22. Sonntag im Jahreskreis 2026
22. Sonntag im Jahreskreis 2026 (Lesejahr A, Röm 12,1) Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes In allen drei Lesungen dieses Sonntags wird es sehr persönlich. Fast körperlich. Beim Propheten Jeremias geht es um den inneren Kampf eines Menschen; bei Paulus um den Leib, also auch den Körper; im Evangelium geht es um einen harten Konflikt zwischen zwei Männern. – Wie geht es Ihnen damit? Anders gefragt: Wie persönlich oder wie intim i s t Ihr Glaube? Haben Sie eine Beziehung mit Gott? Sind da Gefühle im Spiel? Ein lebendiges Gegenüber? Haben Sie, wenn Sie beten, ein echtes Gegenüber oder nur Worte, die weiß ich wohin ziehen? – Anders gefragt: Gibt es noch Kinder, die eine echte Beziehung zu Gott, zu Jesus oder Maria haben? So ernst und tief, wie es vielleicht nur Kind kann, – vorausgesetzt, es hat jemanden, einen Vater, eine Mutter, eine Großmutter, eine Kindergärtnerin, die es lehrte, Jesus zu lieben. – Anders gefragt: Wird in der Kirche zwar viel gesülzt, aber zu einer echten Auseinandersetzung mit Gott kommt es nie? Sind die üblichen Christen darauf aus, Gott zu definieren, Gott zu gebrauchen als Gebetserfüller oder Gegner oder als Argument? Oder wird Gott für sie immer lebendiger, immer näher und gleichzeitig größer. In einer echten Liebesbeziehung (das wissen Sie doch) wird der andere immer vertrauter und bleibt gleichzeitig ein Geheimnis. So muss es auch zwischen Ihnen und Ihrem Herrgott sein. Heißt es nicht (Sie alle kennen es): „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben.“ Das erste Gebot! – Fragt Jesus den Petrus nicht eines Tages: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ – Heißt es heute bei Paulus nicht: „Ich ermahne euch, Schwestern und Brüder, eure Leiber als lebendiges, heiliges Opfer darzubringen, als euren geistigen Gottesdienst.“ M. a. W. lebt priesterlich. So steht es da. Die Heilige Schrift sagt es, die Kirche sagt es, die Heiligen sagen es… Mir reicht das. Ich hinterfrage das nicht, ich kritisiere das nicht. Wenn ich frage, dann nur um besser zu verstehen. ICH bin in Bringschuld, nicht das Evangelium, nicht die Kirche. Deswegen mag ich auch die Frage nicht: Was bringt mir die Kirche? Was bringt mir Gott? – Bei einem Bankgeschäft oder beim Autokauf, da frage ich: Was bringt mir das? Keiner, der auf sein Kind schaut oder auf den Partner, fragt sich: Was bringt mir das? Das wäre Handel. Liebe geht anders. Also – so sage ich mir – einfach Paulus umsetzen! Weil es da steht. „Ich ermahne euch, euch als lebendiges, heiliges Opfer darzubringen.“ Also nicht maulen, nicht zögern, einfach machen. Anfangen und sehen, was geschieht. So geht Glaubensleben. Ich weiß: “Opfer“, das klingt heute komisch. Übersetzen Sie es doch einfach mit „Hingabe“ oder „Schenken“. Da haben Sie sofort den Gegenentwurf zu einer Welt, in der es nur ums Raffen, Behalten, Nehmen, Verteidigen geht. Wenn wir der Hl. Schrift folgen statt dem Gewohnten, dann wäre das katholische, christliche Deutschland ein ganz anderes Deutschland als das Alice-Weidel-Deutschland oder das Berliner-Linke-Deutschland oder das Merz-Deutschland. Es wäre das bessere Land. Mit Männern und Frauen, die sich verschenken können. Die ihre Zeit schenken können, ihr Herz, ihre Energie, ihre Hochachtung, ihre Geduld. Das alles können Sie Gott schenken. D a s meint Paulus. Immer wieder scheint mir: Außer Hasskommentaren, billigsten Meinungen, und grenzenloser Verachtung wird bei uns nicht viel gegeben. Sie wissen doch selbst, dass das Ehrenamt, die Vereine, die