Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Fest Mariä Geburt 2026

08/09/2026 


Die Predigt zum Anhören

Fest Mariä Geburt
Predigt in Esselbach am 08. September 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Frau Heidi Reichinnek, ist die ein Zellhaufen? Sie kennen Heidi: tätowiert wie ein Seebär, Frisur wie Prinz Eisenherz (hat man jetzt in Berlin) und eine Klappe wie Kasperle auf Burg Himmelhoch (Eisenherz und Kasperle, das sind Figuren in den Büchern meiner Kinderzeit). – Wo waren wir? Ah, ja Zellhaufen. Frau Heidi hat gesagt, das Kind im Bauch der Mutter sei nur ein Zellhaufen. Abtreibung also kein Problem. Ab wann ist der Zellhaufen dann ein Mensch, frage ich mich? Wann geschieht die Verwandlung vom Haufen zum Menschen? Noch vor der Geburt? Bei der Geburt? Nach der Geburt? Erst, wenn die Vernunft einsetzt? Dann wären Kinder mit zwei noch Zellhaufen und erst Kinder mit acht echte Menschen? Ist Frau Reichinnek ein Zellhaufen oder ein Mensch oder beides? Fragen über Fragen! Die Antwort hängt wohl davon ab, wie man es sieht.

Damit sind wir beim heutigen Fest, Mariä Geburt. Da haben wir einerseits ein Baby, das vor über 2000 Jahren geboren wurde. Im Orient. Sehr weit weg von uns hier. Die Geburt eines Judenkindes vor langer, langer Zeit kann uns doch völlig gleichgültig sein.

Da ist aber auch noch der Platz dieses kleinen Mädchens in der Geschichte, Marias Platz in der Geschichte der Erlösung. Es gibt also zwei Blicke auf Maria.

Die Welt hat ihre Geschichte und Gott hat seine Geschichte.

Wir stehen, was Maria angeht, zwischen völlig belanglos und weltentscheidend, zwischen Zellhaufen und Gottesmutter sozusagen. Wie wir hier Maria sehen, ist klar. Dass andere sie anders sehen, ist aber auch klar. Es entscheidet sich also alles am Glauben. Es entscheidet sich nicht nur an dem, was ist, sondern auch an dem, was geglaubt wird. Ihr Glaube entscheidet, wie Sie die Welt sehen. Lassen Sie das zu? Glauben Sie?

Die Welt hat ihren Blick, und der Glaube hat seinen Blick. Der Glaube sieht Maria anders als die Welt sie sieht. Mehr und mehr bin ich überzeugt: Der beständige, hartnäckige, immer wieder geübte Wechsel vom Blick der Welt zum Blick des Glaubens, das ist der entscheidende Punkt. Jedenfalls geht es mir so. Ich glaube ja nicht durchgehend von früh bis spät, sondern ich muss immer wieder neu in die Welt des Glaubens, in die Welt Gottes einsteigen. Jedes Gebet ist für mich zuerst einmal Ausstieg und Abschied von der Welt und Einstieg in Gott.

Dabei hilft mir z. B. Maria. Ich brauche Hilfe, denn der Weg von der Welt zum Reich Gottes geht sich schwer. Aufzubrechen, aus mir heraus, von mir fort, von der Welt fort, hin zu Gott, den ich nicht kenne, das ist – auch –  eine Mühe.

Erlösung. Davon ist in der Kirche viel die Rede. „Erlösung“ – ein Wort, eine fromme, seltsame Idee zuerst. Aber dann fällt der Blick auf Maria… In Maria wird der Anfang der Erlösung sichtbar (s. Statue – Gips oder Bild?).

Wann immer ein Christ auf einen anderen Menschen schaut, sieht er mehr als das, was ihm vor Augen steht. Der Blick des Glaubens sieht im anderen die Geschichte der Erlösung. Wir Christen sehen mehr. Wir schauen Maria an und sehen das Wirken Gottes „für uns Menschen und um unseres Heiles willen“. Dieses Wirken Gottes wird konkret. Zuerst in einer Frau.

Auch wenn die Ereignisse für uns undurchschaubar bleiben und ambivalent, bekennen wir doch: „Das Wort ist Fleisch geworden.“ M. a. W. Gott ist eingetreten in diese Welt, ausgehend von der immerwährenden Jungfrau Maria. Die Menschwerdung Gottes beginnt bei Maria und erfasst von da aus die gesamte Schöpfung, alle Menschen, alle Natur, alle Geschichte.

Innerhalb einer Woche feiert die Kirche gleich drei Marienfeste: Mariä Geburt, Mariä Namen und Mariä Schmerz. Sie kommen aus dem Bedürfnis, die Geschichte der Erlösung in immer neuen Aspekten zu betrachten. Es geht dabei aber doch immer um das eine: Gott wird geboren von einer Frau, – das Heil beginnt.

Diese Frau hat einen Geburtstag wie wir, einen Namen wie wir, sie kennt den Schmerz, den jeder Mensch kennt, der im Leben vorangeht. Aber bereits in der Geburt Marias wirkt Gott, noch bevor sie selbst entscheidet und tut. Es ist nicht das Verdienst Marias, dass sie die Mutter des Erlösers wird, sondern es ist Gottes Entscheidung. Maria wird geboren und geformt für Gott. Für den Erlöser. Jesus ist der Lebenszweck Marias. Sie wird, schreibt der hl. Andreas von Kreta, „das Heiligtum für den Schöpfer des Alls“.

Ein Mensch wird Heiligtum für den Schöpfer des Weltalls. Wie verändert das unseren Blick auf den Menschen! Sogar auf Frau Reichinnek.

Also, sehen Sie gläubig. Das macht den Unterschied. Sehen Sie Maria gläubig, sehen Sie den anderen gläubig, ihren Mann z. B. Sehen Sie sich selbst gläubig.

Wer glaubt und dieses Fest wirklich feiert, der tut es, weil er sich freut, dass Gott handelt.

Wer dieses Fest feiert, blickt nicht stumpf und hoffnungslos auf diese Welt, sondern gläubig ergo hoffnungsvoll.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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