Aschermittwoch 2026
Aschermittwoch 2026 – … dass ich so von Gott rede, wie es sich für Gott gebührt. Erster Tag der Fastenzeit. Das Evangelium spricht – wenig überraschend – vom Fasten. Es gibt da heute aber auch andere Gedanken und Bilder: das Verborgene („Dein Vater, der auch das Verborgene sieht“); das Vergängliche („Gedenke, o Mensch…“). Was hat das Fasten mit dem Verborgenen und mit dem Vergehen zu tun? Die meisten fasten nicht um zu vergehen, sondern ganz im Gegenteil um zu bleiben. „Ich habe sechs Wochen lang keinen Alkohol angerührt!“ Das ist doch nicht der Ruf eines Menschen, der vergehen will; so spricht einer, der sich behauptet. Wer so redet, geht in die Öffentlichkeit, bleibt nicht im Verborgenen. Bei alldem frage ich mich: Ist nicht der Aschermittwoch ein Tag eher für die Alten? Die Kinder lernen in der Fastenzeit etwas von der Disziplin, die es fürs Leben braucht. Man bekommt nun einmal nicht immer und nicht sofort das, was man will. Kinder müssen lernen, sich nicht zum Deppen der eigenen Wünsche und Begierden zu machen. Wenn es noch ein wenig besser geht, lernen die Kinder in diesen sechs Wochen etwas vom Schenken. Denn man kann ja fasten für. Fasten als Geschenk für einen anderen, / anstelle eines anderen, / für Jesus. So bleibt man in seiner Nähe. Fasten in der Nähe Jesu, das wäre ein schönes Motiv für Christen. Aber wirklich verstehen können diesen Tag vielleicht doch nur die, die schon etwas wissen vom Nie-mehr, vom Immer-weniger-werden. Das sind eher die Alten als die Kinder (oder habe ich nur vergessen, wie das ist, ein Kind zu sein?). Was ich nicht vergesse, sind die in den Altenheimen. Seit meiner Jugend besuche ich so gut wie jede Woche alte Menschen. Früher arglos, heute immer nachdenklicher. Wer würde an den Stühlen und Betten dort entlanggehen, wer würde zuhören und sich dann denken: lauter erfüllte Leben? Keiner. Was meine Augen sehen und meine Ohren hören, das sind doch eher ausgelebte, ausgebrannte Leben. So viel Leere. – Aber was sehen unsere Augen schon? Immer nur den einen Moment. Gott sieht anders. Wir träumen alle von einem erfüllten Leben, das dann eines Tages sanft und ernst hinübergeht in die andere Welt. So seien die Heiligen gestorben, erzählt man uns. Man erzählt vom Leiden, das einen Sinn hat und angenommen wird, nicht nur hingenommen. Aber stimmt das alles? Ich nehme eher wahr Erschöpfung, das große, vielleicht bittere Es-reicht-nun, die Leere. Ist das Alter nicht genau das: immer weniger, immer leerer werden? Kommen Sie mir nicht mit den Erinnerungen. Wenn die nicht gleich falsch sind, dann sind sie steril. Jede Erinnerung plärrt: nie mehr wieder! Werden die, die alt werden, denen die Kräfte nachlassen, werden die alle innerlich immer reicher, immer voller? Schön wär’s, ja. In der Jugend, in der Kindheit wird das, was uns genommen wird, gleich ersetzt durch etwas Neues. Nicht nur neu, sondern vielversprechend. Der Zwölfjährige freut sich darauf, siebzehn zu werden. Dann aber, in den letzten Lebensjahren, wird nur genommen und genommen und genommen. Wenn wirklich etwas Neues kommt, dann ist das unbekannt und furchterregend. Das Neueste überhaupt ist der Tod, so neu, dass keiner sagen kann, was genau der Tod ist. Vielleicht ist es tatsächlich so: Das Leben, die Jahre und Tage machen uns leer. Das Leben nimmt uns nach und nach alles. Wir werden verborgen vor der Welt; wir werden zur Aufgabe für die anderen, aber nicht zu ihrer Freude. Was wir denken, wird bedeutungslos; es entscheidet nichts mehr. Wir verlieren die Kraft, die Schönheit, die Lust am Leben, vielleicht eines Tages den klaren Verstand, vielleicht sogar den liebevollen Glauben (wenn wir den je hatten). Ich habe in den letzten zwanzig Jahren genau zwei Menschen getroffen, deren Glaube wuchs am Ende des Lebens. Vielleicht ist am Ende wirklich Leere. Vielleicht muss es so sein: Leere, arme Leere – die Gott füllen wird. Schwer zu ertragen für alle, die machen wollen, nicht empfangen. Damit sind wir beim Fasten. Christen fasten anders als die Leute. Christen fasten nicht, um sich und anderen etwas zu beweisen, nicht um stärker, gesünder, schlanker zu werden. Christen fasten nicht, um einen Vorrat an guten Werken anzulegen, den sie dann irgendwann präsentieren können als Eintrittskarte in den Himmel. Christen fasten, um leer zu werden. Um zu merken, wie das ist, leer und arm zu sein. Vielleicht ist der Aschermittwoch der Tag – einer im Jahr! –, der da ist, damit wir das Sterben lernen. „Gedenke, o Mensch…“ Der Glaube ist eine große Lebensschule. Wir lernen, gut zu leben. Das aber führt zu einer lebenswerten Gesellschaft. Lebenswerter als die, in der wir heute leben. Der Aschermittwoch ist der Tag, der nach Ihrem Glauben fragt: Glaubst du an Gott, der nimmt, ja, der aber noch mehr gibt, immer mehr? Glaubst du an die Auferstehung? FÜRBITTEN Heiliger Geist, Gib uns Kraft, durchzuhalten! Gib uns den Elan anzufangen! Bewahre uns vor der Faulheit! Gib unserer Zeit einen Sinn für das Verborgene! Nimm uns die Angst vor der Leere! Heiliger Geist, nimm uns die Angst vor dem Neuen! Wir beten um eine Fastenzeit in der Nähe Jesu. Lehre uns, für andere zu fasten. Damit Gemeinschaft entstehe. Wir beten um die Bekehrung der Reichen und der Mächtigen. Wir beten für unsere Kranken. Das Leiden soll sie in die Nähe Jesu führen. Wir empfehlen Gott die Sterbenden und die Gestorbenen. Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt in Trennfeld am Main am 18. Februar 2026
Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes
Bewahre uns vor Jammern und Verzärtelung!