praktische Sorge um ein Gotteshaus, das Gemeinschaftsleben, dass dies alles in der Krise ist. Dass die Leute ihrem geschissenen Smartphone mehr Zeit schenken als ihren Kindern. Weil keiner mehr sich selbst verschenkt. Echte Christen tun das aber. Es waren immer die Minderheiten, die die Welt verändert haben. Ich habe keine Angst, zu einer Minderheit zu gehören, die es anders macht. Sie? Was sich zuerst verändern muss: die Beziehung mit Gott. Sie soll intim werden, ganzheitlich, es soll da sogar um unseren Leib gehen. Es soll in dieser neuen Beziehung darum gehen, Gott etwas zu geben. Nicht immer nur etwas von Gott kriegen wollen (und grantig sein, wenn es nicht sofort geliefert wird). Was kann man Gott geben? Diese eine Stunde am Sonntag in der Kirche. Gott sagen: „Ich schenke dir jetzt eine Stunde der Lebenszeit, die du mir geschenkt hast.“ Sie können Gott die Zeit mit ihrem Kind schenken. So können jetzt gleich bei der Gabenbereitung ihre Sorgen auf den Altar legen oder auch nur Ihre Langeweile. Hauptsache, Sie schenken. Sie können es sogar noch einfacher machen: Atmen Sie. Einatmen – Lebenskraft, die von Gott kommt. Ausatmen – Dank, der zu Gott hin geht. Von Gott, zu Gott zurück: Das ist einfach und ganz gewiss kein Denkfehler. Denn Gott selbst gibt. „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Der Schlüsselmoment. Jesus schenkt sich selbst; so geschieht die Erlösung der ganzen Schöpfung. Durch ein Geschenk. Die Stunde Ihrer Zeit, die Sie an einem Krankenbett verbringen, ist ein Geschenk, ein Opfer, ein priesterlicher Dienst. In Ihrer Taufe wurden Sie zu Priesterinnen und Priestern gesalbt. Wozu sind Priester da? Um Gott Gaben zu bringen. So hat die christliche Nächstenliebe die ganze Welt verwandelt. Wo gilt „Du gibst mir, ich gebe dir“, da fallen die Armen raus. Sie haben ja nichts zu bieten, keine Gegenleistung. Christen aber erwarten keine Gegenleistung. Christen schenken einfach. Warum? Aus Liebe. Ob Sie die Menschen lieben, entscheidet sich im Alltag. Jeder hier kennt eine Situation, in der es sauschwierig ist, Menschenliebe zu empfinden: in der Telefonwarteschleife. Oder im Verkehr. Aber genau dort haben Sie die Zeit nachzudenken. S i e entscheiden, woran Sie denken möchten. In der Schlange an der Kasse steht es in Ihrer Macht, eine heiße, genervte, träge Konsumhölle einfach als heilig anzusehen. Heilig, weil in all diesen Menschen wenigstens eine Spur von Gott ist. Die Spur einer Energie, die Sterne erschaffen kann. FÜRBITTEN Der Prophet Jeremias spricht heute vom inneren Kampf eines Menschen. Er wird seiner Berufung folgen und die Wahrheit verkünden – egal mit welchen Konsequenzen. Auch Johannes der Täufer tat das. Am 29. August feiert die Kirche die Enthauptung Johannes‘ des Täufers. „Du hast mich gepackt und überwältigt“, heißt es bei Jeremias. Ein Streit zwischen Jesus und Petrus. Weil Petrus nur denkt, wie die Leute eben denken: bloß keine Schwierigkeiten! Wir beten für die Regierung dieses Landes. Wir beten für die Wählerinnen und Wähler. Herr Jesus, vergilt den Menschen, die uns Gutes getan haben und schenke ihnen einmal die Seligkeit des Himmels. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Steinfeld am 30. August 2026
Wir beten: Gib uns die Kraft, unseren Glauben öffentlich zu bekennen.
Gott ist nicht immer zärtlich.
Gib uns den Mut, Gott auszuhalten.
Und bei Gott zu bleiben, wenn er uns im Stich lässt. Zu lassen scheint…
Heiliger Geist, gib uns Liebe zu Jesus.
Gib unseren Toten nach allem Kampf die ewige Ruhe beim himmlischen Vater.
