Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Malteserorden

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Christtag 2019

25/12/2019 


Herrlichkeit

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

„Wir haben seine Herrlichkeit geschaut.“ Was soll das? – Es geht offenkundig um Christus (an Weihnachten geht es um Christus). Welche „Herrlichkeit“ sehen wir, wenn wir ihn anschauen? Wir wissen nicht, wie Jesus aussah. Wir haben keine Ahnung, ob die vielen Bilder die Wahrheit sagen (aber das weiß man von Bildern auf Instagram ja auch nicht). Wir wissen, wie Jesus redet, wie er Menschen begegnet, dass er weinen kann und zornig werden, dass er heilt und wie er leidet. Das alles werden manche beeindruckend finden, – aber herrlich?

Wer anfangen will, das Evangelium zu verstehen, darf nicht überhören, von welcher Herrlichkeit es spricht: „die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater.“ Es geht also gar nicht um das, was wir sehen können; nicht um Charakterzüge oder Taten Jesu. Es geht um sein Wesen. Um das, was dieser Mann im Tiefsten ist: der Sohn Gottes. Gott Sohn. Dieses Ungeheuerliche – die Göttlichkeit Jesu – kann gar nicht sichtbar werden. Sie ist zu groß für menschliche Augen.  Das Göttliche ist das immer zu Große. Deswegen ist es besser zu sagen: Wir haben seine Herrlichkeit geschaut, – statt gesehen. Es ist ein Unterschied zwischen dem Schauen und dem bloßen Sehen. Sie können ihr Kind einfach ansehen, wie es seine Pizza verschlingt und Sie können Ihr Kind schauen: eine Ahnung haben von seinem Wesen und Sein.

Es geht also um Christus. Seine Herrlichkeit ist zuerst innerlich. – Früher konnte man vom Inneren gar nicht reden; die Leute hätten sich an den Kopf gegriffen. Heute achten viele auf ihr Inneres und meinen damit Gefühle, Geschichte, Befinden… Das ist viel zu kurz gegriffen, aber die Richtung stimmt (auch wenn es gut wäre, über lauter Innerlichkeit, Achtsamkeit, Glück, Zweisamkeit nicht die „öffentlichen Dinge“ zu vergessen). Wir können uns also, darauf will ich hinaus, interessieren für das, was Jesus im Inneren war. Die Frage ist uns nicht komplett fremd, oder?

Paulus schreibt einmal: „Jesus hat mich geliebt und sich für mich hingegeben“ (Gal 2,20). Paulus hat Jesus nie getroffen! In seinem Inneren wusste Jesus, für wen er sein Leben gab. Er wusste um jeden einzelnen Menschen. Um jeden hier. So wissen, das kann kein Mensch; das kann nur Gott.

Johannes betont immer wieder: Jesus zeigt den Menschen den Vater. Jesus kann den Vater aber nur dann zeigen, wenn er ihn kennt, oder es geht nur um seine Hirngespinste. Gott kann nur durch Gott erkannt werden, Gott Sohn kennt Gott Vater. Und so, weil er den Vater im Inneren kennt, hat Jesus „Kunde gebracht“.

Jesus weiß alles. So zeigen ihn die Evangelien. Er weiß aber nicht wie ein irgendwie erleuchteter Mensch; er weiß, wie nur der Mensch gewordene Gott wissen kann. Er wusste auf menschliche Art, aber was er wusste, das kam aus seiner Gottheit. Er musste lernen wie wir, aber in seinem Inneren schaute er Gott. Jesus wusste wie ein normaler Mensch, wie ein Prophet und wie der Sohn Gottes.

Im Jesu Leben gab es Taten, Willen, Erfahrungen, Gefühle… Das aber ist noch nicht alles. Es gibt auch seine Seele. Die war immer mit Gott. Und hier sind wir bei Ihrer Tauf-Berufung. Christsein heißt: nicht irgendwie anständig leben (das tun auch die Heiden), sondern im Innern mit Gott geeint sein, Christus ähnlich. Hier gehen uns die Möglichkeiten auf, die ein Mensch hat. Normalerweise denken wir: Ein Mensch kann ein braver Mann sein oder ein Genie, ein Diktator oder ein Menschenfreund. Eigentlich sind die Grenzen eng gezogen. Jetzt aber geht uns auf: Kind Gottes, das kann der Mensch sein. „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er die Macht, Kinder Gottes zu werden; allen, die an seinen Namen glauben… allen, die aus Gott geboren sind.“ Hammer!

Wenn Sie das annehmen und leben könnten, sähe die Kirche ganz anders aus; sie bliebe nicht stecken in konservativ-progressiv, im Geht-nicht, War-noch-nie-so… Also: mehr Glauben! Mehr heilige Fantasie!

Glauben heißt: Gott annehmen. Wer wirklich glaubt, macht sich auf für Gott. Für die Gnade. – Gnade ist das Wohlwollen Gottes. Die Hilfe, die Gott schenkt. Hilfe, nicht, um gesund und in Frieden durch die 70, 80 Jahre Leben zu kommen, sondern um „teilzuhaben an der göttlichen Natur und am ewigen Leben“ Gottes (Katechismus, 1996). Das ist möglich, weil wir in der Taufe mit Christus vereint wurden. Der Heilige Geist haucht dem Menschen die wahre Liebe ein. Also: nicht Liebe, die wir uns mühsam abringen in einer Mischung aus gutem Willen und Disziplin, sondern geschenkte Liebe.

Ich weiß, das ist Ihnen fremd. Es kann kaum anders sein. Denn diese Berufung geht über den Verstand und den Willen hinaus. Die Gnade ist übernatürlich; also entzieht sie sich unserer Erfahrung. Sie ist nur durch den Glauben zu erkennen, nicht durch Gefühle. Allenfalls an dem, was wir im Leben bewirken, können wir ermessen, ob die Gnade in uns am Werk ist (Fruchtbarkeit, Lebendigkeit, Leichtigkeit statt Schwere, Liebe).

Die Gnade macht die Seele fähig, mit Gott zu leben und aus seiner (!) Liebe zu handeln. Die Sünde bremst diese heilige Dynamik aus. Wenn Sie sich auf Gott einlassen, ähnlich Christus, wird an Ihnen wahr, was die Liturgie von einem Heiligen sagt: „Ein solches Leuchten ging von ihm aus, dass er, obgleich auf Erden wandelnd, seine Bleibe im Himmel zu haben schien.“ Wenn Sie sich einlassen, werden Sie Herrlichkeit.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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