Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Aktuelles

Warum die Macht ein Thema ist – Vortrag bei den Ordensexerzitien in Stift Schlägl

20/02/2026 


I. Vortrag bei den Ordensexerzitien in Stift Schlägl – 20. bis 22. Februar 2026

Warum die Macht ein Thema ist 

Bernhard Supp – ein Hoch auf unseren Exerzitienbeauftragten! – Bernhard war hörbar erstaunt, als ich ihm am Telefon als Thema für die heurigen Exerzitien die Macht vorschlug. Ich ahne, woran das liegt: Über Macht spricht man nicht. Man hat sie nur gerne oder hätte sie gerne. Oder gibt es hier jemanden, der völlig machtlos sein möchte? Aber gleich weitergefragt: Ist Macht böse oder ist Macht gut? Was sagt der Glaube, was die Mode, was die Erfahrung, was sagt Ihr Gefühl?

Einige unter Ihnen wissen längst, wie ich zu den Themen komme, die ich für die jährlichen Ordensexerzitien anbiete. Für die anderen sei es hier kurz erklärt. Ich gehe dabei aus erstens von den Erfahrungen des praktizierenden Katholiken, also von der gelebten Liturgie und ihrer Sprache und zweitens von der Beobachtung der Gesellschaft, in der wir alle leben.

Zweck gerade des ersten Vortrages ist es, Ihnen zu zeigen, dass das Thema Macht nicht an den Haaren beigezogen ist, dass es vielmehr mitten im Raum steht. Überall im Alltag unserer jungen oder jüngeren Zeitgenossen geht es um Macht: schon im Gym, in der Schönheitschirurgie, beim Tinder-Wischen. In Geschäftsbilanzen geht es wohl auch um Macht…

Das Thema ist also aktuell.

Hinzukommt meine Überzeugung, dass wichtige Dinge, die man nicht anspricht, im Untergrund weiterwirken, unkontrollierbar. Die eigentliche Herausforderung liegt für mich nicht im vornehmen Schweigen oder im geschickten Dichthalten, sondern im richtigen Reden. Wie können wir gut über wichtige Dinge reden?

Ein weiteres Anliegen dieser Tage ist die Wissensvermittlung. Die Gläubigen wissen so wenig! Warum? Weil die meisten Geistlichen zufrieden damit sind, wenig zu wissen. Wir hingegen, wir im Malteser-Ritter-Orden haben die Aufgabe übernommen, den Glauben zu verteidigen. Wie soll das gehen, wenn wir den Glauben nicht kennen?

Beobachtungen

Mag sein, dass ich mich täusche, aber mir scheint, in den letzten Jahren oder gar Jahrzehnten vermied man es, in der Kirche d. h. in den Gottesdiensten und Ansprachen, das Wort „Macht“ hören zu lassen. Vielleicht mied man sogar den Gedanken an Macht. Natürlich nicht die Macht selber.

Wir erleben Revolutionen (…) Bei Revolutionen geht nicht um die Auslöschung der Macht, sondern um die Umschichtung der Macht. – Kein Mensch wird mir erzählen können, bei der Diskussion um die Weihe der Frauen ginge es nicht auch um Macht. Das muss nichts Schlimmes sein, schon gar nicht, wenn es den Männern auch um Macht geht. Vielleicht geht um eine neue Anordnung der Macht in der Kirche.

Ich beobachte, sagte ich eben, die Praxis des Gottesdienstes. Sie offenbart, welche Themen die Katholiken von heute beschäftigen. Fällt Ihnen nicht auch auf, dass viele Zelebranten die Schlussformel der Gebete in der Messe – „Darum bitten wir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn und Gott…“ – dass sie diese Formel (die das Messbuch ja vorgibt, vorschreibt), ersetzen durch Formeln wie „Darum bitten wir durch Jesus, unseren Bruder und Freund“. Das ist inhaltlich nicht falsch, aber vermeidet offenkundig alles, was an Macht erinnern könnte.

Anderes Beispiel: Es ist im kirchlichen Jargon üblich geworden zu sagen: „Ich darf…“ – „… euch heute das Sakrament der Firmung erteilen.“ Oder „Danke, dass ich heute mit euch die Eucharistie feiern durfte.“ Auch das ist nicht falsch, vielleicht ist es einfach sehr, sehr höflich und zart, aber mir scheint, auch hier wird der Gedanke an Macht und Autorität möglichst weit weggeschoben. Warum? „Das Monster ist nicht da, wenn ich es nicht sehe“, denkt das Kind und hält sich die Augen zu. Die Macht geht nicht weg, nur weil sie nicht beim Namen genannt wird.

In der Kirche (von heute) ist von Macht nicht die Rede. Genauso wenig wie von Ehrgeiz, Karriere, Feindschaft oder Gegnern. Natürlich gibt es das alles auch in der Kirche und im Orden, aber es wird nicht ausgesprochen. Der Bischof, der in die Pfarrei kommt, hat die Macht, das Sakrament der Firmung zu spenden, aber er bedankt sich, dass er „heute die Firmung spenden darf“. Wer erlaubt es ihm? Ähnliche Verrenkungen kennen Sie aus dem Alltag. Die junge Frau am Empfang, die mir sagt: „Sie dürfen im Wartezimmer Platz nehmen“, erteilt die mir eine Erlaubnis? Früher hätte sie gesagt: „Nehmen Sie bitte noch einen Moment Platz.“ Ging auch.

