Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz 2026
Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz 2026 Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes In Lepanto weiß kein Mensch, wo Erlenbach liegt. Und hier in Erlenbach? Weiß hier jemand, wo Lepanto liegt? Gute Frage am Rosenkranzfest. Das Erlenbacher Rosenkranzfest geht nämlich zurück auf die Seeschlacht von Lepanto. – Lepanto liegt in Griechenland, am Golf von Korinth. Heute heißt es Nafpáktos. Und schon hat sich der Besuch der Sonntagsmesse gelohnt. Am 7. Oktober 1571 besiegten die Kriegsschiffe der Katholiken die Übermacht der türkischen Flotte. Das westliche Mittelmeer war befreit vom aggressiven Islam. Zur Erinnerung stiftete der Papst den Gedenktag „Unserer Lieben Frau vom Sieg“, bald umbenannt in „Fest Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz“. Die Päpste sahen eine Ursache des Sieges im Rosenkranzgebet der Katholiken. Gott hatte, so der Gedanke, die Bitten der Katholiken erhört und ihnen den Sieg über die Türken geschenkt. Schon das ganze Alte Testament ist durchzogen von der Idee, Gott schenke den Seinen den Sieg. Vorausgesetzt, sie bitten und flehen und halten sich an die Abmachungen, die Gebote. Eine Niederlage bedeutet im Gegenzug Strafe für die Sünden. So das uralte Denken. So gesehen, wäre der Rosenkranz ein Bittgebet. Nichts gegen Bittgebete, schließlich lehrt uns Jesus selbst ein Gebet, das aus sieben Bitten besteht: das Vaterunser. Trotzdem habe ich ein Problem mit Bittgebeten. Wenn Christen nur darum beten, dass ihre Bitten erhört werden, ist was faul. „Das tun auch die Heiden“, würde der Herr sagen. Gott nichts als ein Bitten-Erfüller? Ich wollte keine Beziehung haben, wo der andere immer nur etwas von mir will. Zu einer echten, guten Beziehung gehört doch auch das Lob. Einfach Freude aneinander. Das stille Zusammensein. Ich bin sicher: Christentum, christliches Gebet ist mehr als etwas wollen (und grantig werden, wenn man es nicht kriegt). Leute, die aufhören, an Gott zu glauben, weil er ihren Goldhamster nicht gerettet hat, sind geistig nicht auf der Höhe. Eigentlich lästern sie Gott. Sie erpressen ihn. „Wenn du nicht…“ Noch mehr geht mir nur das derzeit in Kirchenkreisen sehr beliebte Prinzip „Gott stellt keine Bedingungen“ auf die Nerven. Die Leute wollen etwas von Gott, aber Gott darf nichts von ihnen wollen. Machen Sie sich mal die Mühe und schauen die Stellen der Evangelien genauer an, an denen Jesus vom Gebet spricht. Sie werden merken: Die Erhörung des Gebets ist an Bedingungen geknüpft. Und sei es nur die, dass nur ein gutes Gebet erhört werden kann. Wenn Sie Gott bitten: Strafe meinen treulosen Ehemann und schicke ihm die Blattern an den Hals, – wie soll der gute Gott das erhören? Christen können nur um Gutes beten. Um die Vernichtung der Feinde beten, das tun die Heiden. Heute wünschen sich viele einen, der alles toll findet, was sie machen. Der keine Bedingungen stellt, nie. Aäre das wirklich Liebe? Dauernde, bedingungslose Liebe geht gar nicht, und in Wirklichkeit will sie auch keiner. Sie lieben Ihre Kinder nicht lebenslang, bedingungslos. Es gibt geduldige Liebe, großzügige Liebe, treue Liebe, enttäuschte Liebe, aber keine bedingungslose Liebe. Gäbe es sie, würden Sie einen, der so liebt, gar nicht ernstnehmen. Wenn Sie sich aufführen wie Seifenschaum im Aug, jahrelang, ohne jede Reue, und ihr Mann würde sie dennoch lieben, klaglos lächelnd – Sie würden sich denken: Du Schwachdepp und ihn sitzen lassen. Ich jedenfalls will keinen Gott und keinen Partner, der mir alles durchgehen lässt. Ich freue mich an einem Gegenüber, das mich kennt, mich ernstnimmt und mich besser macht als ich bin. Ein Gott, der alles toll findet, was ich mache und mir jede, auch die dümmste oder gemeinste Bitte erfüllt, ist ein Popanz (s. a. Vater). Ursprünglich war der Rosenkranz nicht als Bittgebet gedacht, sondern als betrachtendes Gebet. Der Rosenkranz war zuerst ein meditatives Gebet. Das dazu dient, Jesus und seine Mutter kennenzulernen. Indem man über ihr Leben nachdenkt. Konkret bedeutet das: Die zehn Ave-Maria sind ein Zeitmaß. Ob Sie nun neun oder elf beten, ist unwichtig. Sie sollen zehn „Gegrüßet seist du, Maria“ lang über das jeweilige „Geheimnis“ nachsinnen, also z. B. „den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast“. Nachdenken über den Weg der jungen Frau, über die Begegnung der beiden Schwangeren, Elisabeth und Maria usw. Sich das alles vorstellen – und dann verstehen. Die Wiederholung des immer Gleichen hilft Ihnen, ruhig zu werden: Verweilen bei Gott. Andacht ist etwas anderes als Konzentration. Wenn Sie sich auf jedes einzelne Wort konzentrieren wollen, einen ganzen Rosenkranz lang, bekommen Sie Migräne, sonst nichts. Andacht heißt ernst beten, tief, liebevoll. Liebe statt Gehirnakrobatik. Tief können Sie auch beten, wenn Sie fix & foxy sind, konzentriert nicht. Eigentlich hat der Rosenkranz zwei Teile: Betrachtung und Bitte. Zuerst sind Sie einfach in der Nähe Gottes, in der Heilsgeschichte. Dann sagen Sie Gott, was Sie auf den Herzen haben: „Mutter Gottes, bitte für uns…“ Wer den Rosenkranz betet, mag um alles bitten, was ihm am Herzen liegt. Aber die Klarheit darüber, was wirklich wichtig ist, diese Klarheit stellt sich ein, wenn Sie bei Jesus verweilen, zusammen mit Maria. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Erlenbach am 13. September 2026
