Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Fest der Apostel Simon und Judas 2026

28/10/2026 


Die Predigt zum Anhören

Fest der Apostel Simon und Judas
Predigt in Trennfeld am 28. Oktober 2026

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

„Ich glaube die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“.

Das war für mich einmal ein klares, sicheres, felsenfestes Bekenntnis. Die katholische, ewige Kirche. Ich fand sie unter der Kuppel von St. Peter in Rom, in den stillen Messen der Morgenfrühe und in der Barmherzigen Schwester, die zu den Armen geht. Dann aber, mit den Jahren, kam so Vieles ins Gleiten. Wenn ich heute, am Fest der Apostel Simon und Judas Thaddäus über die Kirche nachdenke, ahne ich: Was wir für fest und sicher halten, ist es nicht, nicht so; und was wir für schwach halten, ist in Wahrheit stark. Vielleicht gleitet die Kirche immer oder sie schwebt oder fällt oder steigt… Die Kirche lebt und was lebt, bewegt sich. Der Heilige Geist, der die Apostel erfüllte, ist kein Felsblock, sondern eben Geist, Sturm, Brise oder laue Abendluft, was immer. Sicher ist nur der Heilige Geist selbst. Seinetwegen ist die Kirche unfehlbar.

In der Lesung heißt es: „Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst.“ – „Fundament“ klingt gut. Stabil. Wer aber dieses Fundament genauer anschaut, wird vorsichtig.

„In jenen Tagen ging Jesus auf einen Berg, um zu beten. Und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.“ In der Bibel ist der Berg Entscheidungsort. Es muss eine der großen Stunden sein: die Berufung der Zwölf Apostel. (Mit Leuten, denen dazu nicht mehr einfällt als: es waren keine Frauen, mag ich nichts mehr zu tun haben, das ist mir zu dumm) Wenn die zwölf Namen im Hochgebet der Messe, kurz vor der Heiligen Wandlung genannt werden, ist dies ein Echo jenes Momentes droben auf dem Berg.

Seit dem 18. Jahrhundert erst wird der hl. Judas Thaddäus verehrt als Helfer aller, die schwer bedrängt und von der Welt verlassen sind. Helfer „in ganz aussichtslosen Anliegen“, heißt er. Was in der Bibel über die beiden Apostel steht, ist freilich kaum mehr als ihr Name. Der Rest ist widersprüchlich und unsicher. Ich denke, genauso soll es sein.

Vielleicht waren beide zuerst radikale nationalistische Juden, die die Römer mit Gewalt vertreiben wollten. Einig sind sich die verschiedenen Überlieferungen darin, dass die beiden Apostel als Märtyrer endeten: Judas erschlagen mit der Keule, Simon bei lebendigem Leib zersägt. Aber wo? In Armenien? In Babylonien? In Persien? Keine Klarheit. Der Introitus-Vers der heutigen Messe sagt alles, was feststeht: „Diese Heiligen hat der Herr in Liebe erwählt, er gab ihnen seine Herrlichkeit.“  Wir wissen also nichts. In einer Zeit, wo allen alles über alle bekannt ist, wo große Unternehmen und Regierungen gegen das Private und Intime arbeiten, wo Firmen keinen einstellen, der im Internet nicht auftritt, da feiern wir hier zwei Männer, von denen wir nichts wissen.

Jesus gibt zwölf Männern ein Amt. Das Amt der Zwölf ist es, das neue Israel darzustellen: die Kirche. Das neue Gottesvolk. Die Kirche ist mehr als die zwölf Apostel, aber sie ist nie ohne sie. Deswegen bekennen wir die „apostolische Kirche“. Von Anfang an gibt es den Unterschied zwischen den vielen Jüngern und Jüngerinnen und den Zwölf. Sie sind das Fundament, anerkannt vom ersten Anfang der Kirche an. Warum? Weil sie von Jesus erwählt wurden.

Warum aber gerade sie? Wir werden es nie wissen. Von herausragenden Fähigkeiten ist keine Rede. Das bleibt ja das Bestürzende an der Kirche: Warum wird so einer Bischof? Was soll ein unfähiger Priester? Wie kann es verkommene, treulose Getaufte geben? Warum hat Gott die Juden auserwählt? Warum ist Christus ein Jude und kein Grieche und schon gar kein Germane? Warum der Sohn eines Zimmermanns? Warum sind wir hier durch die Taufe aufgenommen ins heilige Volk Gottes – und so viele andere Menschen nicht?

Keine Antwort. Die Kirche ist nicht fest, weil wir alles wissen und verstanden haben und auch nicht, weil alle heilig sind.

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Keiner beruft sich selbst, keiner gibt sich selbst ein Amt. Der Herr tut es. Das allein ist das sichere Fundament. Nur seinetwegen ist die Kirche eine, heilig, universal und apostolisch.

Und wozu? Das Tagesgebet antwortet: „Durch die Botschaft der Apostel hast du uns zur Erkenntnis deines Namens geführt. Mehre auf die Fürsprache der Heiligen Simon und Judas die Zahl der Gläubigen.“ Erkenntnis Christi und Vermehrung der Gläubigen. Das ist das Ziel.

Und wie? Durch das Wort. Das ist das einzig Wichtige, das wir von Simon und Judas Thaddäus wissen: Sie haben gesprochen. Sie sind immer weitergezogen, haben gesprochen, und die Menschen haben gespürt: Diese beiden erzählen nicht irgendetwas, sie reden nicht von sich. Sie dienen einem Größeren. „Der Schlussstein ist Christus Jesus selbst.“

Darauf allein ist die Kirche gebaut: auf Christus und auf Männer und Frauen, die das Wort weitersagen. Der eine tut es stark, der andere in erbärmlicher Schwäche, die eine in großen Momenten, die andere in unscheinbaren. Zusammengefügt wird alles durch Christus.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Die Predigt zum Download finden Sie hier!

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