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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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Dienstag der vierten Woche im Jahreskreis, 5. Februar 2019 (gehalten am Montag, 4. Februar)

04/02/2019 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Mein größtes Argument gegen Gott: die Menge. Die Zahl. Hier komme ich an den Punkt, an dem ich Gott nicht mehr zu denken vermag; wo ich mich nur noch beugen kann und hoffen.

„Eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn“, heißt es im Evangelium. Und der Hebräerbrief spricht von einer „Wolke von Zeugen“. Wer in der Großstadt lebt, kann wissen, was gemeint ist. Wer an einem Wintertag, wenn es dunkel wird, am Ring steht, an einer Kreuzung, allein, vielleicht noch neu in Wien, wer so da steht, der muss doch denken: So viele Menschen, so viele Schicksale! Vor so viel Geschichte bin ich: nichts. Die Stadt lebt über mich weg. Ich bin ohne Belang.

Wenn Sie an den hohen, prächtigen Häusern vorbeigehen, die diese Stadt aufgetürmt hat, bedenken Sie da manchmal, wie viele Menschen in diesen Räumen schon gelebt haben? Wie viele vor Ihnen in der Wohnung waren, die jetzt Ihre ist? Wie viele in dem Zimmer gestorben sind, in dem Sie jetzt sitzen? Wie viele vielleicht abgeholt wurden aus dieser Wohnung in jener Zeit? Ein Gebirge von Menschen, Wogen von vergessenen Namen. Und Sie verstehen: Ich bin nur einer. Ein Einzelner in der unübersehbaren Menge. Wie Jaïrus, der Mann, dessen Tochter im Sterben liegt.

Wie ist es zu denken, dass Gott jedem, jedem Menschen seine Aufmerksamkeit schenkt? Seine Liebe sogar? Keiner, kein einziger soll vergessen sein: Hier gerät der Verstand an seine Grenzen. Vollends, wenn gesagt wird: Gott trägt die Sünde der Welt. Trägt sie und nimmt sie weg. Jede einzelne Bosheit, jedes Laster, jedes verborgene Verbrechen, alles, was in diesem Häusermeer je geschah und in allen Häusermeeren dieser Welt, alles nimmt Christus auf sich. Es ist nicht zu denken, und dennoch müssen Sie, gelegentlich wenigstens, versuchen, es zu denken. Damit Sie ahnen, was das bedeutet: Erlösung der Welt. Erlösung der Menge.

Das ist die Geschichte des heutigen Evangeliums. Jaïrus: nur einer unter vielen. In diesem Vater geschieht in kaum einer Stunde das ganze Leben: Liebe, Verzweiflung, Hoffnung. Die Nachricht: „Dein Kind ist gestorben.“ Und das Gegenwort des Herrn: „Sei ohne Furcht!“ Und das Lachen der Leute. Und das Entsetzen vor dem Wunder der Auferweckung von den Toten. Und die neue Freude über sein Kind. Das, was alle Menschen kennen oder kennen werden, ist in der einen Stunde des Jairus. Aber da ist keine Brücke zu den vielen Menschen um ihn herum. Der Mann ist allein unter all den Leuten. Die Brücke zu den anderen ist nur Jesus.

Vielleicht ist das so: dass wir den anderen nie erreichen können. Nur durch Gott. Vielleicht ist in Wahrheit nur Gott die Verbindung unter den Menschen.

Wir sind im Menschen-Meer. Wir erleben Himmel und Hölle in ein paar Augenblicken oder in vielen Jahren, egal. Und niemand, kein anderer Mensch scheint es zu merken, geschweige denn zu teilen. Und Gott scheint fern. Noch ferner als die Menschen.

Und dann, in einem Augenblick, geht uns auf: Er war da, die ganze Zeit. Gott weiß alles um mich.

Gott weiß auch, was die Menge und die Geschichte in Wirklichkeit ist: nämlich Einzelne. Die vielen, die um Jaïrus herum sind, die nichts kapieren, die nur quatschen und glotzen und lachen, sie leben ein Leben wie Jaïrus es lebt und wie wir es leben. Jeder ist wertvoll.

Und mitten in den Wirbel all dieses Lebens, mitten in all das hinein, das wir nicht verstehen, nicht messen, nicht tragen können, mitten da hinein setzt der Herr das Ende einer hoffnungslosen Krankheit: Die verzweifelte Frau wird geheilt. Mitten in all das hinein setzt der Herr sogar das Ende des Todes. „Mädchen! Ich sage dir: Steh auf!“

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

Souveräner Malteser-Ritter-Orden

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