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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Erster Advent, 1. Dezember 2019

01/12/2019 


Erster Advent, 1. Dezember 2019

Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Es beginnt; Katastrophen werden kommen. Der Paketbote hängt einen dieser Zettel an die Tür. Die Oma zickt. Die Kinder rasten aus. Der bestellte Fisch ist nicht da. Die Weihnachtsfeier endet in Peinlichkeit. Die Karten sind noch nicht geschrieben. Die Kirchenzeitung zeigt Bilder von innigem Kerzenschein; sie lügt. Und dann kommt die Flut. – Der Advent ist Zeit der Katastrophen. So lachhaft manche scheinen mögen, von außen gesehen, im Vergleich mit anderen: Für den einzelnen sind sie ernst; sie summieren sich, türmen sich, fügen sich zu den Sorgen dieser Epoche – und erdrücken die Menschen. Was machen die dann? Sie fressen und saufen oder streiten sich. Sagt Paulus.

Menschen leben einfach ihr Leben, – da kommt die Flut. Zwei Männer tun genau das Gleiche, aber nur einer wird mitgenommen, der andere zurückgelassen. Unruhe fasst nach mir. Zu welcher Gruppe werde ich gehören: zu den Mitgenommenen oder zu den Zurückgelassenen?

Sie alle sagen immer wieder: „Bis du kommst in Herrlichkeit.“ Sie behaupten öffentlich, daran zu glauben, dass Christus wiederkommt. Dieses Evangelium vergleicht die Wiederkunft Christi mit einem Einbruch oder einem Tsunami. Das Evangelium spricht vom Unerwarteten, vom Unvorstellbaren, vom Hereinbrechenden. Es will uns erschüttern. Der Glühwein-Weihnachtsfeier-Rausch hilft nicht weit; der Adventskranz ist in Wahrheit ein schauerliches Zeichen. Er leuchtet in Ihren Häusern und flüstert: „Die Zeit läuft.“

Wozu dienen Katastrophen? Was ist das Gute an Katastrophen? Dass sie uns erschüttern. Die läppischen, über die wir selbst nach zwei Tagen lachen und die, die uns umhauen: Sie erschüttern unser Inneres.

Religion bedeutet für die meisten Leute Bewahrung. Deswegen sind die meisten Gläubigen gläubig: Weil sie auf Kontinuität hoffen, auf Sicherheit. Die Pfarre wie der Orden haben den gleichen, Jahrhunderte lang gepredigten und geübten Reflex: Veränderung nur, wenn es gar nicht mehr anders geht. Und wenn, dann nur äußerlich. Alle tun, oft sehr Gutes, aber keiner will innerlich werden. Die Seele bleibt außen vor. So aber werden wir das Ziel nicht erreichen.

Was ist das Ziel? Neulich sagte ein alter Mann: Ein gutes Leben. Ich will meine Familie öfter sehen als nur einmal im Jahr. Ich will ein Stück Kuchen essen, wenn ich Lust darauf habe. Die Jungen sagen: Das Ziel ist, die Klimakatastrophe zu verhindern. Und dann merken sie, was wir schon lange merken: Es kommt nicht an; sie hören uns nicht. Die Leute sagen: Es wird etwas geschehen, wir fühlen es. Die Leute haben Angst. Christen nicht. Ein Christ weiß: „Ich bin auf Gott hin geschaffen“ (s. Kol 1, 16). Das reicht.

Der echte Christ lebt aus der Taufe. So wird er zu einem geistlichen Menschen. Das ist das Ziel. Er wird mehr Licht. Das ist eine innere Arbeit: Entscheidungen, Durchhalten, Übung. Das Ziel: In der Liebe verwurzelt zu sein. Mit anderen Worten: Vereinigung mit Christus. Warum ist das allen so fremd?

Die Gebote, die evangelischen Räte, geistlichen Übungen, die Sakramente, die Liturgie, die immer reifere persönliche Erfahrung: Alle führen zum Ziel, zum einfachen, liebenden Blick auf Gott. Dann geschieht der Wille Gottes „im Himmel wie auf Erden“.

Das geht aber erst, wenn unsere Vorstellungen von Gott gegangen sind und unser Eigenwille gestorben ist, erschüttert von den Katastrophen des Lebens. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt…“ (Jo 12,24) Jede Katastrophe zertrümmert etwas in uns, richtig. Aber vielleicht etwas Unnötiges? Falsches? Böses? Und es ist gut, dass es hin ist? Wer alles von Gott weiß, macht keine Erfahrung Gottes mehr. Die Größe Gottes bleibt eine Formel. Sie muss aber eine Realität werden in uns.

Dieses Ziel ist nur zu erreichen, wenn wir verlieren. Wenn Platz frei wird. Das geschieht aber nicht von selbst. Wir wollen behalten, Bescheid wissen über Gott und die Welt. Es geht aber um eine Neugestaltung, eine völlig neue Erfahrung. Wenn Sie geistliche Menschen geworden sind, werden in Ihrer Seele Gedanken aufsteigen, Worte, Entscheidungen, wie sie niemals von einem Menschen kommen können.

Der Advent ist, heißt es, die Zeit des Wachens. Wachen bedeutet nicht Kontrolle oder Misstrauen. Vor allem nicht Beschäftigung mit sich selbst. Der Wächter ist der, der nicht weiß, wann, nicht von wo, nicht wer genau. Der Wächter muss sehen, weit hinaus. Wachheit bedeutet eine gewisse Leere. Wer wacht, ist offen; er kann sich nicht mit sich selbst beschäftigen. Hier bekommt auch das, was Paulus schreibt, seinen Sinn: „ohne Fressen und Saufen, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht“. Ist also alles verboten, alles, was Spaß macht? Es geht nicht um Verbote; es geht darum, dass alles das voll macht, den Leib und die Seele. Keine heilige Leere mehr, kein Warten mehr.

Wenn Katastrophen zur Verhärtung führen, zum verbissenen Willen, alles wieder werden zu lassen, wie es war, – dann ist ihre Chance verpasst. Wenn die Katastrophen etwas leerräumen und IHM Platz machen, dann waren sie zu etwas gut. Es geht also darum, unsere Katastrophen zu gestalten. Beispiel: die Katastrophe der Einsamkeit. Man kann auffüllen mit Leiden, Erinnerungen, Rache, Sehnsüchten – oder man kann leer werden. Still. Wachend.

Was ist das Ziel? Biedermeiers Zufriedenheit? Der Lottogewinn? Oder Gott? „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Friede. Und Freude im Heiligen Geist“ (Röm 14).

Fürbitten 

Der Prophet ruft: „Lasst uns wandeln im Licht des Herrn!“
Der Apostel ruft: „Lasst uns anlegen die Waffen des Lichts!“
Vater im Himmel, erleuchte unser Inneres.
Heiliger Geist, mache uns licht und hell für die anderen.

Die Veränderungen sind uns unbequem. Oder sie machen uns Angst.
Heiliger Geist, gib, dass unsere Entscheidungen in der Pfarre und im Orden geistgewirkt sind.

Wir sind alle getauft. Wir müssen also alle den Glauben verkünden.
Mit dem Papst beten wir um die richtige Sprache und die richtigen Gesten.

Jesus Christus, die Schmerzen und Katastrophen deines Lebens wurden zum Segen für uns. Hilf uns, unsere Katastrophen anzunehmen und zu gestalten.
Hilf unseren Kranken.

Beten heißt, leer werden. Damit Gott alles werden kann.
Herr, lehre uns richtig zu beten.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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