Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Dritter Fastensonntag (A), 15. März 2020

15/03/2020 


In Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Ist das eine Strafe oder eine Verschwörung? Ist es vielleicht eine Chance? Ist es eine Katastrophe für Eltern, für alte Menschen und für jeden, der ein Geschäft hat, – aber letztlich ein Segen für die Menschheit? Weil sie kapiert, was sie ohne Krise nicht kapiert hätte: Wie nötig es z. B. ist zusammenzuhalten.

Sie sind nicht die ersten, die Fragen stellen. In der uralten Geschichte aus dem Alten Testament geht es um genau das Gleiche. Den Israeliten – einer ganzen Nation – geht es schlecht. Sie wissen nicht, was werden soll. Da fragen sie das große Warum. „Warum habt ihr uns aus Ägypten hierhergeführt?“ Und sie fragen nach Gott: „Ist der Herr in unserer Mitte oder nicht?“ M. a. W. hat Gott mit all dem zu tun? Zu was ist Gott eigentlich gut? Ist Gott schuld?

Irgendwie schon; er hat schließlich die Welt erschaffen! Und das Leben! Mit dem Leben haben die Viren zu tun (wie genau, wissen selbst die Forscher nicht). Die Welt und das Leben: Daran ist Gott schuld. Wenn Sie das wirklich Schuld nennen wollen. Aber Gott hat nicht die Wirtschaft erfunden, nicht die Flugzeuge, den Tourismus, die Fußballstadien und die Globalisierung. Das alles ist Menschen eingefallen. Wer ist also schuld an der Seuche?

Warum? Fragen die Israeliten und fragen Sie. Manche antworten: China ist schuld! Manche: Die Ausländer! Andere behaupten: Jetzt geht die Welt unter! Das sind die besonders Schlauen. Haben die höhere Einsichten? Diese Welt wird vergehen, wann und wie Gott es will. Aber Seuchen, Erdbeben, Kriege, Feuersbrünste gab es vor Christus und nach Christus; es gab Pest und Cholera, und die Welt ist noch immer da.

Manche sagen: Das ist eine Verschwörung, jemand hat einen bösen Plan; die Regierung weiß mehr als sie sagt. Natürlich weiß die Regierung mehr, als sie sagt! Jede Mutter weiß mehr, als sie den Kindern sagt, jeder Vater. Jeder Bürgermeister und jeder Chef weiß mehr, als er seinen Leuten sagt. Das gehört zur Autorität, zu Klugheit und Verantwortung. Was ist Ihnen lieber: eine Regierung, die umsichtig wirkt und ruhig – oder ein Land in Panik? Alles sagen, egal wann, egal wem, das dürfen nur die Narren.

Warum? fragen die Leute, und da tut Gott etwas, was sie nicht verstehen. Er sagt Mose: „Geh am Volk vorbei (!), nimm auch den Stab in die Hand und mach dich auf. Dort drüben auf dem Felsen werde ich vor dir stehen. Dann schlag auf den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken.“ Das Volk versteht nicht, Mose versteht nicht. Aber er gehorcht und handelt. Dann, aber erst dann! verstehen alle: Es war gut so. Wir sind gerettet. Die Probe ging gut aus. Die Menschen hatten Gott auf die Probe gestellt – und Gott die Menschen. Prüfungen klären etwas.

Wir machen gerade Erfahrungen, die die meisten noch nie gemacht haben. Unsere Freiheit wird eingeschränkt auf völlig ungewohnte Weise. Bis jetzt konnte man die Illusion haben, frei zu sein. „Morgen fliege ich nach Mailand, nächste Woche nach Berlin.“ Damit ist jetzt Schluss. Dazu kommen wirtschaftliche Sorgen, wie sie sich keiner vorstellen konnte. Ganz viele kleine Unternehmen und Selbstständige wissen nicht, ob ihr Geschäft im Sommer noch besteht. Ich beneide die Politiker der Regierung nicht!

Und ich überlege: Was müssen wir tun, wir Katholiken? Was an der ganzen Misere ist vielleicht eine Chance? Ist in dem Ganzen nicht auch ein geschichtlicher Auftrag? Ich traue mich sogar zu denken, die Krise könne eine Hilfe Gottes sein, um uns alle zu retten. Das allein zu überlegen, hilft gar nichts. Das müssen wir gemeinsam tun. Ich kenne Sie und Ihre Schwächen (wie Sie meine), aber ich vertraue Ihrer Stärke.

Sie hier haben trainiert. Sie haben sich Sonntag für Sonntag getroffen, haben nachgedacht, gebetet, zusammen gefeiert. Wozu? Um jetzt stark zu sein.

Keiner von uns wird in Panik verfallen! Keiner wird egoistisch werden! Keiner wird Blödsinn reden! Wir alle erkennen: Die erzwungene stille Zeit ist eine Chance. Jetzt haben wir eine echte Fastenzeit. Wir werden Phantasie beweisen, Zusammenhalt, Ruhe, Glauben. Die anderen, die, die nicht hierher kommen, die nicht glauben, die nicht beten, die zählen jetzt auf uns.

Zwei Fragen bleiben: 1.) Was tun? 2.) Woher die Kraft nehmen? Ich bin kein Arzt und kein Politiker. Ich habe von den meisten Dingen keine Ahnung. Aber ich kann lesen. Da steht: „Mach dich auf!“ Und dann: „Schlag auf den Felsen!“ Ich verstehe: Sitzenbleiben, innerlich vor allem, ängstlich oder träge, das geht gar nicht. Mose muss sich aufmachen, ohne genau zu wissen, wohin es geht. Verweigern kann er sich nicht, weil es sonst keine Lösung gibt. Dann muss er auf den Felsen schlagen. Haben Sie schon einmal auf einen Felsen geschlagen? Das kostet Kraft, oder? Und Mose weiß noch nicht einmal, zu was das gut sein soll; er weiß nicht, ob das helfen wird. Wie wir heute. Aber er geht los, er macht mit, er gebraucht seine ganze Kraft – und wartet, was kommt.

Wissen Sie, was kommt? Die Rettung. Der Herr ist in unserer Mitte! 

Und woher die Kraft? Die Antwort findet sich in der Geschichte von Jesus und der samaritanischen Frau. Normalerweise sprechen Samariter und Juden nicht mit einander. Jesus und die Frau reden zwar mit einander, aber lange aneinander vorbei. Es ist nicht immer sofort einfach mit den anderen… Doch irgendwann wird der Frau klar, um was es geht. Sie versteht, was Jesus meint, wenn er von einer Quelle im Inneren spricht, aus der „Wasser für das ewige Leben“ strömt. Kraft. – In Ihrem Inneren, da ist der Glaube an Christus. In Ihrer Taufe trat Christus in Ihre Seele. Wo aber Christus ist, ist Leben. Und was ist Leben? Kraft. Manchmal spürt man das, manchmal weiß man es auch nur. Wenn Sie Ihren Glauben immer wieder erneuern, hier in der Kirche, wenn Sie in diesem Glauben die Sakramente empfangen, Taufe, Vergebung, Eucharistie, dann haben Sie die Kraft, diese Situation in einen Segen zu verwandeln.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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