Hochfest der Gottesmutter
Hochfest der Gottesmutter Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes „Was ein Schmarren!“ Wenn Sie so denken und es dabei lassen, ist die Tür zu. Wo keine Frage mehr ist, wo alles Nachdenken gemieden wird, da besteht erstens Blödel-Verdacht und zweitens – viel schlimmer – geht es mit der Kirche nicht weiter. Ohne Gläubige, die nachdenken, steht die Kirche still. Ich will, dass es weitergeht; dafür bin ich bereit zu allerhand Anstrengungen. Also: Erster Januar – Tag der Klärungen. Neujahr, Kater, Vorsätze, leichtes Grauen, weil das Ende des Urlaubs naht: So ist das da draußen; so ist das vielleicht bei Ihren Verwandten und Freunden. Hier ist es anders. Erster Tag des neuen Jahres – Hochfest der Gottesmutter. Und schon wird ’s spannend. Eine Frau gebiert Gott, ein Mensch bringt Gott zur Welt. Eine Mutter ist Jungfrau. „In Glanz unversehrter Jungfräulichkeit [1]“ hat Maria den Erlöser geboren, ruft die Liturgie. Da können Sie jetzt denken: „Was ein Schmarren!“ und aussteigen. Oder Sie können fragen: „Wie geht das? Wozu das?“ Sie kennen alle die berühmte Verkündigungsgeschichte. Der Engel kommt zu Maria und sagt ihr: „Du wirst ein Kind empfangen … Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ Hier beginnt das Gegacker am Stammtisch, das aus Joseph einen einfältigen, betrogenen Mann macht, aus Maria ein Flittchen und aus der Kirche eine betrügerische Geschichtenerzählerin. Empört Sie das gar nicht, wie die Leute über unseren Glauben reden? Wer Katholik*in sein will, sollte schon ein paar Dinge wissen (und im Kommunionunterricht oder den Predigten sollten die Leute auch etwas lernen). Über die „Unbefleckte Empfängnis“ z. B. wird gerne gelacht, weil die Dumpfbacken denken, das habe mit Sex zu tun. „Unbefleckte Empfängnis“ meint aber, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an, also noch im Leib ihrer Mutter unbefleckt war von jeder Sünde. Im Hinblick auf ihren Sohn, den Erlöser. Scheint mir sinnvoll. „Der Heilige Geist wird über dich kommen“, heißt nicht, dass Gott in diesem Moment der Vater Jesu wird. Das ist er nämlich schon. Vor aller Zeit. Im einen Gott sind drei Personen: Vater, Sohn – Vater und Sohn! – und Heiliger Geist. Nazareth liegt nicht im griechischen oder indischen Götterhimmel. In dem jüdischen Städtchen wird kein Halbgott gezeugt, teils Mensch, teils Gott. Gemeint ist vielmehr: Bei der Empfängnis Jesu spielte kein Mann eine Rolle, nichts Männliches. Das Kind wird empfangen „sine semine“ wie die Liturgie singt, „ohne Samen“. Es ist eine Schöpfung und keine Zeugung. Gott der Schöpfer bewirkt in Maria etwas Neues, eine neue Schöpfung. Deren Anfang Jesus ist. In den Evangelien steht nichts von körperlichen Berührungen zwischen Gott und Maria. Es ist der Gehorsam Marias, ihr Vertrauen also, das die Tür öffnet zu diesem Wunder (!). Gottes Schöpfer-Geist erschafft in ihr das Kind. So ist Jesus der neue Adam, der Neuanfang aus einer Jungfrau, also einer „neuen“ Frau, die ganz dem Willen Gottes vertraut. Maria selbst ist zu einem Teil Geschichte, sie hat Eltern, sie lebt dort und dort, sie ist Jüdin, aber zum anderen, größeren Teil ist Maria radikaler Neubeginn: ohne jede Sünde, immerwährende Jungfrau. Neu, neu, neu! Sie wissen alle, welcher Druck von Schulkameradinnen, Prosecco schlürfenden „Mädelsrunden“, von jungen Männern, sogar von Eltern ausgeübt wird, wenn eine junge Frau keinen Sex hat oder keinen haben will. Wenn die Leute „Jungfrau“ hören, sagen sie: „Hä? Gibt’s das noch?“ Oder: „Verklemmte Betschwester.“ In Theolog*innenkreisen sagt man gern: „leibfeindlich“. Wer nicht gleich Sex hat und katholisch ist, der ist leibfeindlich. O heilige Einfalt! Man kann bei „Jungfrau“ aber auch ganz anders denken: Jungfrau, das ist ein Bild des Neuen, des Unversehrten oder, warum nicht, des Reinen, über das kein anderer verfügen darf. Für mich ist die Jungfrau die Frau, die selbst entscheidet. Das einmal als Erstes. Maria entscheidet sich, Gott zu vertrauen. Merken Sie jetzt, wie sinnvoll es ist, dass die Kirche den ersten Tag des neuen Jahres der Gottesmutter weiht? Das geht nicht, stimmt schon, ohne die Zumutungen des Glaubens. Die machen mir aber keine Angst. Ich vertraue dem Evangelium, den Heiligen, der Kirche. Ich vertraue Gott und glaube fest, dass es zwei Punkte gibt, an denen Gott unmittelbar in die materielle Welt eingreift: die Geburt aus der Jungfrau und die Auferstehung aus dem Grab. Beide ein Skandal für den modernen Geist. Der meint: Gott darf in den Gedanken wirken, aber nicht in der Materie. Moderne Leute machen Gott so gerne Vorschriften! Ich denke mir lieber: Je älter und verfahrener diese Welt wird, desto mehr ist dieses Fest eine Chance. Der Glaube hat wirklich mehr zu bieten als ein paar alberne Vorsätze zur Selbstoptimierung. Der Glaube schenkt uns den absoluten Neuanfang: Jesus und Maria, Maria und Jesus. Bei ihnen werden wir selber neu. Wenn Sie allerdings Angst davor haben, neu zu werden durch Gott, dann wird das nichts. [1] Präfation der Marienmessen FÜRBITTEN Der Name „Jesus“ bedeutet: Gott hilft. Wir beten um eine neue Welt. Wir beten um eine ruhige, gesegnete Weihnachtszeit für unsere Freunde. Wir beten für die verfolgten Christen. Wir beten um Mut und Furchtlosigkeit im neuen Jahr. Wir beten um mehr Liebe in uns. Christus, Du warst als Kind Maria und Josef untertan: Segne die Kinder unserer Familien. Wir beten für unsere Kranken. Wir beten für unseren Papst. Wir beten für unsere lieben Toten Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors. Die Predigt zum Download finden Sie hier!Die Predigt zum Anhören
Predigt am 01. Jänner 2026 in Steinfeld
Der Name des Kaisers „Augustus“ bedeutet: der Erhabene.
Was ein glücklicher Unterschied! Wir danken für einen Gott, der hilft.