Die Macht. Definitionen und Fragen

Der berühmte Soziologe Max Weber (+ 1920) definiert Macht so: Macht ist „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen[1]“. Woanders fand ich diese poetischere Formulierung: „Wer einen ansieht, hat die Macht.“ Unsere Blicke und die Macht…

Ich könnte mit aller Vorsicht auch diese Definitionen anbieten:

Macht ist das, was uns auf ein Ziel hinlenkt.

Macht ist das, was absichtsvoll in unser Leben eingreift.

Es gibt die Macht der Männer und die Macht der Frauen. Es gibt die Macht der Eltern. Die Macht des Papstes und die der Laien. Die Macht des Geldes, der Strukturen, des Internets, die Macht Chinas oder Indiens oder Brasiliens und die Ohnmacht der Kranken. Wir begegnen der Macht des Todes.

Ist die Macht des Todes gleich der Macht Gottes oder müssen wir zwischen beiden unterscheiden?

In welchem Verhältnis stehen eigentlich Macht, Autorität und Hierarchie?

Eine ganze Menge Fragen zur Macht…

Macht ist ein Thema dieser Tage[2]. Auf Spiegel-online sagt der KI-Pionier Yoshua Bengio im Dezember 2025: „Wir Menschen können die Macht komplett verlieren“ – an die KI ist gemeint[3]. In dem Film „Babygirl“ von 2025 mit Nicole Kidman und Antonio Banderas geht es um eine mächtige Geschäftsfrau, die sich der Macht eines jungen Mannes ausliefert. In einen Artikel der Süddeutschen Zeitung vom November 2025 wird die Schriftstellerin Jamaica Kincaid zitiert, die sagt: „Mein Thema ist Macht. Von Anfang an. Übrigens geht es auch bei Müttern und Töchtern um Macht[4].“

Kein Mensch wird sagen können, die Macht sei kein Thema. Macht interessiert alle, nicht nur Juristen und Politiker[5].

Aber wie gehen Christen mit der Macht um? Mit der eigenen, mit der der anderen, mit der Macht der Gegner? Das in etwa ist das Thema der nächsten Tage.

Ist Macht wertfrei? Oder ist sie positiv? Oder ist sie etwas Böses, immer?

Nach welchen Kriterien bewertet man die Ausübung der Macht?

Was kann Macht bewirken? Die Bandbreite geht von Holocaust über die Impfpflicht bis hin zur guten Macht eines guten Oberen.

Wie steht es mit dem Missbrauch der Macht? Da mag der Weg gehen von Eltern über den Kardinal Groer bis hin zu Hitler.

Wer übt Macht aus? Faktisch? Oder idealerweise?

Es geht um den Umgang mit der Macht. Darum, wie man Macht erduldet und wie man Macht ausübt.

Die Geburt

Die erste Erfahrung der Macht ist vielleicht die Macht der Eltern. Und ihre Nicht-Macht: Das Kind erfährt ja auch die Machtlosigkeit seiner Eltern. Wird hier seine künftige Auffassung von Macht schon entschieden?

Wenn Macht bedeutet: die Begegnung mit etwas, das nicht ich entscheide und das stärker ist als ich, stark genug, mir seinen Willen nötigenfalls aufzuzwingen, dann sind Eltern mächtig.

Wo Eltern sind, da ist auch die Geburt. Ist die Geburt eine Erfahrung der Macht?

Wie nehmen Menschen heute ihre Existenz / ihr Geborensein wahr? Indifferent? Zornig-empört? Dankbar? Letzteres wohl eher nicht. Denn wem sollten sie auch dankbar sein, wenn sie die Existenz und die Tat eines Schöpfers negieren?

Empfand man die Macht zu allen Zeiten als eine Zumutung?

Bei der Geburt jedenfalls hat der Mensch nichts mitzureden und dann kann er sich nicht einfach wieder aus dieser Angelegenheit, aus dem Leben herausnehmen.

Die Erfahrung von Macht ist also eine sehr frühe und allgemeine.

Die Kirche

„Der christliche Glaube stützt sich auf Überlieferung, auf Zeugen, die als Autoritäten anerkannt werden und die für den Glauben maßgeblich einstehen. Die Art und Weise, wie die Kirchenväter auf Aussagen der Bibel zurückgreifen, zeigt es zur Genüge. Der eigentliche Grund für die Geltung der biblischen Aussagen war nicht ihre Plausibilität, sondern die Tatsache, dass sie als von Gott geoffenbart angesehen wurden. Damit hat die Kategorie der Autorität von Anfang an der Sache nach, und mit der Zeit auch begrifflich in der Theologie und in der Verkündigung ihren Platz[6].“

Thomas bekräftigt, „dass es für die Theologie höchst eigentümlich sei, ex auctoritate zu argumentieren, weil sie ihre Prinzipien, also ihre grundlegenden Aussagen aus der Offenbarung gewinnt[7]“.

