Hochfest der Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel – Mariä Himmelfahrt 2026
Hochfest der Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel – Mariä Himmelfahrt 2026 Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele. Um den Leib geht heute ein Riesenstreit. Sie werden sagen: „Ja, in Berlin…!“ Aber was in Berlin geschrien wird, ist bald auch hier im Grund zu hören; was Ihre Kinder anziehen, wurde nicht in Bischbrunn erfunden, sondern in Los Angeles. Der Streit um den Leib geht erbittert. Er geht so weit, dass sie behaupten, auch ein Mann könne schwanger sein und Kinder zur Welt bringen. Ein Mann schwanger, hä? Jetzt erfuhr ich: Es geht dabei um den Trans-Mann. Ein Trans-Mann ist ein Mensch, der mal mit Gebärmutter auf die Welt kam. Also nach altmodischen Begriffen: eine Frau. Irgendwann hat dieser Mensch erkannt: Ich bin ja gar keine Frau, ich bin ein Mann. Und so entsteht ein Mann, der schwanger werden kann. Das können die anderen natürlich nur dann nachvollziehen, wenn sie diesem Menschen vertrauen. Wir müssen einfach der Person vertrauen, die behauptet: Ich bin ein Mann. Auch wenn äußerlich nichts dafürspricht. Ungefähr so, wie wenn eine italienische Postbotin behauptet: „Das Marienbild in meiner Küche weint. Blutige Tränen!“ Die anderen müssen ihr halt glauben. Oder der Vatikan findet heraus, dass die Frau die Tränensuppe selbst gekocht hat. Sie ahnen es: Hier wird es so schnell nicht zum Friedensschluss kommen. Mit uns Christen schon gar nicht, denn wir bekennen: Es gibt nur zwei biologische Geschlechter, Mann und Frau (biologisch – kulturell mag es bunter sein). Wir müssen also einen anderen Weg zum Frieden finden; die Geschlechter-Debatte wird ihn derzeit nicht bringen. Vielleicht, so denke ich, ist das heutige Fest eine Chance. Das Dogma lehrt: Maria wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Als ganzer Mensch. Ohne Leib kein Mensch. Ohne Leib wären wir reine Geistwesen. Das sind wir aber nicht; Engel sind reine Geister, ohne Leib, ohne Körper, reiner Geist. Die katholische Kirche lehrt ferner, dass auch wir einmal mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen werden. Der Unterschied zwischen Maria und uns liegt hier also nur im Zeitpunkt. Maria hat das Privileg (!), schon jetzt mit Leib und Seele bei Gott zu sein. Wir warten noch; unsere Toten warten noch. Hinter dem Dogma steht der Glaube, der Mensch sei Leib und Seele. Könnten sich nicht wenigstens darauf alle einigen? Könnte nicht einer dem anderen zuerst einmal einen Leib und eine Seele zuerkennen? Das würde den Blick aufeinander beruhigen. An einen Schöpfergott glauben nur noch wenige, aber es wäre für unser Zusammenleben schon viel gewonnen, wenn alle wüssten: Der Mensch vor mir – und sei es eine queere, Antisemitisches brüllende Person in Berlin – der Mensch vor mir ist zugleich ein Leib und eine Seele[1]. Nur, weiß das überhaupt noch jemand außer ein paar klassischen Katholen? Der Körper und der Leib sind in der Krise: 16-jährige Mädchen lassen sich den Busen vergrößern und die Lippen aufspritzen; Jungs im gleichen Alter sind überzeugt, sie können in der Welt nur dann etwas werden, wenn sie tolle Muskeln haben (Hirn ist nicht so wichtig). Paare kaufen sich ein Kind, sie trennen also den Leib der Leihmutter von deren Seele, sie wollen nur ein blondes Kind, die Mutter ist ihnen Wurst. Mütter ernähren ihre Kinder mit Schrott, Pizza-Schrott und Smartphone-Schrott, schädlich für Leib und Seele. Der Leib ist nicht das, was ist, sondern das, was gemacht wird. Oder der Leib ist der Gegner; der Feind, dann, wenn er krank wird oder altert. Am Körper leiden, mit dem Körper spüren, das können alle. Aber wer kann heute ganz schlicht für den Körper danken? Auch wenn er nicht mehr schön ist? Man kann den Körper optimieren. Versuchen ja viele heute. