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Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta

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33. Sonntag im Jahreskreis (B), 18. November 2018

18/11/2018 


Im Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes

Ein Feigenbaum. In vielen Gegenden nichts Besonderes. Trotzdem sagt Jesus: Schaut hin! Schaut ihn euch an, den Baum. Beobachtet. Beobachtet und versteht! – „Der Feigenbaum sei euch ein Gleichnis und eine Lehre.“

Bringen Sie Ihren Kindern bei, genau hinzusehen? Und Sie selbst? Stolpern Sie durch ihr Leben? Hetzen Sie durch? Oder beobachten Sie? Beobachten Sie sich selbst, die anderen, die Welt? Schauen Sie genau hin und verstehen?

Beobachten erfordert Mut. Weil, was man da sieht, nicht immer schön ist. Beobachten braucht Sammlung, Zeit, Ausdauer. Das unterscheidet es vom neugierigen Gaffen. Die bei einem Unfall stehen bleiben und filmen, sind bloß Gaffer. Sie erkennen nichts. Sie verstehen nicht.

Mut, Sammlung, Ausdauer: Lernen Sie das bei uns hier, in der Kirche? (Die Frage kann natürlich nur beantworten, der öfter zu uns kommt.)

Beobachten, – nicht beurteilen. Schon gar nicht verurteilen. Sich nicht, andere nicht. Erst einmal hinsehen. Anders als die anderen, die gar nicht erst hinschauen und gleich verurteilen.

Nehmen wir an, Sie stecken in einer wilden Versuchung. Sie wollen unbedingt dieses Auto, obwohl Sie eh schon Schulden haben. Sie wollen diesen Mann, jetzt, obwohl Sie doch verheiratet sind. Sie brauchen absolut, unbedingt Schokolade und kalten Schweinsbraten, beides, obwohl Sie wissen: Danach wird’s mir schlecht gehen. Es beutelt Sie. Sie gleiten ins Niedere, ins Schlechtere: Bleiben Sie ruhig. Beobachten Sie sich. Ganz genau. Das macht Sie nüchtern und ruhig.

Warum fordert Jesus seine Leute auf hinzusehen? Warum sollen sie diesen Baum betrachten? Weil, wer beobachtet, irgendwann versteht. Wer aber versteht, sieht mehr. Sieht hinter die Dinge. Wer versteht, hört auf, Sklave zu sein.

In der ersten Lesung wie im Evangelium ist die Rede vom Ende der Welt, von den Engeln, den Toten und den Lebenden. Die zweite Lesung spricht von einem Priester. Dem einzigen. Vom Opfer, das rettet. Christus ist der Priester, der rettet. All das zeigt Ihnen Ihr Job nicht. Das sehen Sie nicht, wenn Sie durch die Kärntnerstraße eilen. Das sehen Sie nicht auf youtube.

„Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen. Die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schande. Und die Männer (und Frauen), die viele zum Rechten geführt haben, werden wie die Sterne leuchten…“

Andere „zum Rechten führen“ kann nur, wer etwas verstanden hat. Wer beobachtet und versteht, weiß: Das hier endet. Wer beobachtet, erkennt: Die wir für tot halten, für vergangen, sind alle da. In uns. Eltern, die gelernt haben zu sehen, wie Jesus sieht, betrachten ihre Kinder und verstehen: Dieses Kind kommt von Gott. Mein Kind ist „Tempel des Heiligen Geistes“. Mein Kind ist ein Werk Gottes und nicht mein Werk und nicht mein Besitz. Wer gelernt hat zu sehen, wie Jesus sieht, der erkennt: Der Mensch mir gegenüber ist viel. Und er ist viele.

Und was tut, wer betet? Er schaut. „Ich schaue Jesus an, und er sieht mich an“, so beschrieb ein Bauer in Frankreich seinem Pfarrer das Gebet. Die Hostie in der Monstranz gibt es, damit es etwas zu sehen gibt. Zu beobachten. Wenn Sie vor der Hostie sitzen oder knien: Verbinden Sie Sehen und Glauben, ganz ruhig, behutsam. Glauben Sie! Sie werden sehen, was nicht ist und zugleich ist, Brot und doch kein Brot. Christus in der Gestalt der Hostie. Sie werden Stille sehen. Und Kraft. Nur Schauen, kein Profit, kein eiliges Tun. Nur Sehen. Spuren erkennen.

Nicht nur um Selbstbeobachtung geht es also, nicht nur um Vorsicht und Nüchternheit. Es geht um Erkenntnis. Glauben hat mit Erkennen zu tun. Mit Nachdenken, Erkennen, Entscheiden. Der Gläubige erkennt anderes als der Ungläubige. Der Gläubige bleibt vor Fragen, Zweifeln, Geheimnissen, aber dennoch weiß er.

„Lass uns begreifen“, heißt es im ersten Gebet dieser Messe. Der Gläubige blickt auf die Welt, auf das, was ihm begegnet. Er beobachtet in der Natur und an sich selbst die Zeit des Wachsens und Reifens, – und seine Vernunft sagt ihm: Auch die Zeit der Ernte wird kommen. Und sein Glaube sagt ihm: Ich werde erwachen.

Zum mündlichen Vortrag bestimmt, verzichtet dieser Text auf Quellenangaben. Jede Vervielfältigung und Veröffentlichung bedarf der ausdrücklichen Zustimmung des Autors.

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