„Es mag eigenartig berühren, dass eine religiöse Korporation, die sich der Idee nach als Gemeinschaft Gleicher versteht, eine Instanz unterhält mit doktrinärem Weisungsrecht[8].“

Mein langjähriger Supervisor in Wien, ein Theologe, inzwischen selbst pensioniert, schrieb mir: Das Thema Macht „wird uns ja jeden Tag über den Bildschirm gebracht und ist gewiss gegenüber meiner Studienzeit, wo man sie im Namen des Glaubens schlicht ablehnen konnte, komplizierter geworden.“ Ja, man hat jahrzehntelang in der Kirche so getan, als gäbe es, zumindest unter Kirchenmenschen, keine Macht. Also auch keine Machtkämpfe, keine Feindschaften, keinen Ehrgeiz, keinen Karriereplan. Ich persönlich fand in der Kirche kaum eine Erscheinung schwerer auszuhalten als Obere, die so taten, als hätten sie keine Macht, als seien sie Freunde, die aber eben doch Macht ausübten, je liberaler in der Façon, desto härter in der Sache, scheint mir. 

Ganz so unbekümmert ist man in kirchlichen Kreisen freilich nicht mehr. So stand kürzlich eine Tagung der 13. Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands unter dem Titel „Kirche und Macht“[9]. Die November-Ausgabe 2025 der hoch geachteten theologischen Zeitschrift Communio hatte das Schwerpunktthema „Autorität“. Da hieß es übrigens interessanterweise: „… ‚linkes‘ Denken – von Marx über die Kritische Theorie bis zu Foucault – interessiert sich für die Machtfrage: Was will jemand erreichen mit dem, was er sagt? Konservatives Denken stellt eher die Wahrheitsfrage: Was ist uns vorgegeben, wie kann es erkannt und angewandt werden?[10]“ Ich zitiere Ihnen das schon deswegen, damit Sie ahnen, auf welch weites Feld wir uns hier begeben.

Die Wahrheit

Ein Bereich, in dem es heute ganz sicher um Macht geht, ist der Umgang mit der Wahrheit. Die jüdische Philosophin Hannah Arendt (+ 1975) versucht sich an einer Definition der Macht und sagt: „Die Wahrheit ist das, was der Mensch nicht ändern kann[11].“ – Außer er tut es. „Krieg ist dann mit einem Mal Frieden, Freiheit ist Sklaverei, der Klimawandel ist ein riesiger Schwindel, die Nato ist schuld am Ukraine-Krieg und Brigitte Macron ist ein Mann. Wir stecken gerade mitten in einer Revolution: Menschen überall entscheiden ganz neu, was für sie wahr ist. Was dabei verloren geht: der Unterschied zwischen dem, was sich wahr anfühlt und dem, was wahr ist[12].“ Dabei geht es auch um die Frage nach der Macht. „Wieso ist eigentlich der digitale Raum ein rechtsfreier? Wieso können unsere demokratischen Gesellschaften dort nicht die Regeln setzen? Und die Frage aller Fragen: Wieso stellen eigentlich viel zu wenige diese Fragen? Wieso tun stattdessen alle so, als seien X, Facebook, Tiktok und Co. über uns gekommen wie Naturgewalten? (…) Europas Staaten ist die Souveränität abhandengekommen. Die Kontrolle über den Raum, in dem ihre Bürger, ihre Firmen, ihre Organisationen heute einen Großteil ihrer Existenz verbringen, ihrer Informationen besorgen, ihrer Geschäfte erledigen[13].“

Wo es um Wahrheit geht, geht es auch um Macht. Denn die Wahrheit verlangt, dass ich ihr folge. Ich begegne einem anderen, der Gehorsam einfordert, eben weil er die Wahrheit sagt.

Oder aber – moderner Ansatz – ich identifiziere mich selbst mit der Wahrheit: Wahr ist das, was ich für wahr halte, weil es mir gefällt. Ich folge der Devise: Wenn du nur willst, erfinde dich neu. Höre auf dein Inneres. – Das waren jetzt Gedanken aus einem Artikel einer deutschen Tageszeitung, der letzten Herbst erschien. In einer anderen Zeitung fand ich dieses Zitat: „Absurdes zu verbreiten, obwohl jeder weiß, dass es Lügen sind – das ist eine Form, Macht zu demonstrieren. Dass du Leute dazu bringst, Dinge zu sagen, die offensichtlich unwahr sind, ist eine Methode, andere zu gewinnen: Schau, wie mächtig ich bin[14].“

Falls Ihnen das zu abstrakt ist: Ein italienscher Autor hat eine lebensnähere Perspektive, wenn er die Auswirkung der Macht unter Menschen illustriert: „Ich wünsche dir, dass dein Sohn nie elend hinter Stacheldraht eingesperrt sein wird. Ich bete zu Gott, dass dein Pass und dein Geld nie von einem Polizisten als wertloses Papier behandelt wird. Ich bete zum lieben Gott, dass deine Enkel nie einen Winter im Dreck in einem Zelt verbringen müssen, einen halben Kilometer von einem Gemeinschaftsklo entfernt… Ich bete, dass dein Zuhause nicht in Schutt und Asche gelegt wird und dein einziger Kontakt zu deiner Familie das Handy ist[15].“

