Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Dritter Adventsonntag, 15. Dezember 2019

15/12/2019 


Geduld

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Oft würde ein einfaches Nein genügen. Nicht das patzige Nein aus Ungeduld oder stumpfer Wut; nicht das vulgäre Nein, das sich auf den „gesunden Egoismus“ beruft – „so bin ich eben!“ –, sondern das klare, ruhige Nein, das aus ebenso klarer, ruhiger Erkenntnis kommt: Es gibt jetzt Wichtigeres. Nein, jetzt ist nicht die Zeit dafür. Nein, denn dies wird schaden. Warum trauen sich das so wenige? Nein – und schon wäre Luft zum Atmen.

Wenn das Nein nicht geht, geht Geduld. „Haltet geduldig aus!“ Genau an den dritten Adventsonntag hat die Kirche die Lesung aus dem Jakobus-Brief gesetzt: die Stelle, wo er ganz nachdrücklich von der Geduld spricht. Viermal fällt das Wort! Eine Woche vor Weihnachten, wenn es richtig zugeht, sagt uns einer: „Seid geduldig!“ Fast möchte man unwillig werden… Aber dann, wenn man sich einlässt, dann wirkt es. Ruhe. Ruhiger Atem, klarer Kopf. Geduld ist das Gegenteil von „schlaffen Händen“ und „wankenden Knien“ (Isaias). Geduld ist Energie.

Geduld entsteht aus einer Frustration – und wird zur ruhigen Freude. Das Leben sagt dir: Jetzt nicht. Funktioniert nicht. Hängt. Die machen nicht mit, kapieren nichts… Und dann, nach deiner inneren Bekehrung, weißt du: Es wird kommen. Ich habe Zeit.

Einmal in der Woche, am Sonntag, für eine Stunde, steigen Christen aus. Wir werden langsam. Nichts drängt uns. Die Gedanken, die so nervös-müde durcheinanderwirbeln, werden ruhiger.

Der Ablauf ist immer gleich und regelmäßig, beinahe langweilig. Hier in der Kirche muss nichts passieren, und was geschieht, das machen wir nicht. Was wirklich geschieht, geschieht durch einen anderen. Wir spielen ein heiliges Spiel und treten, je besser wir spielen, zurück hinter Formen und Gesten. Wir vergessen uns, ohne dabei weich zu werden. – Der Tänzer, der Musiker, der Schauspieler… sie haben verloren, sobald sie an sich denken. Wenn sie gut sind, verlieren sie sich und sind dennoch ganz konzentriert, völlig klar. Die Bewegung mag schnell sein, presto, Leidenschaft, – aber der Kern ist ruhig. Der Gottesdienst ist eine Einübung in Geduld. Eine andere Zeit.

Geduld, ausharren, warten: Mögen wir nicht. Kein Wartezimmer, keine Schlange, keine lange Zugreise. Besser: in einer Stunde nach Berlin fliegen, für 20 €, für zwei Tage. Besser: keine Diskussionen, keine Fragen, keine schwierigen Gedanken. Braucht alles Zeit. – Vielleicht packen die Leute den Advent deshalb so voll, weil ihnen das Warten so unangenehm ist. Lieber drei Stunde blöde Weihnachtsfeier als eine Stunde still und allein sitzen…

Dabei wissen wir, dass es ohne Warten nicht geht. Die Weinbauern draußen wissen, dass der Wein Zeit braucht, um gut zu werden. Die Propheten im Alten Testament wissen, dass sie vielleicht nicht erleben werden, was sie doch sehen, innendrin. Sie können nichts tun, dass es schneller geht. Die Propheten sehen das Übel in ihrem Land, sie sehen, was im Argen liegt und besser sein könnte, viel besser. Sie brennen vor Sehnsucht nach dem Reich Gottes. Aber ihre Leute verstehen nichts, und Gott scheint zu zögern. Vielleicht ist er gar nicht da… Die Propheten sind die Geduldigen.

Die Geduld ist eine Stärke, keine Schwäche. Stark sein vor dem so langsamen Wachsen des Lebens, vor den Widrigkeiten der Welt: „Macht euer Herz stark“ (Jakobus). Geduld hilft zum guten Warten und zum Ertragen dessen, was nervt. Der Geduldige weiß, dass das Leben Zeit braucht; dass der Weg geht durch Irrtümer, Fragen, Umwege … Der Geduldige kann den anderen aushalten („klagt nicht übereinander“). Geduld heißt: Die Dinge bestimmen lassen. Die anderen Menschen bestimmen lassen. Die Zeiten bestimmen lassen. Denn in alledem kann Gott sein. „Seht, der Richter steht schon vor der Türe!“

Gott sagt dem Menschen: Du wirst gar nichts ändern. Nicht die Jahreszeiten, nicht deine Geschichte. Ich bin es, der alles ändert. Vertraue!

Man kann die Geduld einüben, gewiss. Aber wie alles Gute in unserem Herzen ist auch sie ein Geschenk. Die wahre Geduld kommt aus dem Vertrauen; sie ist Ausdruck der Hoffnung. Vertrauen und Hoffnung aber sind ohne Liebe unmöglich. Die Geduld kommt also aus der Liebe. Die Liebe aber kommt von Gott zu uns. Sie ist Gnade. Wir nehmen die Gnade an – oder nicht. Wir nehmen die Liebe an und verwirklichen sie, – indem wir geduldig sind.

Der Mensch sagt Gott: Komm! Komm, wann du es willst, ich warte in froher Geduld.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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