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man den Körper achtet. Auch ein Priester und ein Diakon lebt im Zeitgeist (manche mehr, manche weniger). Ich höre die Hl. Schrift: „Euer Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes“ (1 Kor 6,19). Mein Leib, ich gehöre also einem anderen. Wäre ich wirklich Christ, würde ich danach leben. Doch immer wieder rufe ich: „Meins!“ und weigere mich, meinen Leib – seine Sinne, seine Fähigkeiten, seine Zeit, seine Gelüste – dem Hl. Geist zu geben. Schon die Idee, Gott bäte mich darum, aus Liebe auf diese Honig-Semmel und diesen schwarzen Kaffee jetzt zu verzichten, bringt mich an die Grenze. „Mein Leib, mein Körper gehört mir!“ Nur, – das wird mich auf Dauer von Gott trennen und vom anderen Menschen. Wenn einer beim Sex nur macht, was sein Körper will, wird es bestimmt kein guter Sex. Ich folge meinen Lüsten und werde eben nicht freier, sondern immer unfreier; nicht liebevoller, sondern immer egoistischer. Schon jeder starke Raucher weiß das. Wir Christen könnten die sein, die den Leib anders sehen und so die Diskussion drehen. Wir könnten den Menschen vor uns wahrnehmen als Leib und Seele. Leib, nicht nur Körper. Körper ist bloß das biologische, messbare Objekt; der Leib ist Ausdruck des ganzen Menschen, seine Lebensgeschichte und Beziehungen. Man kann vielleicht sagen: Mein Bauch gehört mir, aber man kann nicht sagen: Mein Leib gehört mir. Für uns Christen ist der Leib von Gott erschaffen, die Seele auch. Der Leib und die Seele gehören zu Gott. In der christlichen Ehe schenkt der Mann seinen Leib der Frau und die Frau schenkt ihren Leib dem Mann. Sie verschenken sich. Beide gehören nicht mehr nur sich selbst. Und das Kind im Leib ist nicht Besitz der Eltern; es gehört sich selbst. Kernbegriff des Ganzen, Friedensbegriff: Schenken, Geben. Den Leib und das Herz verschenken. An diesem Fest könnten wir verstehen: Auch unser Leib ist für Gott, für Gottes Welt bestimmt. Für den Himmel. Unser Leib – und sei es nur seine Zeit – kann ein Geschenk für andere werden. Oder ein Lob Gottes. Oder ein Tempel[2]. Das zu wissen und das zu leben, von heute an, würde den Frieden fördern. Weil wir anders mit einander sprechen würden. FÜRBITTEN Einleitung: Maria sagte zu Gott nicht: „Ich schenke Dir mein Herz, – aber mit meinem Körper mache ich, was ICH will.“ Maria war nicht zersplittert und nicht zerrissen; sie war ganz. „Ich bin die Magd des Herrn.“ So schenkt sie sich, mit ihrem Leib und ihrer Seele. Mit vollem Risiko. Das ist Glaube. [1] „Die nach dem Bilde Gottes erschaffene menschliche Person ist ein zugleich körperliches und geistiges Wesen.“ (Katechismus der Katholischen Kirche, Art. 362) [2] „Er ist eben deswegen menschlicher Leib, weil er durch die geistige Seele beseelt wird. Die menschliche Person ist als ganze dazu bestimmt, im Leibe Christi zum Tempel des Geistes zu werden.“ (KKK, 364) Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Bischbrunn am 15. August 2026