Wir beobachten heute (darf ich „wir“ sagen?) ein immer unverhüllteres Machtstreben. Politiker wollen Macht und formulieren dies auch, heute klarer als vor 20, 30 Jahren. Zahlreiche junge Männer definieren Männlichkeit als Macht über andere, besonders über Frauen, und die Frauen fordern ihrerseits Anteil an der Macht ein. Das Recht des Stärkeren wird immer entscheidender. 

Viele von denen, die diese Entwicklung beobachten, setzen Machtanwendung und Machtmissbrauch gleich. Das aber lähmt dort, wo es um Machtanwendung zur Veränderung oder gar Verbesserung geht.

Umgang mit der Macht

Treffen Sie noch Leute, die von der Macht nichts wissen wollen? Gibt es, so fragt z. B. der „Unternehmensberater“ Peter Modler, der anscheinend viel gelesen wird, gibt es wirklich gut ausgebildete, intelligente Leute, die sofort Ablehnungsreflexe entwickeln, wenn sie mit Machtfragen zu tun haben sollen[16]? Wäre dem so, bestünde da nicht die Gefahr, dass wir Leuten das Feld überlassen, die beim Thema Macht keinerlei Skrupel haben? M. a. W. ist es im Hinblick auf Gesellschaft und Kirche legitim, sich von der Macht zu verabschieden? Wie sieht es mit der Verantwortung für die öffentlichen Dinge im Staat und in der Kirche aus? Dürfen wir Ohnmacht kultivieren? Ist Macht prinzipiell anrüchig und Machtlosigkeit immer edel? Es ist ja doch so, dass Menschen, die lange Zeit in tiefer Machtlosigkeit leben müssen, nicht ohne Weiteres höhere moralische Standards haben. „Die Arroganz der Ohnmacht unterscheidet sich oft nur wenig von der Arroganz der Macht.“

Wenn Sie der Gesellschaft zuhören, die viel von Teilhabe, Spirit, Authentizität, Work-Life-Balance, Wertschätzung usw. spricht, treffen Sie da nicht auf eine Kultur, welche versucht, die Macht-Frage zu umgehen? Aber gibt es wirklich herrschaftsfreie Zonen?

Macht hat (auch etymologisch) erst einmal mit Wirksamkeit zu tun. Mit „Machen“. Das ist moralisch zunächst neutral. Und Macht ist überall. Es gibt Machtausübung in den Familien, in den sozialen Netzwerken; es gibt die anonyme Macht bürokratischer Systeme. Der Lehrer in der Klasse übt Macht aus (hoffentlich?), die Chirurgin im OP auch – eine Vollnarkose ist in Wahrheit jedes Mal eine existentielle Angelegenheit –; es gibt die Macht der KiGa-Leiterin und die der Owner eines Projekts. Lauter Führungsrollen. Schon die Macht einer Friseurin ist beträchtlich: Sie entscheidet über frohes Selbstbewusstsein oder wochenlanges Unglück. An der Kassiererin im Supermarkt kommt keiner vorbei. Immer bleibt letztlich nur Annahme oder Ablehnung des Machtgefälles übrig.

Der Alltag ist von geräuschloser Machtanwendung bestimmt. Wir sind Nutznießer von Leuten, die die Macht über uns professionell und gewissenhaft ausüben. Nicht jede Ausübung von Macht hat damit zu tun, dass da einer den anderen beherrschen will, siehe Friseur. Machtmissbrauch ist die Ausnahme.

Wie könnte also einer sagen, die Macht-Frage gehe uns alle hier nichts an?

Die Diskreditierung von Machtausübung macht uns blind für die segensreiche Machtausübung, die wir erfahren. Sie hält Leute von der Macht fern, die sie eigentlich gut ausüben könnten; sie überlässt Ungeeigneten das Feld und verhindert jedes Training von Machtausübung. Denn Machtausübung muss man lernen. Wollen Sie ernstlich sagen: „Aber doch nicht in der Kirche!“? Ich würde sagen: gerade in der Kirche. Denn die Kirche soll die Welt mitgestalten. Sie will die Verantwortung, – also will sie auch die Macht.

Wie klingt das für Sie? Peinlich? Verlockend?

In meinen Ohren klingt es prachtvoll. Hätte die Kirche nicht Macht, sie wäre mir gleich. Wäre da nicht die Macht Gottes, seine Herrlichkeit, mein Leben wäre erbärmlich.

Natürlich kommen Machtspiele vor; sie sind hässlich – und sie können wichtig sein. Oft sind sie gar nicht persönlich gemeint, sondern eher ein Ritual. Man sollte ihnen nicht gleich mit Angst begegnen; auch nicht mit blasierter Distanz. Letztlich geht es um die Frage: Wollen Sie Beobachterin sein oder Akteurin?

