Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

Malteserorden

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2. Adventssonntag, 8. Dezember 2019

08/12/2019 


Trost

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Hl. Geistes

Der umgehauene Baum. Ein vertrockneter Stumpf. Der Wohnblock am Stadtrand. Der Säufer in der Kneipe. Das letzte Mal in der leeren Wohnung. Der Gierige. Die Fanatiker. Ein Flur im Krankenhaus in der Nacht. Eine Fünfzehnjährige, fertig, kotzend, auf der Straße. Kinder-Soldaten.

Der „Gott des Trostes“.

Sie sind Christen. Warum wurde das Christentum zur größten Religion der Welt? Ich weiß es nicht, aber manchmal denke ich: nicht, weil es die Wahrheit sagt; nicht, weil es große Dinge von den Menschen verlangt. Sondern weil das Christentum tröstet.

Sag mir keiner, er brauche niemals Trost. Warum gehen Männer ins Bordell und warum kaufen sich Frauen Schuhe? Weil keiner da ist, der tröstet. Warum trinkt man zwei, drei Achterl? Weil es so leichter wird. Kinder können ein Trost sein und das warme Licht eine Lampe am Abend. Die Musik, die Natur, das Kino, ein Buch. Warum gehen die Leute hinaus an den Jordan, wo Johannes tauft? Auch die Reue ist ein Trost. Da draußen sagt einer: Es gibt eine Chance; es kann sich etwas ändern.

Der „Gott des Trostes“, von dem Paulus spricht: Wir brauchen ihn. Er ist da. „Ein Reis wird aus dem Stumpf Isais sprossen…“ Leben aus dem, was fertig und tot zu sein schien.

Ein Kind geht zugrunde, wenn es keinen hat, der mit ihm spricht. Ein Erwachsener kann allein sein (und muss es können), aber wenn er nur allein ist, immer allein sein will, dann ist er krank. Der Tod macht uns Angst, weil es der Moment ist, den wir ganz allein bestehen müssen.

Die Kindheit vergeht, dann die Jugend, dann die Zeit der reifen Kraft. Die Liebe, die körperliche Kraft und Schönheit, auch die Kraft in den Gedanken und Gefühlen: Alles wird weniger. Wir beginnen unser Leben begeistert, engagiert, begabt; dann werden wir gelassen, klug und vorsichtig. Und schließlich kalt. Krankheit und Schmerzen machen uns Angst, weil sie uns zeigen, wie unsere Stärke dahingeht.

Wir lieben unsere Freiheit, aber wir brauchen auch die Ordnung. Zu viel Fremdes, zu viele Möglichkeiten und Fragen hält keiner aus. Wir müssen wissen, irgendwann, was richtig ist und was falsch. Und darin mit anderen einig sein. Unsere Gesellschaft macht deswegen so vielen Angst, weil es nichts mehr gibt, worauf sich alle berufen, woran man sich gegenseitig erinnern kann. – Alle brauchen Trost.

Gegen die Einsamkeit helfen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Noch besser: Wenn einer stolz ist auf dich (waren Ihre Eltern stolz auf Sie? Ist Ihr Partner stolz auf Sie? Ist die Kirche stolz auf Sie?). Und es tröstet, wenn einer einfach da ist. Gott ist da.

Gegen die Vergänglichkeit helfen: Treue, Gelassenheit, Klugheit.
Gegen die Verunsicherung und die Unordnung hilft die Wahrheit. Und die Einmütigkeit („die Einmütigkeit, die Christus … entspricht“).
Stärke tröstet („der nach mir kommt, ist stärker“).
Und Dankbarkeit tröstet. Denn sie sagt: Es ist gut. Alles ist gut.

Sie können viel tun, um die Welt tröstlicher zu machen. Aber ganz schaffen Sie es nie. Unser Atem ist zu kurz. Der Egoismus und die Lust am Zerstören schlagen immer wieder durch. Diese alte Welt ist so oft stärker.
Wer mit ihr allein bleibt, wird verlieren.

Eine Chance hat nur, wer glaubt. Der Glaube weiß, dass alles, was ist, alles, was wir um uns sehen, was wir erleben, immer weniger ist. Zu wenig. Glaube stößt durch in die weite Welt Gottes. Gott ist immer größer als das, was uns bedrückt. Die Größe Gottes befreit.

Wer um die Zehn Gebote Gottes weiß, der findet sich in dieser Welt zurecht. Er ist nicht orientierungslos.

Wer Gott hat, – den, der nahe ist, in Jesus Christus, in der Eucharistie –, der ist nicht mehr allein.
Wer Gott hat, der wird nicht weniger an Geist und Gefühl, sondern mehr.
Wer Gott hat, versteht, gewinnt an Einsicht. Und er kann immer mehr lieben.
Wer Gott gefunden hat, der ist frei, weil keine Macht der Welt bis zu Gott reicht.
Was der Prophet Isaias sagt, ist ein Trost. Er spricht vom Messias. Von dem, den die Menschen erhoffen: ein Mensch, der tiefere Einsicht hat in die Zusammenhänge; der weiß, was Not tut; der Rat annimmt; der sich durchsetzen kann; der erkennt, was zu tun ist. Und der Gottes Weisung achtet.

Dieser Mensch, auf den alle hoffen, kümmert sich um die Schwachen; er drängt das Böse zurück; er ist verlässlich und gerecht für das Volk.

Mit so einem orientieren sich die Starken nicht an den noch Stärkeren, sondern an den Schwachen: Der Wolf geht zum Lamm, der Panther zum Böcklein… Ein Leben ohne Angst. Das Paradies. Das Trost-Land.

Ein Traum? Nein, ein Auftrag. Lassen wir den Spross Isais handeln? Jesus ist der Spross Isais. Die Hoffnung aus dem vertrockneten Strunk.

Tun wir mit? Mit dem „Gott der Geduld und des Trostes“? Sind Sie eine Frau der Geduld und des Trostes? Sind Sie ein Mann des Trostes?

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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