Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Fronleichnam 2026

04/06/2026 


Die Predigt zum Anhören

Fronleichnam 2026
Predigt in Rothenfels am 04. Juni 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Ihnen ist schon klar, dass wir hier etwas anfangen, was eigentlich nicht funktionieren kann. Es gibt kaum ein Fest, das „katholischer“ ist als Fronleichnam, kaum ein Fest, das solche Herausforderungen an den Glauben, d. h. an den Verstand und das Herz stellt.

Sehen Sie, seit meiner Kindheit – wirklich! – glaube ich fest und ruhig, dass in der weißen Hostie Jesus Christus gegenwärtig ist, nicht bloß symbolisch, sondern „wirklich und wesenhaft“, wie es das Dogma formuliert. Beim Letzten Abendmahl hat Er gesagt: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut.“ Also ist es so. Und ich glaube. Ihm. Aber wer von Ihnen kann da mitgehen? Viele werden ‘s nicht sein… Am anderen Ende dieses Spielfeldes sozusagen steht vielleicht ein kleiner Bub, der schon das Wort „Fronleichnam“ nicht versteht und seinen Vater fragt: „Papi, wo ist das Fräulein Leichnam?“ – „Vrone licham“ ist uraltes Deutsch und bedeutet: „des Herren Leib.“ Die Katholiken feiern einen Leib und einen Herrn.

Macht es so gesehen überhaupt Sinn, dass wir zusammen dieses Fest feiern? Wir sind so unterschiedlich nach Alter, Herkunft, Ideen, Berufen, Pflichten… Ganz vieles trennt uns. Aber Rothenfels verbindet uns. Mindestens heute. Was uns noch verbindet: Wir tun was. Viele resignieren, steigen aus, viele wüten und streiten. Vor allem aber treten viele auf der Stelle, von der Regierung bis zu mancher Pfarrgemeinde. Wir sind anders: Wir tun was. Und sei es nur (nur?), dass wir zusammen feiern. Für ein, zwei Tage heben wir eine kleine Stadt am Main aus dem Alltag. Wir bewegen unsere Heimat. Wir halten zusammen. Dazu braucht es gar nicht so viel. Eine Gruppe Frauen, Männer, Kinder, die mittun; die Ideen haben und anpacken. Die wenigstens für ein paar Stunden lang großzügig sind.

Man kann, so meine feste Überzeugung, Fronleichnam nur so feiern: großzügig. Generös mit der Zeit, auch mit den Anstrengungen, mit den Ansichten.

Ich weiß nicht, woher Sie die Kraft dazu nehmen. Dazu müsste ich mit jedem einzelnen hier sprechen, zuhören; wir müssten auch zusammen schweigen.

Woher ich die Kraft für diesen Tag nehme, das weiß ich ziemlich gut: aus den Erinnerungen meiner Kindheit und aus meinem Glauben. Der verändert sich – und gleichzeitig bleibt er immer gleich. Heute fallen mir Worte in den Sinn, die ich früher überhörte, die aber das bis jetzt Geglaubte nicht zerstören, sondern es tiefer machen. Das ist das Schöne am Glauben.

Wenn ich die Heilige Messe feiere, staune ich. Immer noch, immer mehr. Nicht über Sie, nicht über mich – ich bin eine ziemlich elende Figur –, ich staune über Gott. Denn nach katholischem Glauben ist es so: Wann immer der Priester für die Gemeinde spricht – völlig gleich, ob er ein guter Priester ist oder ein schlechter, ein kluger oder ein dummer, ein beliebter oder ein verachteter – wann immer der Priester spricht – völlig egal, ob seine Gemeinde in diesem Moment andächtig ist oder ärgerlich, ob sie reich ist oder arm, ob sie in einer Diktatur lebt oder in einer Demokratie –, wann immer der Priester diese wenigen Worte spricht: „Dich, gütiger Vater, bitten wir… Nimm diese heiligen, makellosen Opfergaben an und segne sie“, dann segnet Gott diese Gaben. Er nimmt sie, wie es weiter heißt, zu eigen an. Völlig egal, wie wir gerade sind: Auf unser Wort hin macht der unendliche, allmächtige Gott das Stück Brot und den Schluck Wein „zum Leib und Blut seines geliebten Sohnes“. Gott tut es. Immer und immer wieder. Ist Gott uns gehorsam?? Wir Menschen mit unseren albernen Gesten, unseren halben Gedanken, unsere schwachmatischen Gebeten, wir bestimmen – kann das wirklich sein? – wir bestimmen den dreifaltigen Gott, etwas zu tun. Diesen Gott soll einer verstehen… So bringt mich jede Messe an meine Grenze. Dorthin, wo die Anbetung beginnt.

Warum lässt sich Gott auf so etwas ein? Weil Er seinen Sohn Jesus Christus bei uns Menschen sieht. Der Vater im Himmel blickt auf Jesus, den Menschen, „der sein Leben lebt für Gott“ (Röm 6) und verwandelt seinetwegen das Brot in den Leib Christi. – Da kommt mir ein Gedanke, der mich selbst ziemlich aus der Bahn haut: Die Kirche – Sie, ich, die Bischöfe, der Papst… – die Kirche blickt auf Brot und Wein und betet zum Vater: „Mache sie uns zum wahren Opfer im Geiste … zum Leib und Blut deines geliebten Sohnes.“ Und Gott tut es. Dies wäre also, so mein Gedanke, das einzige Gebet, das Gott ganz sicher und sofort erhört. Anders als unsere Gebete um Gesundheit oder Frieden oder oder… Wie wichtig muss diese Verwandlung also sein, dass Gott sie immer tut, wenn wir ihn bitten? Wie wichtig muss die Kommunion also sein? Wie wichtig muss die Gegenwart Jesu hier bei uns also sein?

Und wenn Ihnen das alles nichts sagt? Dann glaube ich an Ihrer Stelle. Wie ich stellvertretend für Sie bete. Die Christen glauben und beten stellvertretend für alle anderen. Sie müssen heute nicht glauben, aber Sie müssen etwas tun und sei es nur, die Heimat zu erhalten und ihr Schönheit zu geben.

Im Rothenfelser Alltag, in der Routine, im Stress, in den Sorgen dieser Epoche sind wir nicht oft dankbar. Wir vergessen so vieles, das doch gut ist. Aber dieses Fest ändert uns den Blick. Weil es das gerade Gegenteil des Alltags ist, weil es getragen wird von wirklich gutem Willen, von Zusammenhalt und vom Glauben. „Denn durch ihn – Jesus Christus – erschaffst du, Vater, immerfort all diese guten Gaben, gibst ihnen Leben und Weihe und spendest sie uns.“

Rothenfels ist heute himmlisch beschenkt und noch schöner als sonst.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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