Von all dem her die Frage: Könnten Sie sagen: Macht ist etwas Schönes? Könnten Sie es öffentlich sagen?

Macht und Schuld

Die Macht hat für uns oft ein unangenehmes Gesicht. Liegt das an uns, den Betrachtern? Oder an ihr? Was ist der wahre Grund für das Ausweichen vor der Macht? Warum scheinen viele ihre Opferrolle zu lieben? Wollen wir einfach nicht zu den Schuldigen gehören? Denn dies liegt ja auf der Hand: Wer Macht trägt, wird schuldig. Oder geht Verantwortung ohne Schuld? Was sagen z. B. die Eltern hier? Sind Sie in zehn, zwanzig Jahren nicht ein einziges Mal schuldig geworden an Ihren Kindern? Gibt es im Bereich der Macht überhaupt klare Grenzen zwischen richtig und falsch? Vielleicht müssen wir damit leben, dass viele Dinge relativ sind. Ganz sicher müssen wir damit leben, dass, wer Veränderung will, bereit sein muss, Fehler zu machen. Und Sie wissen hoffentlich: Fehler sind nicht gleich Sünden und Unschuld ist nicht gleich Perfektion. Perfektionismus lähmt. Bei der Machtausübung steht niemand immer auf der richtigen Seite; wirklich unschuldig wird dabei niemand bleiben.

Wir stehen alle in der Aufgabe, eine Gesellschaft aufzubauen und zu erhalten. Dazu braucht es eine gewisse Macht, je nach „Stand“ (…) auf unterschiedliche Weise. Machtanwendung aus Verantwortung baut Gesellschaften auf, Machtanwendung aus Verantwortungslosigkeit zerstört sie. Kompletter Verzicht auf Machtanwendung zerstört eine Gesellschaft auch.

Vielleicht hilft es Ihnen, hier zu bedenken: Die Macht, die Sie haben, könnte das Resultat des Vertrauensvorschusses sein, den anderen Ihnen geben. Eine Busfahrerin hat Macht, und alle, die bei ihr einsteigen, haben ihr als Erstes, implizit einen Vertrauensvorschuss gegeben.

Es ist klar, dass es dabei nicht um Beifall, nicht um „Likes“ gehen kann. Der Beifall kann nicht das entscheidende Kriterium der Machtanwendung sein.

In einer Welt, in der wir so eng zusammenleben, wie wir es tun, herrschte ohne eine Art von Koordinierung, ohne Machtausübung ständiges Chaos. Es gibt keine menschliche Kultur ohne Regeln. Die Definition von Kultur könnte geradezu lauten „Regeln“. Das Fehlen bekannter Regeln ist eine Form der unguten Machtausübung. Unterdrückung funktioniert ja nicht, indem man zu den Unterdrückten sagt: das darfst du und das darfst du nicht. Unterdrückung funktioniert, indem man einen Graubereich schafft, damit niemand jemals genau wissen kann, was erlaubt ist und was nicht. Hier wird Macht diffus. Ein Alarmzeichen.

Was Regeln angeht, gilt übrigens auch dies: Es genügt nicht, Regeln aufzustellen, man muss sie auch durchsetzen. Regeln wirken nicht magisch, nicht von selbst.

Macht und Glaube

Der Umgang mit der Macht unterliegt (wie das Sprechen über die Macht) Moden oder vielleicht besser: kulturellen Veränderungen. Dass wir der Macht begegnen, passiv oder aktiv, dass wir lernen müssen, mit ihr umzugehen, sie zu ertragen oder sie auszuüben, scheint mir aber unabhängig von allen Moden unabweisbar. Der Umgang mit der Macht ist eine menschliche Herausforderung. Schon von daher liegt es nahe, Glaube und Macht zusammen in den Blick zu nehmen. Als Christen müssen Sie Ihren Anteil an der Macht im Glauben verankern, das scheint mir unabweisbar. Warum? Weil Sie sonst Ihren Glauben hier haben und Ihre Verantwortung, Ihren Auftrag in der Welt, Ihre Macht dort. Ihr Glaube wäre nicht integriert, sondern eine Sache für Sonntagvormittage oder Krankheit, Not und Elend.

Die Macht im Glauben verankern: Das beginnt bereits damit, dass Sie Gott als Schöpfer, als Creator bekennen. Gott ist der, der etwas schafft. Die Schöpfung ist – auch – ein Akt der Macht[17]. Das Bild, das Sie von Gott haben, ist hier entscheidend. Prüfen Sie es von Zeit zu Zeit. Woher kommt es? Aus der Schrift? Aus der herrschenden öffentlichen Meinung?

Wenn wir wirklich, wesentlich, d. h. in unserem ganzen Sein mit Gott zu tun haben, wenn wir von ihm herkommen, auf sein Bild hin geschaffen sind, dann sind auch wir Menschen dazu da, etwas zu erschaffen. Wie wenn uns gesagt wäre: Nimm deine Macht an und erschaffe etwas damit!

Beschütze mit deiner Macht andere Menschen.

