und Gott. Das ist ein Grundgesetz, das Sie sich merken müssen! Die Beziehung mit Gott geht nicht viel anders als die Beziehung mit Ihrem Partner (den Sie hoffentlich lieben). Also sind auch Auseinandersetzungen mit Gott erlaubt. Das sage ich Ihnen, obwohl ich überzeugt bin, dass die hl. Teresia von Avila schon Recht hatte, wenn Sie von Gott sprach als „Seine Majestät“. Der Sinn für die Majestät Gottes schließt nicht aus, dass man mit Gott streitet. Warum? Weil Gott die Wahrheit ist. Also Wahrheit, nicht Gerede. Mich treiben Menschen schier zur Verzweiflung, denen etwas wirklich am Herzen liegt, die es aber Gott nicht sagen. Eine Frau sucht dringend Hilfe bei der Arbeit in der Kirche. Dringend. „Haben Sie schon einmal darum gebetet?“ Großes Erstaunen. Eine Frau leidet sehr unter ihrem Mann. „Haben Sie schon einmal für ihn gebetet?“ Großes Erstaunen: „Man kann für den eigenen Mann beten??“ Ja, kann man. Die meisten Menschen machen mit Gott nur höflich-fromme Konversation, sagen ihm aber nicht die Wahrheit. Was soll das mit Gott-Vertrauen zu tun haben? Wie soll so etwas vorangehen? Reden Sie mit Gott: wahr, aufrichtig, kühn. Nein. Ja. – Vielleicht erinnern Sie sich an den Urlaub. Vielleicht saßen Sie da und haben lange übers weite Land geschaut oder übers Meer, hin auf den Horizont. So ähnlich ist es, wenn man zu Gott betet. Und kurioserweise entsteht genau so eine große Nähe zu den Menschen. Im stillen Alleinsein vor Gott geht Ihnen auf, was uns alle verbindet. Vielleicht sind es die Beter, die das Land zusammenhalten… Sie und Gott. Eine Geschichte, ein Dialog, mit Nein und mit Ja. Eine Sprache, wie man sie führt, wenn man mit einem Freund alleine ist, am Abend, nach einem guten Essen. Man sitzt noch bei Tisch und spricht anders, tiefer und intimer als in der Früh im Coffeeshop. Für das Leben wie es ist braucht es diese mutige, wahre Rede mit Gott. Es braucht Mut für die Stunden, wo man rufen möchte: „Gott im Himmel, ich verstehe dich nicht mehr! Aber ich will doch an dich glauben. Du führst mich doch durch die Nacht zum Ziel.“ FÜRBITTEN An diesem Sonntag beten wir hier in Steinfeld für den Weg des Papstes durch unser Nachbarland Frankreich. Heute ist auch der Festtag des hl. Vinzenz von Paul. Er lebte im 17. Jahrhundert und tat unendlich viel für die Armen und für eine gute Ausbildung kluger und frommer Priester. Heute ist der Welttag der Migranten und Flüchtlinge. Die Christen sind beinahe die letzten, die an Migranten noch etwas Gutes finden, alle andere wollen sie nur loshaben. Die Katastrophe eines Volkes wird von den Einzelnen verursacht und durchlebt. „Ich will nicht!“, sagt der Sohn zum Vater. „Die Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ Unsere Lebenswege sind nicht ein für alle Mal festgelegt, sondern täglich neu zu entscheiden. „Jesus war wie Gott, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein.“ Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Steinfeld am 27. September 2026
Heiliger Vinzenz, bitte für uns! (Lektor*in – alle)
Wir beten um heilige Priester – Heiliger Vinzenz, bitte für uns!
Wir beten um Liebe zu den Armen – Heiliger Vinzenz, bitte für uns!
Beten wir bitte für alle, die ihre Heimat verlassen müssen – ein Schicksal, das auch uns drohen kann, wie das letzte Jahrhundert gezeigt hat.
Heiliger Geist, lass uns einsehen, dass wir Verantwortung tragen für unser Dorf wie für unser Land.
Heiliger Geist, bleibe bei uns, auch wenn wir nein sagen.
Jesus, mache die frommen Leute demütig und dankbar.
Heiliger Geist, führe uns sanft und stark.
Irgend etwas wollen wir Immer festhalten, unsere Gesundheit, unsere Zeit, den Ort, an dem wir leben, bestimmte Menschen…
Jesus ließ alles los.
Nur loslassen ermöglicht Gott zu wirken.
Jesus, hilf uns loszulassen, eins um andere.
