Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020

21/05/2020 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Körper, sonst nichts. Kein Gedanke, keine Rücksicht, kein Morgen, nur Lust. So etwas wird schon toll sein; sonst würden ja nicht so viele Menschen davon schwärmen. Aber irgendwann kommt die Einsicht: Glück ist etwas anderes. Glück ist mehr als Lust. Glück ist Weite. Lust ist konzentriert auf einen einzigen Punkt, auf einen Moment; Glück dehnt sich aus wie ein Duft oder wie das Licht – und wird dabei nicht weniger. Glück ist erstaunlich.

Wenn ich einen Menschen liebe, dann ist da nicht nur ein Körper, nicht nur ein Moment; dann sind da Tage und Jahre, Zukunft und Erinnerungen, sein Reden, sein Lachen, sein Schweigen, die Art, wie dieser Mensch denkt und wie er handelt. Glück ist so viel! Und das Glück wird noch größer, wenn aus zwei Menschen ein dritter wird und ein vierter. Die Mütter und Väter hier wissen das. Liebe verströmt sich. Durch so viele Herzen, durch Räume und Zeiten.

Und genau so ist es mit der Himmelfahrt Christi. Es wird schon toll gewesen sein, mit Jesus beisammen zu sitzen, ihn zu sehen und zu hören, erst recht nach seiner Auferstehung. Aber das haben ja nur ein paar Menschen erlebt, nur kurze Zeit. Zu wenig für das, was dieser Mann zu bieten hat… Mit der Himmelfahrt werden alle Grenzen gesprengt. Er ist im Himmel, das heißt: Er ist da. Hier in dieser Kirche genauso wie in einer Kapelle in Alaska. In diesem Menschen genauso wie in jenem. Das ist das Erste, was Ihnen dieser Festtag schenkt: Erweiterung. Keine Angst mehr, Christus könne irgendwo nicht mehr sein oder Christus könne aufhören. Himmelfahrt bedeutet: überall, für immer.

Die Himmelfahrt Christi bedeutet eine Art Abschied, stimmt. Aber nicht: Schluss, aus. Das Ereignis markiert eine Etappe, eine Veränderung, aber kein Ende. Ganz im Gegenteil. Himmelfahrt bedeutet: Es geht weiter!

Mit sehr konkreten Folgen. „Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ Dieser Auftrag wirkt bis hierher in diese Kirche.

Ihnen ist schon klar, dass dieser Auftrag erst ganz am Ende kommen konnte? Hätte Jesus das gesagt lange vor Ostern, ohne die Himmelfahrt, dann hätte das bedeutet: Ich bin weg, macht ihr jetzt. Zieht los und redet, gründet Krankenhäuser und Schulen, setzt Pfarrer ein und so weiter und so weiter. Dann wäre die Kirche unser Ding. Ein paar Erinnerungen an Jesus und sonst mehr oder minder erfolgreich Wursteln. Wir wären allein.

So aber, mit der Himmelfahrt, ist Jesus entgrenzt. Wir gehen zu allen Menschen…, und er ist dabei. Das ist der große Unterschied zu jedem anderen Werk dieser Welt. Er ist dabei, und deswegen ist die Kirche göttlich.

„Ich bin bei euch“, bedeutet doch: Ich bin nicht fort.

„Er sitzt zur Rechten des Vaters.“ – Das bedeutet: Vollendung. Ich bin beim Vater und bei Euch. Die wahre Kirche entsteht also nicht, weil Jesus fortgeht, sondern weil er da ist, für immer. Die wahre Kirche ist in den Momenten, wo wir merken: Da ist mehr als wir. Er ist da.

„Er wird wiederkommen in Herrlichkeit.“ – Das bedeutet nicht eine Rückkehr, sondern eine Offenbarung. Wenn er wiederkommt in Herrlichkeit, wird jedem Menschen klar werden, dass Christus schon immer da war. Dann wird alles gut.

„Alles wird gut!“ Hat man Ihnen das auch gesagt in den letzten Wochen? Haben Sie es selbst gesagt? Dann haben Sie Unsinn geredet. – „Alles wird gut!“ Ich verstehe, dass man sich das wünscht. Aber es wird nicht alles gut. Wird überhaupt etwas gut? Und wenn ja, was?

Irgendwie haben alle geglaubt, es könne nichts passieren. Bloß weil bisher nie etwas passiert war. Oder sich niemand mehr erinnern konnte. Vielleicht sollten wir den Alten mehr zuhören, die noch wissen, was passieren kann… Viele konnten sich nicht vorstellen, dass man an dem Virus tatsächlich zugrunde zu gehen kann. Viele können sich nicht vorstellen, dass vielleicht eine Epoche zu Ende geht. So wie sich das die meisten Russen 1914 nicht vorstellen konnten. 1917 wussten sie es besser. So wie die Leute auf der Titanic sich nicht vorstellen konnten, dass dieses Schiff sinken könnte; so wie die Leute sich noch vor zwei Jahren nicht vorstellen konnten, dass das Klima sich wandelt.

Wir haben uns eingeredet, die Methoden des Kapitalismus seien „alternativlos“. Wir haben gelebt mit der Überzeugung, dass wir ein Recht haben auf Glück und Wohlstand und Sicherheit. Jetzt wissen wir, dass das nicht so ist. Dass es sehr schnell total anders sein kann.

Alles wird gut? Die Wahrheit ist: Niemand weiß, ob es gut wird.

„Alles wird gut“, kann streng genommen nur sagen, wer an die Auferstehung glaubt. Bei Gott wird es gut. Sonst nirgendwo. Und für uns wird es nur gut, wenn wir zu Gott passen. – Passe ich zu Gott? Bin ich Gott-fähig? Passen Menschen, die nicht verzeihen, zu Gott? Passen Menschen, die andere ausrichten, die sich jahrelang nie für Gott interessieren, passen die zu Gott?

Dazu gibt es die Kirche: Um Menschen und Gott zusammenzubringen.

Ich sehe die Menschen und erkenne: Menschen wollen geachtet werden von den anderen; sie wollen in Sicherheit sein, keine Schmerzen haben, nicht alleine sein. Aber den meisten Menschen ist es ziemlich gleich, ob sie zu Gott passen oder nicht. Gott ist ihnen fremd, und für die meisten ist das ist nicht weiter schlimm.

Sie wissen, wie Sie sind. Und Sie wissen, wie Sie sein könnten. Vielleicht sind Sie traurig, tief innen, dass Sie nicht so sind, wie Sie gedacht waren. Aber eigentlich haben Sie resigniert. Sie ärgern sich sogar, dass Gott Sie anders will, besser, edler, heiliger. Sie wollen bleiben, wie Sie sind. Es soll bleiben, wie es ist.

Und da kommt ein winziges Teil, und nichts mehr ist, wie es war.

Christi Himmelfahrt ist nur dann von echtem Interesse, wenn Sie zu Christus gehören. Darum geht es. Nur wenn Sie so leben, dass Sie zu Christus gehören, wird seine Himmelfahrt auch Ihre.

Erst dann, bei Ihm, beim Vater wird alles gut.

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