Nutze deine Macht, um anderen Macht zu geben, – den Guten.

Scheide das Licht von der Finsternis!

Dazu braucht es den Glauben, überdies Selbstdisziplin, Verantwortungsbereitschaft, Treue, Ernsthaftigkeit, Leichtigkeit, Freude, Mut… Stellenweise Einsamkeit. Auch Geduld, manchmal Sturheit, aber auch Demut. So werden Sie Ihr Leben mit einer Unzahl schöpferischer Akte erfüllen. Wer Verantwortung übernimmt, wird erwachsen. Wer erwachsen ist, kann damit umgehen, dass er nicht von allen Seiten Zustimmung bekommt. Er kann (Macht-)Konflikte aushalten[18].

Die Messe und die Macht Gottes

Es gibt in der Hl. Messe mindestens zwei Stellen, die uns mit der Frage der Macht konfrontieren. In der Messe beten wir alle zusammen auch: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit“; in der lateinischen Messe „Quia tuum est regnum et potestas et gloria in saecula“. Die lateinische Formel bringe ich, weil sie deutlich macht, wie das deutsche „Kraft“ zu verstehen ist: als Macht. „Potestas“ ist ein lateinisches Wort, das „Macht“, „Gewalt“, „Amtsgewalt“ oder „Vollmacht“ bedeutet, sagt Wikipedia[19]. Wir anerkennen in diesem Moment ausdrücklich die Macht Gottes[20].

„Meinen Frieden gebe ich euch…“, wird Jesus vor der Kommunion zitiert. Damit ist jener Friede gemeint, der zwischen Mensch und Gott herrscht. Jener Friede besteht darin, dass der Wille Gottes und der Wille des Menschen in Einklang sind[21]. Von diesem Frieden aus entsteht dann der Frieden unter den Menschen. Es geht also um die Gestaltung der Welt. Um die Ausübung einer Verantwortung, ein aktives Handeln und damit um eine ganz bestimmte Form der Macht. Schon allein, weil die Fähigkeit zum Frieden die Fähigkeit zum Austragen und Ertragen von Konflikten voraussetzt.

Die Macht Gottes

Es geht also um die Macht Gottes. Ich überlege: Was ist das Erste, was wir von Gott erfahren, von ihm, über ihn? Mir scheint, es ist Macht. Natürlich kann man Gott als neutral erfahren oder überhaupt als inexistent, aber gewiss nicht als klein. Wer immer den Göttern oder Gott begegnet, der begegnet einer Macht, die will, die nicht neutral und indifferent ist. Götter sind die, die etwas wollen. Die sich einmischen. Gott offenbart sich. Er will also gehört werden. Wozu? Nichts in der Schrift deutet auf ein neutrales Gesprächsangebot hin. Man plaudert nicht mit Gott. Man begegnet Gott nicht bei einem Cocktail und wenn doch, merkt man schnell: Der Cocktail ist aus.

Gott erschafft ein Universum. Wie sollte man sich dies nicht als Macht vorstellen? Ein Wille, der sich durchsetzt, der gestaltet, der geschieht. Gott verfolgt einen Plan: Schöpfungsplan. Heilsplan. Damit das nicht allzu glatt klingt, zitiere ich Ihnen zwischendurch ein Wort des deutschen Schriftstellers Hans Henny Jahnn (+ 1959): „Angesichts einer Schöpfung, in der alle Geschöpfe fressen und gefressen werden, liegt die Vermutung nahe, dass auch der Urheber frisst[22].“

Erschrecken Sie nicht, stellen Sie sich lieber der Frage: Ist der Schöpfer gut?

Ist es selbstverständlich, dass er uns gut will?

Woher genau nehmen wir die Sicherheit, dass die Macht Gottes eine gute Macht ist[23]?

Gerade als Malteser im Dienst der Kranken wissen Sie, dass Gott oft und oft nicht als gütig erfahren wird. Wäre es so allgemein klar, dass Gott eine gütige Macht ist, würden leidende Menschen Gott nicht ihr „Warum?“ entgegenschreien. Und nicht nur sie. Auch der Berufene kann die Erfahrung einer furchterregenden Macht kennen: Die Gnade zwingt den Menschen, so scheint es. Die Theologen mögen das im Namen der Freiheit des Menschen abstreiten, aber schon das Alte Testament weiß um die Propheten, die von ihrer Berufung überwältigt werden. Von einer Macht, die nicht höflich oder zärtlich anfragt, sondern will[24]. 

Zusammenfassung

Das Thema ‚Macht‘ gibt es. Es stellt sich. Es stellt sich auch für Christen, auch für „einfache“ Leute. Es steht im größeren Kontext des sozialen Lebens. Die Macht ist der Gemeinschaft zugeordnet. Das definiert auch den Unterschied zwischen guter und böser Macht.

Auf diesem Hintergrund kann ich Sie fragen:

Wie genau, wann kommt es dazu, dass Sie eine Macht über sich anerkennen?

Oder auch so gefragt: Was ist das Ziel der Macht? Was darf ihr Ziel sein?

In dieser Perspektive hier ein Wort zur Macht des Menschen[25]. Der Theologe Romano Guardini (+ 1968) schreibt dazu: „Macht, die nicht von Gesinnung verantwortet, von Charaktertiefe behütet, von personaler Gestalt verwaltet wird, hat im letzten keinen Herrn.“ Im Menschen, der sich vom Gesetz befreit, kann die Macht herrenlos werden. Dann aber wird sie, so Guardini, zum Organ des Dämons, und der Mensch verfällt (!) der Macht und dem Dämon. Dann entstehen jene Dinge, die keiner verantwortet: „Jene Vorgänge, vor denen jedem graut. Jene Zustände, deren sich alle schämen – und vor denen doch jeder sich für unzuständig erklärt.“ Der Mensch muss also, um die Macht richtig auszuüben, das Maß seiner Verantwortung kennen und auf sich nehmen. „Um das aber zu können, muss er wieder das richtige Verhältnis zur Wahrheit der Dinge (…) und, letztlich, zu Gott gewinnen[26].“

Sie wissen alle, dass der Herr uns in dieser Aufgabe nicht allein lässt. Wir haben seine Worte, die uns helfen. „Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so[27]“, sagt Jesus den Aposteln beim Letzten Abendmahl, – um dieses Wort im gleichen Moment mit dem Dienst der Fußwaschung zu verbinden! Der Herr nennt sich selbst „gütig und von Herzen demütig[28]“. Der Herr macht einen Unterschied zwischen der Macht in der Welt und der Macht in der Kirche: „Ihr wisst, dass die… Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein… Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, sich dienen zu lassen…[29]

Schlusswort

… aus der Offenbarung des Johannes (Kap 2,26): „Wer siegt und bis zum Ende an den Werken festhält, die ich gebiete, dem werde ich Macht über die Völker geben. Er wird über sie herrschen mit eisernem Zepter und sie zerschlagen wie Tongeschirr; (und ich werde ihm diese Macht geben,) wie auch ich sie von meinem Vater empfangen habe, und ich werde ihm den Morgenstern geben[30].“

[1] Zitiert nach Modler, Macht.

[2] S. a. Christian Stoll, Editorial, Communio, Nov.-Dez. 2025, S. 561.

[3] Spiegel online, 1.12.2025.

[4] S. a. Johanna Adorján, Artikel über die Schriftstellerin Jamaica Kincaid, SZ, 28.11.2025, S. 13: „mein Thema ist Macht. Von Anfang an. Übrigens geht es auch bei Müttern und Töchtern um Macht.“ (Zitat Kincaid).

[5] S. a. Foucault, der die Macht nicht mehr wie z. B. Lacordaire vor allem auf der Ebene des Rechts abhandelt. S. a. Agamben und die „„Medien-Spektakel-Macht“.

[6] Communio, Nov-Dez 2025, S. 575.

[7] Ibid.

[8] Id., S. 584.

[9] 09112025 Ehren- und Hauptamtliche diskutieren Schwerpunktthema der 6. Tagung der 13. Synode der EKD

Wie entsteht Macht in kirchlichen Strukturen – und wie kann sie verantwortungsvoll gestaltet werden? Diesen Fragen widmete sich der gemeinsame Themennachmittag der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), der 13. Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) und der 13. Synode der EKD. Haupt- und Ehrenamtliche diskutierten über Impulse aus Wissenschaft und Theologie. Zu Wort kamen auch Betroffene sexualisierter Gewalt. Ein Panel mit internationalen Perspektiven weitete den Blick auf unterschiedliche kirchliche Erfahrungen im Umgang mit Macht.

Worum geht es? Beim Themennachmittag „Kirche und Macht“ diskutierten Expert*innen aus Soziologie, Theologie und internationalen Kirchen, wie Macht in kirchlichen Strukturen entsteht, wirkt und verantwortungsvoll gelebt werden kann. Dabei ging es um organisationale, theologische und intersektionale Perspektiven – also auch um Fragen von Geschlecht, Herkunft und Teilhabe.

Warum ist das Thema „Kirche und Macht“ wichtig? Macht prägt kirchliches Handeln auf allen Ebenen – von Leitungsentscheidungen bis zu spirituellen Beziehungen. Wer über Macht spricht, kann Strukturen transparenter machen, Missbrauch vorbeugen und Wege zu mehr Teilhabe und Glaubwürdigkeit eröffnen.

[10] Ich zitiere nach der online-Version: Communio online 05112025.

[11] Zitiert in Süddeutsche Zeitung, Artikel „Wahrheit. Gar nicht wahr. Die Lüge ist zurück. Mit Macht. Als Macht…“, Roman Deininger u. Kai Strittmatter, 4. / 5. Oktober 2024, SS. 13-15.

[12] Ibid.

[13] Ibid.

[14] SZ, 16.1.2026, S. 11: Lisa Wedeen (Ambiguities of Domination –?–)

[15] Paolo Rumiz, Der unendliche Faden. Reise zu den Benediktinern, den Erbauern Europas, Wien-Bozen, Foli, 2023, S. 149.

[16] Peter Modler, Macht. Wie du sie anwendest, auch wenn du nichts von ihr wissen willst, Frankfurt-New York, Campus, 2025, S. 12.

[17] Siehe dazu Montag der Ersten Woche im Jahreskreis, Lesehore, Zweite Lesung: „Im Anfang schuf Gott“. Habt ihr jemals bedacht, was das heißt: Erschaffen? Ein unsichtbares Wesen, ein unendlicher Geist, ewig selig in seinem eigenen inneren Leben, sieht von Ewigkeit eine ganze Welt in seinen Gedanken vor sich stehen, und er will gleichsam eines Tages in seinem göttlichen Leben, dass die ganze sichtbare Welt entstehe. Er will, und das Licht webt seine Strahlen über die Schöpfung hin; er will nur, und sein Wille jagt die Meere in ihre Grenzen, und es regt sich das bunte Leben der Pflanzenwelt, und die Tierwelt füllt die Berge und Täler, die Wälder und die Fluren. Er will nur, und zahllose Sterne schlagen ihre glänzenden Augen am Himmelsgewölbe auf in einer Schönheit des Lichtes, welcher Jahrtausende nichts von ihrem Glanz rauben können. Er „sprach“, sagt die Heilige Schrift, indem sie in sinnbildlicher herablassender Sprache ausdrücken will, wie Gott ohne alle Mühe mit seinem Willen wirksam gebot… (Matthias Eberhard, † 1876, Aus einem homiletischen Vortrag über das erste Buch des Mose).

[18] Hildegart Baumgart, Artikel „Lehrstunde bei Kassandra. Eine neue Verbindung zwischen Politik und Psychoanalyse: Über Thea Bauriedls ‚Die Wiederkehr des Verdrängten“, DIE ZEIT, 3.10.1986, S. 39.

[19] Es folgt weiter: „… und im römischen Recht eine rechtliche Verfügungsgewalt meint. Es bezeichnet die Befugnis, die mit einem bestimmten Amt verbunden ist, oder die umfassende Gewalt eines Familienoberhauptes (pater familias) über seine Familie, die sogenannte patria potestas. Der Begriff ist im historischen und rechtlichen Kontext von Bedeutung und wird auch heute noch in der Rechtswissenschaft verwendet, um staatliche Macht und Befugnisse zu beschreiben.“

[20] Mehr dazu Communio, Nov-Dez 2025, S. 565.

[21] Berger, Jesus.

[22] Hans Henny Jahnn, Fluss ohne Ufer.

[23] S. a. Lehnert, Haus, S. 99: „Der auf dem Thron sitzt, wirkt merkwürdig unberührt von diesen Vorgängen. Wir schauen auf einen ausdruckslosen Abwesenden, eine reglose Erhabenheit, für die anscheinend alles ist, wie es ist. Das Buch schwebt in der Hand des enthoben Thronenden wie über einem ‚Urgrund‘, der kein Geschehen und kein Verschwinden, kein Gutes und kein Böses zu kennen scheint. Alles entspringt ihm ohne Wertung und Unterschied. Und doch lässt die traumartige Szenerie kaum einen Zweifel daran zu, dass wir wiederum in einen Gerichtsprozess… geraten sind. Auf der Kippe scheint nichts Geringeres zu stehen als die Frage nach der letzten Souveränität im Kosmos. Die Vollmacht dessen, der auf dem Thron sitzt, scheint von einem anderen Herrschaftsanspruch infrage gestellt. Der Gott kann jetzt nicht mehr stumm bleiben. Das Buch muss geöffnet werden.“

[24] Siehe dazu weiterführend Youcat 340, KKK 2001-2002; 2022.

[25] Guardini: „Der Sinn der Macht liegt also vor allem in der Person, die sie braucht. Macht ist erst gerechtfertigt und gewährleistet, wenn die Person als Charakter ebenso stark ist wie die Macht, die sie hat… Macht, die nicht von Gesinnung verantwortet, von Charaktertiefe behütet, von personaler Gestalt verwaltet wird, hat im letzten keinen Herrn. In der Natur gibt es keine herrenlose Gewalt; sie steht im Gesetz. Im Menschen kann sie es werden. Dann aber wird sie zum Organ des Dämons, und der Mensch verfällt ihr – und ihm. Dann entstehen jene Dinge, die keiner verantwortet. Jene Vorgänge, vor denen jedem graust. Jene Zustände, deren sich alle schämen – und vor denen doch jeder sich für unzuständig erklärt“ (53). Zitiert im Blog der Äbtissin von Marienfeld, 14. August 2025. Sie liest Romano Guardini, Die religiöse Offenheit der Gegenwart (Ostfildern / Paderborn 2008).

[26] Guardini, Wikipedia.

[27] Joh 13,14.

[28] Mt 11,29.

[29] Mk 10,42-45.

[30] Und Offb 5,10: „Und du hast die für unseren Gott / zu Königen und Priestern gemacht; / und sie werden auf der Erde herrschen.“ (Siehe auch Offb 4,11; 5,9.10.12 – „Würdig ist das Lamm, Macht zu empfangen…“).

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